Nein, diese Studie beweist keinen möglichen Zusammenhang zwischen Masken und Krebs

Copyright © AFP 2017-2021. Alle Rechte vorbehalten.

Hunderte Facebook- und Zehntausende Telegram-User haben seit Anfang Februar eine Behauptung geteilt, wonach der Gebrauch von Masken Lungenkrebs verursache. Als Quelle dient eine Studie aus der Fachzeitschrift: "Cancer Discovery". Diese untersuchte den Einfluss von Masken allerdings überhaupt nicht. Medizinische Expertinnen und Experten erklärten auf AFP-Anfrage, dass es bisher keine wissenschaftlichen Beweise für einen Zusammenhang zwischen der langfristigen Verwendung von Masken und Krebs gibt.

Hunderte Facebook-User haben die Krebs-Aussage Mitte Februar geteilt (hier, hier, hier). Auf Telegram sahen sie Zehntausende (hier, hier, hier). AFP hat sich bereits mit englischsprachigen Versionen der Behauptung auseinandergesetzt. Weitere Versionen gibt es auf Spanisch, Portugiesisch und Polnisch.

So heißt es in vielen Postings oft wortgleich: "Langfristiger Gebrauch von Masken kann zu Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium beitragen, sagt eine Studie (...) Bei der Analyse der Lungenmikroben von 83 unbehandelten Lungenkrebs-Patienten wurden Kolonien entdeckt, die 'möglicherweise' durch längeres Tragen einer Maske kultiviert wurden. Gemäß einer aktuellen, in der Zeitschrift 'Cancer Discovery' publizierten Studie kann das Einatmen von schädlichen Mikroben zu Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium bei Erwachsenen beitragen."

Bei der Analyse der Lungenmikroben habe das Forschungsteam angeblich entdeckt, dass "Kolonien von Veillonella-, Prevotella- und Streptococcus-Bakterien, die möglicherweise durch längeres Tragen einer Maske kultiviert werden, bei Patienten mit Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium in größeren Mengen vorhanden sind als in früheren Stadien der Krebserkrankung." Das Vorhandensein dieser Bakterienkulturen sei mit einer geringeren Überlebenschance und einem erhöhten Tumorwachstum verbunden, heißt es.

 

Facebook-Screenshots: 15.02.2020

 

Seit dem Beginn der Pandemie hat sich die Desinformation über die Verwendung von Masken weltweit verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und das Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland sind sich einig darüber, dass die Verwendung von Masken im Allgemeinen sicher ist und dazu beiträgt, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, das mehr als 100 Millionen Menschen infiziert und fast 2,4 Millionen Menschen weltweit getötet hat.

Die aktuell kursierende Behauptung stützt sich dabei auf eine tatsächlich existierende Studie aus 2020, die die Fachzeitschrift "Cancer Discovery" veröffentlicht hatte. Sie trägt den Titel: "Dysbiose der unteren Atemwege beeinflusst das Fortschreiten von Lungenkrebs" und behandelt den möglichen Einfluss von Bakterien in der Lunge auf die Entstehung von Krebs. (Der Begriff "Dysbiose" bezeichnet normalerweise ein bakterielles Ungleichgewicht der Darmflora.) Allerdings: In dieser Studie finden Masken keinerlei Erwähnung.

Der Co-Autor der Studie, Dr. Leopoldo Segal, teilte AFP in einer E-Mail im Februar mit: "Unsere aktuelle Studie befasst sich nicht mit dem Tragen von Masken, und es gibt keine wissenschaftliche Begründung oder Beweise, die die falsche Vorstellung unterstützen, dass das Tragen von Masken die Menge an oral aufgenommenen Bakterien erhöht, die in die Lunge gelangen."

Andere Expertinnen und Experten stimmten auf AFP-Anfrage dieser Einschätzung zu, dass es keine Daten gebe, die die online kursierenden Behauptungen unterstützen.

Dr. Nicole Ezer, Assistenzprofessorin an der Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften an der McGill-Universität in Montreal, schrieb in einer E-Mail, dass "es derzeit keine wissenschaftlichen Beweise gibt, die darauf schließen lassen, dass Masken das Risiko von Lungenkrebs erhöhen."

Auch Dr. Gerard Cox schrieb in einer E-Mail, dass es "keine plausible Verbindung (Mechanismen der Krebsverursachung) zwischen dem Tragen einer Maske und der Entwicklung von Lungenkrebs gibt." Cox ist Professor an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften an der McMaster-Universität im kanadischen Hamilton.

Eine weltweite Gruppe von Gesundheitsexpertinnen und Experten rund um die Infektionsforscherin Christin Gillmer, hatte bereits früher ebenfalls in einer Richtigstellung klargestellt, dass Masken keinen Krebs verursachen können. Darin heißt es: "Das Tragen einer Gesichtsmaske erhöht nicht das Risiko, an Krebs zu erkranken." Und weiter: "Es gibt keine aktuellen Beweise, die die Verwendung von Gesichtsmasken mit Krebs in Verbindung bringen, und die Wissenschaft zeigt, dass alle Risiken, die mit dem Tragen von Masken verbunden sind, insgesamt gering sind, während die Vorteile hoch sind. (...) Mitarbeiter im Gesundheitswesen tragen oft Masken für viele Stunden im Krankenhaus und tun dies schon seit langer Zeit", so die Experten.

Fazit: Es gibt keinen wissenschaftlich erwiesenen Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und Masken. Die hier angeführte Studie beschäftigt sich auch nicht mit diesem Zusammenhang.

AFP hat bereits mehrere falsche Behauptungen über die angebliche Gefahr von Masken für Kinder und Erwachsene überprüft, etwa hier, hier und hier.

Übersetzung:
Covid-19