Corona-Tests springen überhaupt nicht auf Grippe an

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Seit Mitte Februar haben Nutzerinnen und Nutzer auf Facebook hundertfach eine Behauptung geteilt, wonach Corona-Tests Grippe und Corona nicht auseinanderhalten könnten. Das ist falsch, wie mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gegenüber AFP betonen.

Hunderte Nutzerinnen und Nutzer haben seit Mitte Februar ein Spruchbild geteilt. Darauf steht, mal weiß auf blauem Grund, mal grün auf schwarz: "Man kann Grippe mit dem Test nicht von Corona unterscheiden. Aber die verschiedenen Mutationen erkennt man ganz genau."

Facebook-Screenshot: 23.02.2021

Behauptungen zu Grippe und Corona sind nicht neu: Bereits in der Vergangenheit hat AFP Behauptungen widerlegt, wonach PCR-Tests auf Grippeviren reagieren würden (hier), wonach die Ergebnisse von Corona-Tests bereits im Vorhinein feststünden (hier), wonach Covid-19 in Wahrheit schon als Influenza enttarnt sei (hier), wonach Grippe-Impfungen zu positiven PCR-Tests führen könnten (hier) oder wonach bei Corona-Teststraßen betrogen werde (hier). Die Postings zu den Tests, die Grippe angeblich nicht von Corona unterscheiden könnten, gehören in diese Reihe an Falschinformationen.

Die drei Coronatests und wie sie funktionieren

Die zahlreichen weltweit verfügbaren Tests lassen sich in drei verschiedene Arten unterteilen: Antigentests, PCR-Tests und Antikörpertests. Welchen der drei Tests das Posting meint, wird nicht klar – allerdings erkennen alle drei eindeutig das Coronavirus.

Antigentest überprüfen spezifische Proteine, die ein Virus umgeben. Binden sich diese Bestandteile des Virus an bestimmte in der Probe enthaltene Antikörper, führt das zu einem positiven Ergebnis. Es gebe dabei zwar Unterschiede in der Qualität der Tests, die meisten wiesen aber ausreichend hohe Spezifität auf, heißt es in einer als Preprint veröffentlichten Studie der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Sie empfiehlt, positive Antigen-Ergebnisse immer noch einmal mit einem PCR-Test zu überprüfen. Deutschland und Österreich prüfen positive Antigentest nochmals mit einem PCR-Test.

PCR-Tests testen anders als die Antigentests nicht nur auf Proteine, sondern direkt auf die genetischen Informationen des Coronavirus. Diese werden aus einer genommenen Probe entnommen und vervielfältigt. In einem biochemischen Verfahren untersuchen Labore dann, ob das Erbgut von Sars-CoV-2 vorhanden ist. Falls ja, gilt man als infiziert. Das Robert Koch-Institut (RKI) bezeichnet diesen Test als "Goldstandard" für die Diagnostik, weltweit wenden ihn Labore an, um das Corona-Virus nachzuweisen.

Antikörpertests, auch serologische Tests genannt, überprüfen, ob Antikörper gegen das Virus im Blut vorhanden sind. Sind Antikörper vorhanden, bedeutet das, dass der Körper bereits Abwehrstoffe zum Schutz vor dem Virus gebildet hat. Betroffene haben also eine Corona-Infektion durchgemacht.

Corona und PCR

Bereits am 24. November 2020 hat AFP mit Christian Bogdan, Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) und Inhaber des Lehrstuhls für Mikrobiologie und Infektionsbiologie an der Universität Erlangen-Nürnberg über Grippe und PCR-Tests Kontakt aufgenommen. Er schrieb: "Eine COVID-19-PCR erfasst keine Influenzaviren (ganz andere Gruppe von Viren). Eine erregerspezifische PCR wird immer so entwickelt, dass andere Erreger nicht erfasst werden."

AFP hat damals außerdem beim Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) nachgefragt. Er vertritt einen Großteil der deutschen Unternehmen, die Corona-Tests bereitstellen. Sprecherin Gabriele Köhne sagte: "Die angewendeten PCR-Tests sind darauf ausgelegt, die typische Signatur des Gen-Strangs von Coronaviren zu erkennen. Bei der Grippe fehlt genau dieser Baustein, deswegen kann auch ein Test nach der Impfung gegen die Grippe nicht positiv ausschlagen."

