Gespendete kanadische Ausrüstung sorgt für falsche Behauptungen über einen CNN-Bericht aus der Ukraine

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Hunderte User haben Ende März 2022 einen Screenshot eines CNN-Videos auf Facebook geteilt. Das Bild zeigt einen Brand in der ukrainischen Stadt Lwiw sowie Einsatzkräfte der Feuerwehr. Der Screenshot hebt eingekreist den Aufdruck "Edmonton" auf einer Feuerwehrjacke hervor. Dies sei ein Beweis dafür, dass CNN ein Feuer in Edmonton in Kanada als Explosion in Lwiw ausgeben habe. Das Video zeigt allerdings tatsächlich Lwiw. Die Feuerwehrjacke ist eine Spende der Feuerwehr in Edmonton an die Einsatzkräfte in der Ukraine.

Hunderte Nutzerinnen und Nutzer haben Ende März 2022 den Screenshot des CNN-Videoberichts mit der Behauptung auf Facebook geteilt (hier, hier). Auf Telegram erreichte die Behauptung Zehntausende (hier, hier).

Die Behauptung kursierte auch in anderen Sprachen. AFP hat sie auf Englisch, Rumänisch und Arabisch bereits geprüft.

Die Behauptung: Der geteilte Screenshot aus einem CNN-Bericht zeigt ein Feuer, das laut CNN-Einblendungen in Lwiw in der Ukraine ausgebrochen sein soll. In dem Bild ist eine Feuerwehrjacke mit der Aufschrift "Edmonton" blau eingekreist. Dazu heißt es im Beitragstext: "Die Systemmedien fühlen sich so sicher, dass sie glauben, sich alles erlauben zu können. Eine Ölexplosion im kanadischen #Edmonton muss als #Lemberg-Kulisse herhalten. Gut dass man die russ. Medien verboten hat, da könnten sich die Menschen ja sonst eine zweite Meinung einholen."

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 31.03.2022

Seit der russischen Invasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 kursieren zahlreiche Falschinformationen über den Krieg. AFP sammelt Faktenchecks zu falschen oder irreführenden Behauptungen im Zusammenhang des Ukraine-Kriegs hier.

In diesem Kontext kursierten immer wieder falsche Beschuldigungen, Medien würden Kriegsopfer und die Zerstörung ukrainischer Städte mit alten Bildern inszenieren (hier, hier, hier). Auch der US-Nachrichtensender CNN war bereits mehrfach Ziel solcher falschen Behauptungen (hier, hier). Die aktuelle Behauptung reiht sich in diese Serie ein.

Feuer in Lwiw, nicht Edmonton

AFP fand drei Live-Berichte von CNN vom 26. März 2022 auf Twitter (hier, hier, hier). Sie alle zeigen den CNN-Journalisten Don Lemon, der einen großen Brand eines Treibstofflagers beschreibt. Laut CNN-Einblendungen befindet sich das Feuer in Lwiw in der Ukraine. Der auf Facebook geteilte Screenshot stammt aus einem Video-Tweet der CNN-Moderatorin Nora Neus.

In dem Bericht, der hier transkribiert ist, hört man Lemon sagen, dass dies in der Nähe der Stadt Lwiw geschieht, und beschreibt den Ort als "etwa zehn Autominuten von der Innenstadt entfernt". Er erklärt: "Es ist ein Brennstofflager. [...] Nun, die Einrichtung, die letzte Woche getroffen wurde, war im Westen, diese ist im Norden, glaube ich." Er versichert sich bei jemanden, der nicht im Bild steht: "Ist das richtig, das ist im Norden? Das ist im Nordosten", sagt er schließlich.

Mehrere andere Medien – darunter AFP, Reuters, die "New York Times" und die "Washington Post" – berichteten ebenfalls über die Raketenangriffe in Lwiw am 26. März, die das dortige Treibstoffdepot trafen. Reuters hat auch Bilder von den Folgen des Feuers in der Anlage veröffentlicht.

Eine Suche nach dem von Lemon beschriebenen Ort auf Google Maps und Google Earth im Nordosten Lwiws zeigt, dass es dort tatsächlich eine Treibstoffanlage gibt. AFP suchte nach den nebeneinander angeordneten oberirdischen Treibstofftanks, die auch auf den Bildern von Reuters zu sehen sind. AFP fand die Anlage in der Plastova-Straße im Nordosten des Lwiwer Stadtteils Lytschakiw.

AFP verglich die Ansicht aus Google Street View mit dem CNN-Bericht. Die aktuellste Ansicht auf Street View zeigt Bilder aus dem Jahr 2015. Bis zum jetzigen CNN-Bericht hat sich die Straße verändert, dennoch sind markante Gebäude noch vorhanden und zeigen, dass der CNN-Reporter sich tatsächlich in der Ukraine befand.

