Doch, Masken bieten nachweislich Schutz vor Infektionen

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Masken sind seit Beginn der Corona-Pandemie 2020 ein wirksames Instrument, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Trotzdem behaupteten Dutzende User Anfang Juli 2022 in sozialen Netzwerken, Masken würden "niemandem" helfen. Es gebe angeblich keine wissenschaftlichen Belege für einen wirksamen Schutz. Tatsächlich erklärten verschiedene Expertinnen und Experten gegenüber AFP, dass Masken einen guten Schutz vor Viren bieten. Auch Studien, Gesundheitsinstitute und die Bundesregierung legen das mit Bezug auf wissenschaftliche Untersuchungen nahe.

Dutzende User haben Anfang Juli 2022 die Behauptung über die vermeintlich unwirksamen Masken auf Facebook geteilt (hier, hier). Das Gleiche teilten auch Instagram- und Twitter-User sowie Nutzerinnen und Nutzer des russischen sozialen Netzwerkes vkontakte.ru. Besonders häufig teilten User einen Beitrag des nordrhein-westfälischen AfD-Landtagsabgeordneten Christian Blex. Die Behauptung kursierte auch auf Englisch.

Die Behauptung: User in sozialen Netzwerken teilen unterschiedliche Texttafeln, auf denen etwa eine Illustration einer Frau mit Maske zu sehen ist. Dazu heißt es: "Du hilfst niemandem und du siehst behindert aus." In einer anderen Version heißt es: "Einen wissenschaftlichen Nachweis, dass OP- oder FFP-2 Masken tatsächlich vor Infektionen schützen, gibt es bis heute nicht…" Dahinter ist ein Masken-Emoji zu sehen.

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 27.07.2022

Zur Schutzwirkung von Masken vor Viren kursieren diverse Falschbehauptungen in sozialen Netzwerken. AFP hat in der Vergangenheit bereits Behauptungen widerlegt, Masken enthielten gefährliche Giftstoffe, erhöhten das Krebsrisiko oder führten zu Sauerstoffmangel bei Kindern. Auch die Behauptung, FFP2-Masken würden keinen Schutz vor Viren bieten, widerlegte AFP bereits mehrfach (hier, hier, hier).

Welche konkreten Krankheitserreger und Maskenhersteller gemeint sind, wird in den meisten Postings nicht genauer geschrieben. Einige schreiben allerdings von OP- und FFP2-Masken. In der Corona-Pandemie waren sie immer wieder Teil der von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmenpaketen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens. Kritikerinnen und Kritiker dieser Maßnahmen fühlten sich auch von der Maskenpflicht belastet, was im März 2022 in Rheinland-Pfalz sogar zu einer tödlichen Auseinandersetzung an einer Tankstelle führte.

Unterschiedliche Masken bieten unterschiedlichen Schutz

Zwar bieten alle Maskentypen einen gewissen Schutz vor Infektionen, die Schutzwirkung variiert jedoch je nach Maskentyp. Das geht aus einem wissenschaftlichen Artikel in dem Fachjournal "National Library of Medicine" (NIH) hervor, den die Bundesregierung am 18. Juli 2022 in einer Antwort auf eine Anfrage mehrerer AfD-Bundestagsabgeordneter zu wissenschaftlichen Belegen der Wirksamkeit von Masken zitierte.

Forschende der Universität Marburg haben in einer "praxisnahen" Laborsituation unterschiedliche Maskentypen von Stoffmasken bis zu FFP2-Masken auf ihre Aerosol-Filterleistung getestet, also jener mikroskopischen Flüssigkeitspartikel der Atemluft, die Coronaviren übertragen können. Dabei filterten Stoffmasken mit einer Filterleistung von rund 28 Prozent Aerosole am schlechtesten. Medizinische Masken (rund 63 Prozent) und FFP2-Masken (rund 98 Prozent) zeigten bessere Leistungen.

Die Forschenden kamen zu dem Schluss: "Insgesamt weisen unsere Daten darauf hin, dass das Tragen von Masken insbesondere bei Gesundheitsmitarbeitenden sehr empfehlenswert ist, um den individuellen Träger der Maske vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 und anderen luftübertragenen Krankheiten zu schützen."

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch ein Forschungsartikel des Max-Planck-Instituts zur Schutzwirkung von unterschiedlichen Masken gegenüber infektiösen Partikeln von Dezember 2021. In dem im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America" (PNAS) veröffentlichten Artikel erklären die Forschenden anhand einer Modellrechnung, wie hoch das Infektionsrisiko beim Tragen unterschiedlicher Masken ist, wenn sich zwei Personen miteinander unterhalten, von denen eine infiziert ist. In manchen Szenarien trugen beide Personen eine Maske, in anderen nur eine Person. Es wurden auch Szenarien berücksichtigt, in denen die Maskentragenden über Lücken zwischen Gesicht und Maske ungefilterte Luft einatmen würden.

Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation und Co-Studienautor, Eberhard Bodenschatz fasste am 27. Juli 2022 gegenüber AFP zusammen: "Stoffmasken schützten wenig, weil sie nicht normiert sind und nicht getestet werden müssen. OP- und FFP-Masken sind normiert und getestet. Eine sehr gut sitzende OP-Maske ist schlechter als eine extrem schlampig aufgesetzte FFP-Maske." Die konkreten Filterleistungen der Szenarien sind in dem Forschungsartikel detailliert aufgeführt und ähneln den bereits erwähnten Ergebnissen der Universität Marburg.

