Anders als hier behauptet, ist der Klimawandel real

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Die überwiegende Mehrheit der Klimaforschenden ist sich einig: Vom Menschen verursachte Treibhausgasemissionen verursachen einen globalen Temperaturanstieg. Der menschengemachte Klimawandel ist in zahlreichen wissenschaftlichen Studien beschrieben und belegt. In sozialen Netzwerken wird dennoch seit Ende Juli 2022 ein Video geteilt, in dem der Gründer des US-amerikanischen Weather Channels, John Coleman, behauptet, es gebe keine wissenschaftlichen Belege für die Erderwärmung.

Hunderte User haben seit Ende Juli 2022 ein Video auf Facebook geteilt (hier, hier), in dem John Coleman, der Gründer des Weather Channel, die Existenz des menschengemachten Klimawandels leugnet. Der Weather Channel ist ein US-amerikanischer Fernsehsender, dessen Programm unter anderem aus Wettervorhersagen und Nachrichten in Bezug auf das Wetter besteht. Auch auf Twitter und Telegram sahen Hunderttausende das Video.

Die Behauptung: Das aktuell geteilte Video zeigt einen Ausschnitt eines CNN-Interviews mit dem ehemaligen Wettermorderator. Coleman behauptet darin, es gebe keinen wissenschaftlichen Konsens in Bezug auf den Klimawandel. "Es gibt keine signifikante, vom Menschen verursachte globale Erwärmung", sagt Coleman. Die US-Regierung fördere zudem nur solche Forschung, die von einem menschengemachten Klimawandel ausgeht.

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 29.07.2022

Immer wieder stellen Nutzerinnen und Nutzer in sozialen Netzwerken die Existenz des menschengemachten Klimawandels infrage. AFP prüfte in der Vergangenheit in diesem Zusammenhang etwa Behauptungen, wonach die Erderwärmung natürlich und nicht ungewöhnlich sei oder dass für die Klimaerwärmung nicht der Mensch, sondern die Sonne oder Veränderungen in der Erdumlaufbahn verantwortlich seien. AFP hat zudem Behauptungen widerlegt, Medien würden mit Hilfe selektiver Temperaturdaten oder manipulierter Wetterkarten die Situation besonders dramatisch darzustellen. Faktenchecks zum Thema Klima sammelt AFP hier.

Das aktuell geteilte Video stammt aus einer CNN-Sendung vom 1. November 2014. Es zeigt einen knapp zweiminütigen Ausschnitt eines Interviews mit einem der Gründer des Weather Channel, dem TV-Meteorologen John Coleman. Am Tag nach Colemans CNN-Interview distanzierte sich der Weather Channel von dessen Äußerungen. Seit 2007 hatte Coleman öffentlich die Existenz des menschengemachten Klimawandels in Zweifel gezogen und sich gegen Klimaschutzmaßnahmen ausgesprochen. Er verstarb 2018 im Alter von 83 Jahren.

Wissenschaftlicher Konsens über die Existenz des Klimawandels

In dem aktuell geteilten Clip behauptet Coleman, Es gebe "keine signifikante, vom Menschen verursachte globale Erwärmung". Die Aussage steht in eklatantem Widerspruch zu den Erkenntnissen der Klimaforschung sowohl in den USA als auch weltweit.

Anfang August 2021 veröffentlichte der Weltklimarat IPCC seinen sechsten Bericht zum Zustand des Klimas auf der Erde. IPCC-Berichte gelten als Zusammenfassung des aktuellen Stands der Wissenschaft zu dem Thema. Demnach stieg die mittlere globale Oberflächentemperatur im Zeitraum von 1880 bis 2020 um mehr als 1,2 Grad an. Auf der Nordhalbkugel war die 30-Jahresperiode von 1991 bis 2020 die wärmste seit mehr als 100.000 Jahren.

Temperaturanomalien im Vergleich zu vorindustriellen Werten ( JONATHAN WALTER / AFP / )

In der Arktis ist die durchschnittliche Oberflächentemperatur zwischen 1971 und 2019 um 3,1 Grad gestiegen, wie das Arctic Monitoring and Assessment Programme (Amap) in seinem 2021 veröffentlichten Bericht "Arctic Climate Change Update 2021" darlegt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine 2019 in der Fachzeitschrift "Environmental Research Letters" veröffentlichte Langzeitstudie über arktische Klimaveränderungen. Hier beträgt der gemessene Temperaturanstieg zwischen 1971 und 2017 2,7 Grad.

Zahlreiche Metastudien, also Studien, die systematisch die internationale Forschungslage zusammenfassen, kommen zu dem Schluss, dass der Einfluss des Menschen für die Erderwärmung verantwortlich ist. Eine solche Studie aus dem Jahr 2013 überprüfte 11.944 Arbeiten, die zwischen 1991 und 2011 zum Thema Erderwärmung erschienen sind. Von den untersuchten Studien waren sich 97 Prozent einig, dass der Klimawandel vom Menschen verursacht ist.

Eine weitere Metastudie von 2016 fasst sogar die verschiedenen Metastudien über den Konsens in der Wissenschaft zusammen und hält als Ergebnis einen "Konsens über den Konsens" fest. In ihrem Fazit schreiben die Autorinnen und Autoren: "Der Grad der Einigkeit in der Wissenschaft in Bezug auf die vom Menschen verursachte globale Erwärmung ist überwältigend hoch, weil die Beweise dafür überwältigend stark sind." Die Wissenschaftscommunity ist sich also einig wie selten: Die Erderwärmung existiert und Menschen verursachen sie.

