Dieses Bild beweist keine Impftäuschung von Sebastian Kurz

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Unmittelbar nach der Impfung des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz (ÖVP) Anfang Juni haben Hunderte Facebook-Nutzerinnen und Nutzer eine Behauptung geteilt, wonach Kurz seine Impfung lediglich vorgetäuscht habe. Die Spritze werde beim Einstich zu weit vorne gehalten, so die Begründung der Postings. Ein vom Bundeskanzleramt veröffentlichtes Video zeigt jedoch eindeutig die Nadel in Kurz' Oberarm. Ein Sprecher des Kanzlers dementierte den Vorwurf außerdem.

Eine Aufnahme zeigt den Kanzler in weißem T-Shirt bei einer Impfung. Die sei aber nur vorgetäuscht, schreiben die Autorinnen und Autoren hundertfach geteilter Postings Anfang Juni (hier, hier, hier). "Schon mal gesehen das die Spritze beim Einstich vorne gehalten wird ??? Ich noch nie !!!!! Verarsche jemanden anderen du Komiker" steht dort, oder: "Basti unser Schauspieler - jeder Arzt greift natürlich die Nadel vorm einstechen vorn an... widerliche Propaganda..."

Facebook-Screenshot: 07.06.2021

Behauptungen, dass Spitzenpolitikerinnen und -politiker ihre Impfungen nur vorgetäuscht hätten, tauchen immer wieder auf. AFP überprüfte solche Aussagen etwa über Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (hierhier), die US-amerikanische Vizepräsidentin Kamala Harris (hier), oder über Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu (hier). Die vermeintliche Fake-Impfung von Sebastian Kurz gehört ebenfalls in diese Reihe an Falschinformationen.

Das Foto, das die Postings als Quelle für ihre Behauptung heranziehen, stammt aus dem Bundeskanzleramt (BKA) selbst. BKA-Mitarbeiter Arno Melicharek hat das Bild aufgenommen, zahlreiche österreichische Zeitungen wie etwa "Kurier", "Kleine Zeitung", "Presse" oder "Wiener Zeitung" verwendeten das Bild, um über Kurz’ Impfung zu berichten. Den Erststich erhielt er laut Medienberichten wie angekündigt mit dem Vektorimpfstoff Astrazeneca am Abend des 4. Juni im Rahmen der Betriebsimpfungen im Bundeskanzleramt.

Auch in einem am 5. Juni auf Facebook und YouTube auf den Kanälen von Sebastian Kurz veröffentlichten Video ist die Aufnahme das Vorschaubild. Dort ist die Impfung als Video ausführlicher zu sehen:

Ein Screenshot aus dem Impf-Video zeigt, dass Sebastian Kurz wirklich geimpft wurde. Die Ärztin hält die Spritze tatsächlich weit vorne, die Nadel sticht dabei aber gut sichtbar in Kurz' Haut. Ein Muttermal an der Innenseite des Oberarms ist dabei auch auf den aktuell geteilten Aufnahmen zu sehen und identifiziert Kurz damit. Auch Details wie die Spritze oder das T-Shirt des Kanzlers stimmen überein.

Screenshot aus dem am 5. Juni von Sebastian Kurz veröffentlichten Impfvideo

Etienne Berchtold, Sprecher von Sebastian Kurz, bestätigte am 7. Juni auf AFP-Anfrage telefonisch: "Die Impfung war echt, der verwendete Impfstoff war Astrazeneca."

Anfang Juni war laut Impfdashboard des Gesundheitsministeriums knapp die Hälfte der impfbaren Bevölkerung Österreichs zumindest einfach geimpft.

Fazit: Ein Video des Bundeskanzleramts zeigt deutlich, wie die Nadel bei Kurz' Impfung in seinen Oberarm sticht. Die Ärztin hält die Spritze zwar relativ weit vorne, für eine gefälschte Impfung des Kanzlers gibt es aber keinerlei Anhaltspunkte. Sein Sprecher dementierte gegenüber AFP.

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