Wissenschaftliche Studien und Forschende belegen den Virenschutz durch Masken

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Hunderte User haben sei Anfang Juli eine Behauptung auf Facebook geteilt, wonach Masken keinen Schutz vor Viren bieten würden. Gesundheitsbehörden, wissenschaftliche Studien sowie Expertinnen und Experten widersprechen dieser Aussage.

Hunderte User haben die Masken-Behauptung seit dem 2. Juli als Facebook-Sharepic geteilt. Darauf heißt es: "Die Maske schützt nur vor Bußgeld und sozialer Ächtung. Nicht vor Viren!" In der Kommentarspalte gibt es Zustimmung für diese Aussage, etwa heißt es: Die Behauptung sei "sogar erwiesen".

Facebook-Screenshot: 13.07.2021

Bereits im Dezember 2020 legte die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) in einem Positionspapier die Funktionsweise verschiedener Masken dar. Die Vereinigung fördert die wissenschaftliche Arbeit zu winzigen luftgetragenen Partikeln (Aerosole), die unter anderem auch Viren transportieren können. Eine sachgemäße und großflächige Verwendung von geeigneten Masken könne laut GAeF die Verbreitung von Viren effektiv eindämmen, erläutern die Autorinnen und Autoren des Papiers.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unterscheidet drei Kategorien von Masken: Mund-Nase-Bedeckungen, medizinische Gesichtsmasken und partikelfiltrierende Halbmasken.

Für Mund-Nase-Bedeckungen aus Stoff gilt laut den Informationen der Gesellschaft für Aerosolforschung: Je dichter das Material und je mehr Stofflagen vernäht sind, desto besser ist der Schutz. Gültige Normen gebe es für diese Masken allerdings nicht.

Für OP-Masken hingegen gilt das Medizinproduktegesetz. Abhängig vom Typ sei es daher vorgeschrieben, eine bakterielle Mindestfilterwirkung von 95-98 Prozent zu erfüllen. Bei feinen Partikeln, wie Viren, sinke der Schutz der Masken. Beim korrekten Tragen halte die medizinische Maske laut GAeF aber trotzdem einen "relativ großen Anteil" virenhaltiger Tröpfchen zurück.

Produkte, wie FFP-Halbmasken, schreibt die Gesellschaft für Aerosolforschung, seien deshalb besonders effizient, weil die Tröpfchen, die Viren wie SARS-CoV-2 transportieren, einen weit größeren Durchmesser besäßen als jene Aerosole, die diese Masken sonst abhalten sollen und auf die sie auch geprüft werden.

Was Forschende und Studien zur Schutzwirkung von Masken sagen

Die Behauptung, dass Masken keine Schutzwirkung hätten, taucht seit Beginn der Pandemie immer wieder auf. Seitdem haben zahlreiche Expertinnen und Experten gegenüber AFP die Schutzwirkung von Masken bestätigt (hier, hier).

Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie (MPIC) in Mainz zeigte dazu im Mai 2021, dass in den meisten Alltagssituationen bereits eine einfache OP-Maske das Infektionsrisiko mit Corona senken kann. N95- und FFP2-Masken seien vor allem in virenreichen Innenräumen erforderlich. Dazu zählen demnach medizinische Einrichtungen und dicht besetzte Innenräume.

"Unsere Methode setzt die Wirkung von Masken und anderen Schutzmaßnahmen in Bezug zu Infektionswahrscheinlichkeiten und Reproduktionszahlen," erklärte Hang Su, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Chemie in einer Mitteilung des Max-Planck-Instituts vom 20. Mai. Um die Reproduktionszahl eines Virus von drei auf unter eins zu reduzieren, müssten demnach 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung eine chirurgische Maske korrekt tragen. Bei N95- und FFP2-Masken seien es nur noch 40 Prozent. Für ansteckendere Varianten müsse dieser Prozentsatz angepasst werden.

Die Sprecherin des Instituts, Susanne Benner, erklärte AFP, Masken seien eine mechanische Barriere, um Aerosolpartikel aufzuhalten. Die Filterwirkung könne sich entfalten, wenn die Maske "sehr dicht am Gesicht" anliegt und die Person "durch das Maskenmaterial atmet."

Welche Rolle die Aerosole für die Übertragung des Coronavirus spielen, erklärt Benner wie folgt:

"Sie entstehen beim Atmen, Husten oder Niesen, aber auch beim Reden und Singen. Kleinere Aerosolpartikel (deutlich kleiner als etwa 100 µm) fallen nicht schnell zu Boden, sondern können längere Zeit in der Luft bleiben und sich im ganzen Raum verteilen. In Innenräumen, in denen viele Menschen längere Zeit zusammen sind, ist die Gefahr also besonders groß, sich auch über Aerosole mit dem Coronavirus anzustecken."

Der saarländische Pneumologe Lepper erklärte AFP bereits Mitte Oktober 2020 deshalb: "Handelsübliche Mund-Nasen-Masken sind in der Lage, respirable Partikel zu filtern. Die Filtrationsleistung der Masken sowie der Luftwiderstand der Masken variieren aber je nach Material."