Im Vergleich sind sowohl die Mauer auf der linken Seite, das weiße einstöckige Haus sowie die weißen Treibstofftanks im Hintergrund zu sehen (siehe Kreise).

Edmonton-Jacke war eine Spende an die Ukraine

Die in Edmonton ansässige Organisation Firefighter Aid for Ukraine (FAU) hat Brandbekämpfungs- und Lebensrettungsausrüstung sowie medizinisches Vorräte für die Ukraine gespendet. Am 26. März 2022 teilte die Organisation ebenfalls einen Screenshot aus dem CNN-Bericht auf Facebook und schreib dazu: "Danke an Stu Abercrombie für diese Aufnahme von ukrainischen Feuerwehrleuten in der Nähe von Lwiw, die Ausrüstung tragen, die von Edmonton-Feuerwehrleuten gespendet wurde."

Das FAU-Projekt wurde vor fast zehn Jahren mit dem Ziel ins Leben gerufen, nicht mehr benötigte oder gewollte Feuerwehrausrüstung, andere Schutz- und Rettungsausrüstung sowie medizinisches Material von Feuerwehren und anderen Organisationen in Kanada zu sammeln und die benötigten Mittel als Unterstützung für Ersthelfende in verschiedene Orte der Ukraine zu bringen, heißt es auf der FAU-Website.

Auf Anfrage von AFP am 28. März 2022 bestätigte FAU-Organisator Kevin Royle, dass die Ausrüstung in Lwiw aus ihrem Programm stammt. "Wir haben im Laufe der Jahre mehrere große Lieferungen an Städte und Regionen durchgeführt, aber auch mehrere kleine Lieferungen an einzelne Gemeinden. Anfang dieses Monats sandten wir ein Flugzeug mit 14 Tonnen Hilfsgütern, Lwiw gehörte ebenfalls zu den Empfängern."

Zu dem Video hieß es: "Jede dieser Spenden enthielt die gleiche Ausrüstung wie die persönliche Schutzausrüstung der Feuerwehr in der CNN-Sendung." Weiter hieß es: "Die Stadt Edmonton, Edmonton Fire Rescue und die Edmonton Firefighter Union sind seit langem Unterstützer unseres Programms und anderer Programme wie dem unseren. Ich kann bestätigen, dass Lwiw zumindest einen Teil der in diesem Monat verschickten Ausrüstung bekommen hat." Normalerweise würden die meisten Kennzeichnungen an der Ausrüstung entfernt, aber die große Menge an Spenden habe die Arbeit der Freiwilligen erschwert.

In Feuerwehr in Edmonton dementiert die Behauptung

AFP hat sich am 28. März 2022 auch an die Edmonton Fire Rescue Services (EFRS) gewandt, die bestätigten, dass das Filmmaterial keinen Brand in der Hauptstadt von Alberta Edmonton zeige und dass die von dem Feuerwehrmann getragene Ausrüstung der Ukraine gespendet worden sei.

Brittany Eveneshen, Sprecherin der Edmonton Fire Rescue Services, schrieb in einer E-Mail an AFP: "Es gab hier in Edmonton keine Brände in Treibstofffabriken."

"Die Ausrüstung in den CNN-Bildern wurde von den Edmonton Fire Rescue Services gespendet", schrieb sie und fügte hinzu, dass das FAU-Programm vor etwa zehn Jahren begann, als ein Feuerwehrmann aus Edmonton die Ukraine besuchte und den Bedarf dort sah.

Kanadische Fernsehsender – darunter CBC, CityNews und CTVNews – berichteten ebenfalls über den Einsatz von Edmonton-Feuerwehrausrüstung in der Ukraine.

Lokalen Medien zufolge hat die Stadt Edmonton seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar 2022 mehrmals medizinische, humanitäre und Rettungsgüter gespendet (hier, hier, hier).

Fazit: Die Behauptung, der US-Fernsehsender CNN habe einen alten Bericht aus Edmonton als einen Brand in Lwiw in der Ukraine ausgegeben, ist falsch. Die Feuerwehrjacke mit der "Edmonton"-Aufschrift, die in dem Video aus der Ukraine zu sehen ist und zu der falschen Behauptung in sozialen Netzwerken führte, ist eine Spende der Feuerwehr in Edmonton. Der Brand fand tatsächlich in Lwiw statt.

7. April 2022 Korrektur, 07.04.2022: Tippfehler aus Teaser entfernt
Übersetzung:
Ukrainekonflikt