Auch der stellvertretende VDGH-Vorsitzende und promovierte Chemiker, Thorsten Hilbich, sagte im Gespräch mit AFP am 25. November: "Grippe-Viren können den Corona-Test nicht beeinflussen." 

Schließlich bestätigte auch der Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Jörn Wegner, bereits im November gegenüber AFP: Mit der PCR-Methode werde eine vorher klar definierte DNA-Sequenz vervielfältigt. "Da im Fall von COVID-19 die DNA eines Coronavirus vervielfältigt wird, ist es bereits ausgeschlossen, dass der PCR-Test außerhalb seiner sehr geringen Fehlertoleranz auf Influenzaviren reagiert, da Influenzaviren nicht aus der Familie der Coronaviren, sondern aus der der Orthomyxoviren stammen." Genetisch unterschieden sie sich komplett.

Corona und Antigentests

Thorsten Hilbich vom VDGH schrieb am 26. Februar außerdem: "Antigen-Schnellteste verwenden hochspezifische Antikörper, die eben nicht mit anderen Virus-Typen kreuzreagieren. In der Regel ist die falsch-positiv Rate deutlich unter zwei Prozent der positiven Ergebnisse."

Auch die oben beschriebene  Studie der Charité-Universitätsmedizin Berlin kommt zu diesem Ergebnis. Es gebe dabei zwar Unterschiede in der Qualität der Tests, die meisten wiesen aber ausreichend hohe Spezifität auf.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führt eine Liste von Antigentests, die bestimmte Kriterien des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zu Sensitivität und Spezifität erfüllen.

Corona und Antikörpertests

Und schließlich sind auch Antikörpertests zuverlässig. Hilbich erklärte: "Ein serologischer Antikörpertest verwendet zum Nachweis der Sars-CoV-2 Antikörper spezifische Virusproteine des Sars-CoV-2 Virus (sogenannte Proteine wie z.b. S-Protein) auf die die Antikörper im Patientenserum reagieren. Da diese Antikörper vom Immunsystem als Reaktion auf eine Infektion mit dem Wildtyp oder durch eine Corona-Impfung gebildet werden, sind sie hochspezifisch und reagieren nur in sehr geringem Maße auf andere Viren." Eine Reaktion auf andere Viren sei daher unwahrscheinlich: "Die Kreuzreaktivität gegen Influenza wird im Rahmen der Testentwicklung geprüft und ist bei allen kommerziell verwendeten Qualitätstests gegen null tendierend und dies wird auch in der Gebrauchsanleitung dokumentiert."

Mutationen

Um die verschiedenen Mutationen zu erkennen, braucht es eine sogenannte Genomsequenzierung. Dabei bestimmen Labore die Reihenfolge der Erbgut-Bausteine. Das Robert Koch-Institut (RKI) beschreibt das auf seiner Website so: "Die Genomsequenz eines Erregers ist eine Art mikrobieller genetischer Fingerabdruck und ermöglicht es, die Spur eines Erregers nachzuverfolgen. Die Genomsequenzierung wird bei Sars-CoV-2, wie bei anderen Erregern, je nach Fragestellung stichprobenartig oder anlassbezogen durchgeführt, um Veränderungen im Erbgut festzustellen." Das sei etwas aufwändiger als ein PCR-Test und dauere bei Sars-CoV-2 im Bestfall zwei bis drei Arbeitstage. Der Sinn des Aufwands: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen wissen, wie weit verbreitet bestimmte, eventuell gefährlichere Varianten des Virus in der Bevölkerung sind, um weitere Maßnahmen richtig einzuschätzen.

Fazit: Sowohl Antigentests als auch PCR- und Antikörpertests können Sars-CoV-2 nachweisen. Mit unterschiedlichen Verfahren prüfen sie eindeutig das Vorhandensein des Coronavirus, mit Grippeviren können dabei keine Verwechslungen passieren, wie mehrere Expertinnen und Experten bestätigten.

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