AFP hat auch schon Mitte Oktober mit Dominic Dellweg, Chefarzt für Pneumologie und Intensivmedizin am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft gesprochen. Damals ging es um die Frage, warum herkömmliche Masken Viren zurückhalten können, obwohl diese Viren eigentlich durch die Masken-Poren passen. "Ein reiner Größenvergleich reicht nicht aus. Jedes Partikel hat Diffusionsbewegungen, dadurch hat das Partikel keine gerade, sondern eine wellenförmige Flugbahn. Man kann sich das so vorstellen, dass jemand durch die Tür passt, wenn er geradeaus geht. Läuft er aber Schlangenlinien, dann ist die Chance, am Türrahmen hängen zu bleiben höher", erklärte Dellweg damals die Schutzwirkung.

Florence Elias, Professorin für Physik an der Universität Paris und Forscherin im Labor für Materie und komplexe Systeme, erklärte außerdem in einem Faktencheck Ende Juli: "Chirurgische Masken haben eine elektrostatische Wirkung und ziehen kleinste in der Luft schwebende Partikel – Aerosole – an, die durch die Nase eingeatmet werden könnten." Es sei eben dieser Effekt, der die Menschen schütze. "Es erlaubt es, die Aerosole zu blockieren."

Masken bieten somit durchaus einen Schutz vor dem Coronavirus – vor allem aber schützen sie andere Menschen vor dem eigenen Atem, der möglicherweise kontaminiert sein könnte. Im Mai 2020 veröffentlichte Dellweg eine Studie, die genau das belegt (Tabelle 2).

Auch eine andere wissenschaftliche Studie von Forschern der Universität Pennsylvania und der Universität Cambridge kommt zu diesem Ergebnis. Sie weist darauf hin, dass es immer mehr Beweise dafür gebe, dass die "Verwendung von Masken die Übertragung von SARS-CoV-2 verhindert".

Besonders FFP-Masken sind laut BfArM ein effektives Mittel zum Infektionsschutz. Eine FFP2-Maske müsse in Tests mehr als 94 Prozent der Aerosole filtern. Bei FFP3-Masken seien dies sogar 99 Prozent. Ein Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) weist daraufhin, dass solche Masken wesentlich teurer seien. Die enge Passform könne zudem als unangenehm empfunden werden und Hautprobleme würden ebenfalls häufiger auftreten. Der zusätzliche Nutzen der Masken außerhalb des Gesundheitswesens wird vom ECDC als gering beschrieben.

Welche Rolle spielt die Maske als Teil eines Hygienekonzepts?

Die Gesellschaft für Aerosolforschung erklärte in ihrem Positionspapier: "Keine Maßnahme kann für sich alleine funktionieren!" Das Tragen von Masken sei deswegen als Teil mehrerer Maßnahmen zu verstehen, die das Infektionsrisiko senken können.

Prof. Dr. Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie erklärte am 07. Juli gegenüber AFP, dass Aerosole durch Masken zwar nicht blockiert, aber "erheblich behindert" würden. Masken sollten laut Zeeb daher im Verbund mit anderen Maßnahmen eingesetzt werden.

Eine Modellierungsstudie in Jena aus dem Jahr 2020 zeigte etwa eine um 75 Prozent geringere Häufigkeit an Neuinfektionen 20 Tage nach Einführung einer Maskenpflicht. Die thüringische Stadt wurde zum Vergleich mit einer Kontrollstadt abgeglichen, in der es keine Maskenpflicht gab.

Das Kompetenznetz Public Health zu Covid-19, deren Gründungsmitglied Zeeb ist, erkennt zudem in einem Papier vom Dezember 2020 Masken als "wichtigen Baustein" in der Bekämpfung der Pandemie an. Die Maskenpflicht dürfe aber nicht als Anlass oder Begründung für Lockerungen anderer Maßnahmen verstanden werden, da diese alleine nur eine begrenzte Wirkung erzielen könnten.

Insbesondere eine gute Durchlüftung und kurze Aufenthalte in potenziell belasteten Innenräumen sollten als Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden, erklärte zudem Prof. Dr. Ulrich Pöschl, Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemie in einer Stellungnahme gemeinsam mit Prof. Dr. Christian Witt, Professor an der Charité Berlin. Eine Maske könne keinen absoluten Schutz bieten, aber das gelte auch für andere Schutzmaßnahmen:

"Beispielsweise bieten Sicherheitsgurte, Kopfstützen und Airbags bei Autounfällen auch keine absolute Sicherheit, werden dennoch standardmäßig eingesetzt und können Gesundheitsschäden vermeiden."

Auf der Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden sich zudem diese Maßnahmen und Empfehlungen: Abstand halten, Hygiene beachten, Maske tragen, Kontakttagebuch führen, auf Reisen verzichten, Testen und Impfen.

Grundlegend halten die Autorinnen und Autoren der Gesellschaft für Aerosolforschung fest: "Allgemein gilt, dass jede Maske besser als keine Maske ist, insbesondere hinsichtlich des Fremdschutzes, also des Schutzes der Mitmenschen."

Fazit: Die Behauptung, dass Masken nicht vor Viren schützen würden, ist falsch. Eine Unterscheidung lässt sich bei der Qualität des Schutzes machen, der unter anderem vom Typ der Maske, der Umgebung des Trägers, der Tragedauer und dem korrekten Sitz der Maske abhängt. Medizinische Gesichtsmasken und Partikelfiltrierende Masken unterliegen zudem Bestimmungen, die die Anforderungen an diese Produkte definieren. Masken allein können allerdings keine absolute Sicherheit bieten, weshalb sie erst als Teil eines Hygienekonzepts am effizientesten sind.

Mitarbeiter: Saladin Salem/mbi

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