Welche Normen für Masken gelten, hat AFP in diesem Faktencheck und diesem Video erklärt.

Jede Maske bietet gewissen Schutz

Stoffmasken schneiden bei beiden Untersuchungen am schlechtesten ab. Sie waren zu Beginn der Pandemie Anfang 2020 weit verbreitet, auch weil die besseren medizinischen und FFP-2-Masken infolge des plötzlich gestiegenen Bedarf nur schwer erhältlich waren. Nachdem diese aber in ausreichenden Mengen verfügbar wurden, verpflichtete und verpflichtet die Bundesregierung noch heute an maskenpflichtigen Orten wie öffentlichen Verkehrsmitteln zum Tragen von OP-, FFP2- oder FFP3-Masken.

OP- und FFP2-Masken erfüllen nämlich wichtige Schutzfunktionen. Bodenschatz erklärte: "Wir Menschen geben beim Atmen, Sprechen und Singen Tröpfchen ab. Diese Tröpfchen enthalten Atemflüssigkeit und Saliva (Anm. d. Red.: Speichel), in denen sich die Virionen (Anm. d. Red.: Virusteilchen) befinden können. Ohne Maske fallen die großen relativ schnell zu Boden und die kleinen bleiben lange in der Luft. OP- und FFP-Masken lassen Teilchen, die größer als zehn Mikrometer sind, kaum raus oder rein, da diese im Filtervlies oder auch zwischen Haut und Maske hängen bleiben."

Martin Kreyenschmidt, Chemieingenieur an der Fachhochschule Münster, erklärte gegenüber AFP am 29. Juli 2022 das Gleiche. Er ergänzte, dass FFP2-Masken auch noch kleinere Aerosole filtern könnten, sagte aber auch: "Es gibt Viren, wie etwa das Parvovirus, das Ringelröteln auslöst, mit einem Durchmesser von 0,01 µm. Sie sind deutlich kleiner als das Sars-Cov-2 und werden unter Umständen nicht von FFP2-Masken gefiltert. Es gibt aber, soweit mir bekannt aktuell keine Hinweise, dass Aerosole kleiner als 1 µm zu einer Infektion mit COVID-19 führen."

Nur eingeschränkte Aussagen über Masken möglich

Ein von der Bundesregierung beauftragtes 18-köpfiges Team aus Wissenschaft, Medizin und Jura kommt in einem Evaluationsbericht zu den Maßnahmen vom 30. Juni 2022 zum selben Schluss: "Die grundsätzliche Wirksamkeit von medizinischen Gesichts- und partikelfiltrierenden Halbmasken zur Verhütung und Bekämpfung der SARS-CoV-2- Infektion kann als weitgehend gesichert gelten." Wie groß der Effekt allerdings wirklich war, konnte die Sachverständigen nicht feststellen, weil es keine "randomisierten, klinischen Studien zur Wirksamkeit von Masken" gebe.

Corona-Experte und Immunologe Carsten Watzl erklärte dieses Problem gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland wie folgt: „Um wissenschaftlich zu belegen, was einzelne Maßnahmen konkret bringen, braucht es eigentlich immer eine Kontrollgruppe.“ Diese Kontrollgruppe unter identischen Bedingungen gab es in der akuten Krise in Deutschland aber nicht.

Laut Robert-Koch-Institut sind viele Studien auch zu Einzelmaßnahmen methodisch beschränkt. Maßnahmen wie die Maskenpflicht werden in der Praxis außerhalb von Laboren allerdings auch meist in Kombination mit anderen Maßnahmen angewandt.

Guter Schutz bei korrekter Anwendung

Eine weitere Einschränkung zur Wirksamkeit von Masken sei auch, dass in der Realität das korrekte Tragen von Masken und das tatsächliche Befolgen der Maskenpflicht nicht lückenlos kontrolliert werden könne.

Samir Salameh, Professor für mechanische Verfahrenstechnik und Kreislaufwirtschaft an der Fachhochschule Münster, sagte am 29. Juli 2022 gegenüber AFP: "Masken bieten einen sehr guten Schutz vor Krankheiten, die sich über Tröpfchenübertragungen ausbreiten." Seiner Einschätzung gebe es darüber in der Wissenschaft keine Meinungsverschiedenheiten. "Allerdings bieten Masken keinen 100-prozentigen Schutz, sondern schützen immer nur mit einem bestimmten Wahrscheinlichkeitsgrad. Dieser hängt von der Art der Maske, deren Alter sowie der Art, wie man sie trägt, ab. Wenn die Maske nicht dicht sitzt, bietet sie deutlich weniger Schutz!"

Eberhard Bodenschatz erklärte zu den aktuellen Infektionszahlen: "Der große Anstieg der Infektionen derzeit korreliert mit dem Weglassen der Masken."

Fazit: Die Behauptung, es würde keine wissenschaftlichen Belege für den Nutzen von Masken geben, ist falsch. Forschende haben in wissenschaftlichen Untersuchungen gezeigt, dass Masken je nach Typ und Anwendung einen gewissen Schutz für die Tragenden und ihre Mitmenschen bieten.

2. August 2022 Kontext zu Samir Salameh verlinkt.
2. August 2022 Zuordnung der Zitate der Experten der Fachhochschule Münster geändert.
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