Diese Flugbegleiterinnen demonstrierten gegen Gehaltseinbußen, nicht gegen die Impfung

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Hunderte Nutzerinnen und Nutzer haben auf Facebook ein Video eines Protests von Flugbegleiterinnen in Italien mit der Behauptung geteilt, es handele sich um eine Protestaktion gegen die "Todesspritze". Die Kundgebung richtete sich allerdings gegen Entlassungen durch die Fluggesellschaft Alitalia. Die Gewerkschaft, die den Protest unterstützt, bestätigte gegenüber AFP, dass der Protest nichts mit Impfungen zu tun hatte.

Auf einem Platz zieht sich eine Gruppe von Flugbegleiterinnen die Kleidung aus. Hunderte haben dieses Video im Oktober auf Facebook geteilt (hier, hier). Tausende User sahen es auf Telegram (hier, hier, hier). Auch auf Niederländisch, Portugiesisch, Polnisch und Ungarisch verbreiteten User den Clip.

Die Falschbehauptung: Das Video selbst blendet den Text ein: "Italienische Stewardessen verweigern Todesspritze". User beschreiben es so: "Italienische Stewardessen, die lieber ihr Leben als ihren Job samt Todesspritze behalten."

Facebook-Screenshot der Falschbehauptung: 28.10.2021

Das Video gehört zu einer Serie von Falschbehauptungen, bei denen Impfgegnerinnen und -gegner falsches Bildmaterial von Demonstrationen verwenden, um aktuellen Corona-Protesten mehr Relevanz zu verleihen. AFP hat in der Vergangenheit in diesem Zusammenhang etwa mehrere Aufnahmen angeblicher Corona-Demos überprüft, die in Wahrheit katalanische Separatismus-Proteste 2019 zeigten. Bei einem vermeintlichen Corona-Protest in Spanien handelte es sich in Wirklichkeit um eine Filmvorführung in Italien 2019. Angebliche Bilder aus Turin, wonach sich die Polizei dortigen Corona-Demonstrierenden angeschlossen habe, stammten von Protesten in Thailand 2013. Bei einer vermeintlichen Corona-Demo in Triest im Oktober 2021 handelte es sich tatsächlich um eine Jahre alte Techno-Parade in Zürich. Auch die aktuell geteilte Aufnahme der angeblich gegen die Impfung protestierenden Flugbegleiterinnen gehört in diese Reihe.

Der Grüne Pass in Italien ist ein Nachweis, der zeigt, ob jemand von Corona genesen, negativ getestet oder geimpft ist. Der Besitz eines solchen Passes ist seit dem 15. Oktober für alle Arbeitnehmerinnen und -nehmer in Italien Pflicht, was zu Demonstrationen im ganzen Land führte. Damit hat die Protestaktion der Flugbegleiterinnen allerdings nichts zu tun.

Demonstration gegen Stellenabbau und Lohnkürzungen

Mithilfe einer Google-Suche fand AFP Berichte über den Protest, die dieselbe Szene zeigen. Der Nachrichtensender CNN beschrieb das Gezeigte so: "Ehemalige Alitalia-Flugbegleiterinnen haben diese Woche auf besonders italienische Weise gegen Arbeitsplatzverluste und Gehaltskürzungen protestiert – indem sie sich ausgezogen haben." Berichten zufolge fand die Protestaktion am 20. Oktober auf dem Piazza del Campidoglio im Zentrum Roms statt.

Ähnlich berichtet auch die Nachrichtenseite "Euro News" und erklärte, dass die Fluggesellschaft Alitalia ihren letzten Flug durchgeführt habe und durch eine neue Fluggesellschaft, die ITA, ersetzt werde. Diese übernehme nur weniger als 3.000 der 10.000 Beschäftigten von Alitalia und Gewerkschaftsvertreter befürchteten, dass die von ITA übernommenen Mitarbeitenden deutlich schlechter bezahlt werden würden. AFP hat ebenfalls über die neue Fluggesellschaft berichtet.

Italienische Medien berichteten, dass die Demonstration von der Gewerkschaft USB (Unione Sindacale di Base) organisiert wurde und nennen die USB als Quelle für das Videomaterial. In keinem der Nachrichtenberichte, die AFP über die Veranstaltung fand, wurde die Impfung als Thema erwähnt.

Gewerkschaft bestätigt, dass Protest "nichts mit Impfung zu tun" hatte

Auf der Facebook-Seite der USB fand AFP eine Aufzeichnung einer Liveübertragung, die mit den aktuell geteilten Postings übereinstimmt und am Tag des Protests am 20. Oktober hochgeladen wurde. Es ist auch die früheste Veröffentlichung, die AFP von diesem Video finden konnte, was darauf hindeutet, dass es sich hier um das Original handelt.

Die Gewerkschaft erwähnt die Aktion auch auf ihrer Website, wo sie diese als "stillen Protest gegen die Missachtung des Gesetzes und die Arroganz, mit der die ITA 8.000 Beschäftigte der ehemaligen Fluggesellschaft entlassen hat" beschreibt. Aus dem Text geht auch hervor, dass mehrere Mitglieder der USB an dem Protest teilgenommen haben.

AFP hat die Gewerkschaft am 27. Oktober kontaktiert und gefragt, ob der Protest etwas mit der Impfung gegen Corona zu tun habe. USB-Sprecher Piero Santonastaso schrieb: "Ich bestätige, dass der Protest der Alitalia-Stewardessen auf dem Campidoglio am 20. Oktober, der mit Unterstützung der USB organisiert wurde, nichts mit Impfungen zu tun hatte."

Fazit: Der Protest italienischer Flugbegleiterinnen richtete sich gegen Arbeitsplatzverluste und Gehaltseinsparungen. Mit der Corona-Impfung hatte ihre Protestaktion nichts zu tun, bestätigte ein Gewerkschaftssprecher.

Übersetzung:
COVID-19 IMPFUNGEN