In diesem Video aus dem Jahr 2011 hat Rafael Nadal einen Krampf im Fuß, keine Impfnebenwirkung

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Expertinnen und Experten auf der ganzen Welt halten die Impfung gegen Corona für sicher. Trotzdem verbreiten User immer wieder Beiträge, die Zweifel an der Sicherheit der Impfstoffe schüren. Ein Ende Juli 2022 geteiltes Video des spanischen Tennisspielers Rafael Nadal soll zeigen, wie dieser mit Nebenwirkungen einer Corona-Impfung zu kämpfen hat. Das Video stammt allerdings bereits aus dem Jahr 2011 und zeigt ihn, wie er nach einem Match unter Krämpfen leidet. Mit Corona-Impfstoffen hat das Video nichts zu tun. Ein Sprecher bestätigte gegenüber AFP, dass bei Nadal keinerlei Impfnebenwirkungen auftraten.

Die Behauptung: Im Clip beantwortet Nadal gerade Fragen zu einem Spiel, als er plötzlich schmerzverzerrt das Gesicht verzieht und sich in seinem Stuhl zurücklehnen muss. "Es ist traurig, das zu sehen, aber Nadal ist nicht mehr derselbe, seit er das Covid-19 Gen-Serum bekommen hat", beschreiben User die Szene und stellen damit einen angeblichen Zusammenhang zwischen den Corona-Impfstoffen und Nadals Gesundheit her. Dutzende Nutzerinnen und Nutzer teilten die Behauptung Ende Juli 2022 auf Facebook, auf Telegram sahen Zehntausende die Behauptung. Auf der Videoplattform Bitchute kursiert sie ebenfalls. User verbreiteten die Behauptung auch auf Englisch.

Facebook-Screenshot der Behauptung: 09.08.2022

Immer wieder ziehen Usern den vermeintlich von Impfungen beeinträchtigten Gesundheitszustand von Sportlerinnen und Sportlern heran, um Stimmung gegen die Corona-Impfung zu machen. AFP überprüfte in der Vergangenheit etwa ein ähnliches Video der Tennisspielerin Dalila Jakupovic, die 2020 mit Atembeschwerden zu kämpfen hatte, die in Wahrheit der Rauch umliegender Buschbrände verursacht hatte. User verbreiteten die Szene hingegen als angebliche Konsequenz ihrer Impfung. Auch eine Behauptung über seit Beginn der Impfkampagne angeblich massiv gestiegenen Herzstillständen bei Fußballern hielt einer Prüfung nicht stand. AFP sammelt Faktenchecks über Falschbehauptungen zu Corona hier.

Video aus dem Jahr 2011

Eine Rückwärtssuche nach dem geteilten Clip zeigt, dass das Video knapp elf Jahre alt ist. Am 4. September 2011 veröffentlichte der Youtube-Account des Tennisturniers US Open das Video. Zahlreiche Medien verwendeten das Video ebenfalls bereits 2011 in ihrer Berichterstattung (hier, hier). Damit ist es weitaus älter als der Ausbruch des Corona-Virus oder der Beginn der Impfungen gegen Covid. Das Virus wurde Ende 2019 erstmals in China entdeckt, die ersten Impfkampagnen starteten im Dezember 2020.

Das Video von 2011 hat dieselbe Länge wie das der aktuellen Postings. Weitere Details, wie etwa das graue T-Shirt Nadals, eine Wasserflasche im Vordergrund oder das Logo des Turniers im Hintergrund stimmen ebenfalls überein. Allerdings hat es nichts mit Impfstoffen gegen Corona zu tun. Das Originalvideo aus dem Jahr 2011 gibt in der Videobeschreibung an, dass Nadal im Anschluss an seinen Sieg über David Nalbandian an einem Muskelkrampf litt.

Auch AFP berichtete im September 2011 über den Vorfall. "Es war nur eine Verkrampfung im rechten Bein, vorne und hinten. Es war sehr schmerzhaft, das ist alles", sagte Nadal damals, der seine Pressekonferenz daraufhin im Stehen fortsetzte. "Es war ein ganz normaler Krampf, der überall hätte passieren können, aber es passierte im Presseraum. Woanders hätte es niemand bemerkt." Auch im Video selbst fragt Nadal nach einem Physiotherapeuten.

Keine Impfbeschwerden

Nadal sprach bereits im Januar 2022 darüber, gegen Corona geimpft worden zu sein. Auch eine Infektion mit dem Coronavirus gab Nadal im Dezember 2021 auf seinem Twitteraccount bekannt. Die Corona-Impfung bereitete ihm jedoch keine Probleme. AFP sprach am 10. August 2022 mit seinem Sprecher Benito Perez-Barbadillo, der die Behauptung als "absoluten Blödsinn" bezeichnete. Bei Nadal seien keinerlei Nebenwirkungen der Impfung aufgetreten.

Von einer kürzlichen Verletzung seiner Bauchmuskeln im Juli 2022 in Wimbledon hat sich Nadal mittlerweile erholt. Nachdem er bis Anfang August pausieren musste, kündigte er am 10. August an, in Cincinnati sein Comeback geben zu wollen.

Hohe Sicherheitsstandards

Das deutsche Bundesministerium für Gesundheit erklärt auf seiner Corona-Website: "Jeder Impfstoff muss unbedenklich, sicher, wirksam und gut erprobt sein, bevor er eine Marktzulassung in der EU beziehungsweise in Deutschland erhält." Diese umfassenden Verfahren samt laufender Kontrolle haben die verwendeten Corona-Impfstoffe durchlaufen, daher empfiehlt das Ministerium die Impfung: "Eine Impfung gegen Covid-19 trägt sowohl zum individuellen Schutz als auch zur Eindämmung der Pandemie bei."

Auch andere Organisationen empfehlen die Impfung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schreibt: "Die Entwicklung und der rasche Einsatz von Impfstoffen gegen Covid-19 sind ein grundlegender Schritt zur Beendigung der Pandemie, zum Schutz der Gesundheitssysteme und zur Wiederherstellung der globalen Wirtschaft." Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) bezeichnen die Corona-Impfstoffe ebenfalls als "sicher und effektiv".

Wie auch bei anderen Impfstoffen kann es nach einer Corona-Impfung zu Impfreaktionen und Nebenwirkungen kommen. Impfkomplikationen sind allerdings sehr selten. Das deutsche Gesundheitsministerium bezeichnet das Risiko einer schwerwiegenden unerwünschten Nebenwirkung als "sehr gering".

Fazit: Ein Video des Tennisspielers Rafael Nadal zeigt, wie er im Jahr 2011 einen Krampf im Bein hatt. Mit einer Corona-Impfung hat das Video nichts zu tun, es ist weit älter als der Ausbruch der Pandemie. Ein Sprecher bestätigte gegenüber AFP, dass Nadal keinerlei Probleme mit seiner Corona-Impfung hatte. Expertinnen und Experten auf der ganzen Welt empfehlen die Impfung gegen Corona.

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