Der Klimawandel ist menschengemacht

Auch in Bezug auf die Ursachen des Klimawandels ist sich die Wissenschaft weitgehend einig. Der vom Menschen verursachte Treibhauseffekt führt zu steigenden Temperaturen auf der Erde. Das Bundesumweltamt erklärt den Treibhauseffekt so: Vom Menschen erzeugte Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2), sammeln sich in der Erdatmosphäre. Kohlenstoffdioxid entsteht etwa beim Verbrennen von Kohle, Erdgas oder Öl. Treibhausgase sind durchlässig für kurzwellige Sonnenstrahlung, absorbieren jedoch langwellige Wärmestrahlung. Durch den stetigen Anstieg der Treibhausgaskonzentration in der Erdatmosphäre seit der Industrialisierung verringert sich die ins All abgegebene Wärmestrahlung, wodurch sich das Erdsystem aufwärmt.

Der Weltklimarat und zahlreiche weitere renommierte Institutionen auf der ganzen Welt, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die American Association for the Advancement of Science (AAAS), die Nasa und der WWF beschreiben die Erderwärmung als menschengemacht. Im Fazit des IPCC-Berichts von 2021 heißt es: "Es ist eindeutig, dass der Einfluss des Menschen die Atmosphäre, den Ozean und die Landflächen erwärmt hat." Eine Aufstellung des "Office of Planning and Research", einem Forschungsinstitut der kalifornischen Regierung, listet rund 200 Wissenschaftsorganisationen auf der ganzen Welt auf, die ebenfalls die Auffassung teilen, dass der Klimawandel menschengemacht ist.

Auch zahlreiche von AFP kontaktierte Experten bestätigen das. So erklärte etwa Stefan Brönnimann, Professor für Klimatologie am Geographischen Institut der Universität Bern am 11. August 2021 für einen Faktencheck zum Anteil des Menschen an der aktuellen Erderwärmung: "Der Mensch trägt zum überwiegenden Teil zum aktuell ablaufenden Klimawandel bei." Aiko Voigt, Professor am Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Wien, sagte in diesem Zusammenhang am 12. August 2021: "Natürliche Antriebsfaktoren spielen praktisch keine Rolle." Matthias Mauder, Professor für Meteorologie an der Technischen Universität Dresden schrieb am 3. Juni 2022: "Diese Erwärmung wäre ohne die Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht denkbar. Solange die Menschheit weiterhin CO2 durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe in die Atmosphäre emittiert, wird diese Erwärmung weitergehen."

Die Folgen der Erderwärmung sind bereits spürbar

Die Folgen der globalen Erwärmung sind bereits heute deutlich spürbar, auch in Europa. Der Deutsche Wetterdienst (DWD), die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg) und das Schweizer Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie, MeteoSchweiz, stellten 2020 in einer gemeinsamen Auswertung fest, dass die Sommer in Deutschland, Österreich und der Schweiz immer heißer werden und Hitzewellen immer häufiger auftreten. Daten des DWD zeigen, dass die Zahl heißer Jahre in Deutschland stetig zunimmt.

Temperaturanomalien in Deutschland von 1881 bis 2021 ( DWD / )

Auch immer häufiger auftretende Extremwetterereignisse hängen teilweise mit dem Klimawandel zusammen. Eine Studie internationaler Klimaforscherinnen und -forscher bestätigte den Zusammenhang zwischen der Erderwärmung und der Hochwasserkatastrophe von 2021 in Deutschland.

Solche Auswirkungen des Klimawandels bestätigt auch die Helmholtz-Klima-Initiative, ein Zusammenschluss mehrerer deutscher Forschungszentren. "Eine Folge des Klimawandels in Deutschland ist die Zunahme von Starkregenereignissen", heißt es auf der Website der Initiative und weiter: "Geht der Klimawandel ungebremst weiter, wird mit einer starken Risikozunahme in Bezug auf Trockenheit und deren Folgen gerechnet. Eine globale Erwärmung um weitere drei Grad Celsius würde zum Beispiel für Teile Südwestdeutschlands gegenüber dem Zeitraum 1971 bis 2000 eine Verdoppelung der Zeiten unter Dürre bedeuten."

Das teilweise ausgetrocknete Flussbett des Rheins bei Düsseldorf am 25. Juli 2022 ( AFP / INA FASSBENDER)

Das ist nicht zwingend ein Widerspruch, wie eine 2021 im Fachjournal "Science Advanced" veröffentlichte Studie erklärt. Die Erderwärmung mache das Klima in etwa zwei Dritteln der Welt unausgeglichener. "Das bedeutet größere Schwankungen zwischen nassen und trockenen Extremen."

Fazit: Der Klimawandel ist eine wissenschaftliche Tatsache und in zahlreichen internationalen Studien erforscht und belegt. Folgen des Klimawandels wie eine ansteigende Oberflächentemperatur, heiße und trockene Sommer sowie zunehmende Extremwetterereignisse sind bereits jetzt spürbar. Die Ursache für die globale Erwärmung liegt in den von Menschen produzierten Treibhausgasen.

10. August 2022 Grammatikfehler korrigiert
9. August 2022 Link ausgetauscht
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