Mercedes-Benz stoppte seine Aktivitäten in Russland nach dem Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 (AFP / Kirill KUDRYAVTSEV)

Mercedes-Benz meldete Marke in Russland an, plant aber keine Rückkehr

Zahlreiche Unternehmen haben sich seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 aus Russland zurückgezogen. Im Januar 2026 spekulierten Userinnen und User online darüber, ob der Autohersteller Mercedes-Benz auf den russischen Markt zurückkehre. Belegen soll dies ein Dokument, welches jedoch aus dem Kontext gerissen wurde. Es handele sich um eine Markenregistrierung, die keine Absichtserklärung sei, die Geschäfte in Russland wieder aufzunehmen, erklärten Fachleute. Auch das Unternehmen selbst bestritt entsprechende Rückkehrpläne.

Der Stuttgarter Autohersteller Mercedes-Benz stellte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 seine Exporte nach Russland ein und stoppte die Produktion vor Ort. Doch die prorussische Bloggerin Alina Lipp spekulierte etwa in einem X-Post vom 12. Januar 2026, der mehr als 44.000 Mal angezeigt wurde: "Kehrt Mercedes nach Russland zurück?" Ihre Begründung: "Mercedes-Benz, das Russland im Jahr 2022 verlassen hat, hat erneut seine Marke in dem Land registriert." Als Beleg teilte sie ein Dokument mit russischem Text. Darin sind Datumsangaben, das russische Wappen sowie der Name des Autoherstellers in lateinischer Blockschrift zu lesen. "Das wars mit der Ukraine-Solidarisierung," heißt es in Lipps Beitrag schließlich. AFP stellte bereits mehrere Behauptungen richtig, die sie teilte. 

Die Behauptung wurde ebenfalls in mehreren Telegram-Kanälen, auf Facebook und in Sprachen wie Englisch, Französisch, Polnisch und Rumänisch verbreitet. Auch die deutschsprachige Website des "Pravda"-Netzwerks, welches Russland zur Verbreitung von Falschinformationen nutzt, teilte die Behauptung.

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X-Screenshot der Behauptung, oranges Kreuz von AFP hinzugefügt: 20. Januar 2026

Die Beiträge mit der aus dem Kontext gerissenen Behauptung ähneln sprachlich einer Meldung der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Ria Novosti vom 12. Januar 2026, die in manchen Beiträgen auch als Quelle genannt wurde.

Doch das geteilte Dokument ist kein Beleg dafür, dass Mercedes-Benz wirtschaftliche Aktivitäten auf dem russischen Markt aufnimmt oder plant.

Markenregistrierung zwingt nicht zur Produktion

Das geteilte Dokument ist in ähnlicher Form in der Datenbank des russischen Patentamts Rospatent zu finden. AFP rief es am 20. Januar 2026 zuletzt auf. Dabei handelt es sich tatsächlich um die Registrierung einer Marke von Mercedes-Benz.

Laut Informationen im Dokument handelt es sich bei dem Inhaber der Marke um den Autohersteller mit Sitz in Stuttgart. Die Marke wurde demnach am 5. Januar 2026 registriert. Der Schutz läuft im September 2035 ab, also zehn Jahre nach der Antragstellung im Herbst 2025. In der online geteilten Version wurden Informationen wie die Registrierungs- oder Anmeldenummer ausgeblendet.

Mehrere deutsche Konzerne zogen sich im Jahr 2022 vom russischen Markt zurück, darunter Mercedes-Benz. Der Konzern gab laut Nachrichtenberichten im März 2022 bekannt, Exporte nach Russland und die Produktion vor Ort zu stoppen. Auch Konkurrenten wie BMW und der VW-Konzern froren ihre geschäftlichen Aktivitäten im Land ein. Von Audi fand AFP beispielsweise auch entsprechende Berichte. Angesichts des Rückzugs wirkt eine Markenregistrierung von Mercedes-Benz auf den ersten Blick widersprüchlich. Doch von AFP kontaktierte Expertinnen und Experten erklärten, dass diese Maßnahme sinnvoll sei – und vor allem nicht zwangsläufig bedeute, dass Unternehmen beabsichtigen würden, im Land zu produzieren oder dorthin zu exportieren.

Eine regelmäßige Markenregistrierung in Russland diene der Rechtsabsicherung, erklärte Marisa Michels, Fachanwältin für gewerblichen Rechtsschutz, am 16. Januar 2026 auf AFP-Anfrage. Eine solche Registrierung alleine sei "kein Bekenntnis zu Produktionsplänen". Vielmehr würden "viele internationale Unternehmen" ihre Marken in Russland aufrechthalten, "um Missbrauch durch Dritte zu verhindern".

Die Anmeldung geschehe vorbeugend "für eine mögliche künftige Nutzung nach Ende der Sanktionen". Aufgrund des russischen Angriffskrieges hatte die EU in mehreren Schritten Finanz- und Wirtschaftssanktionen gegen Russland erlassen. Gleichzeitig bedeute die Registrierung bei Rospatent "keine Verpflichtung (und auch kein Recht), im Land zu produzieren oder zu verkaufen", schrieb Michels.

Ähnlich schilderte Thomas Brand die Rechtslage, Anwalt in einer deutsch-russischen Kanzlei in Moskau, wie es auf ihrer Website heißt. Gefragt, ob Unternehmen sich mit der Markenregistrierung automatisch zur Produktion oder zum Export bekennen, verneinte Brand am 15. Januar 2026 gegenüber AFP: "Es geht nur um den rechtlichen Schutz der Marke." Das bedeute, dass ein Unternehmen anderen untersagen könne, unter seiner Marke etwa Autos zu verkaufen.

"Nach russischem Recht kann der Markenschutz annulliert werden, wenn eine Marke für drei Jahre oder mehr in Russland nicht mehr genutzt wird", erklärte Brand. Grundsätzlich gelte dieser zehn Jahre und könne verlängert werden. Zwar sind deutsche Autos in Russland trotz Sanktionen durch Drittanbieter verfügbar, wie mehrere Medien berichteten. Herstellerinnen und Hersteller könnten dies laut Rechtsanwalt Brand kaum verhindern. Doch weil sie den Export nach Russland aufgrund von EU-Sanktionen derzeit nicht selbst durchführen können, sei die Aufrechterhaltung des Markenschutzes nicht garantiert. Immerhin verfolge Rospatent die Nichtbenutzung nicht, Wettbewerberinnen und Wettbewerber oder beliebige Dritte könnten jedoch Löschungsanträge stellen. Entsprechende Klagen seien "derzeit recht verbreitet".

Brand merkte an, dass die Markenregistrierung "nicht die bereits geschützte Marke betreffen" könne. Das bedeutet, dass eine Marke nicht doppelt angemeldet werden kann. Daher würden Unternehmen versuchen, "ähnliche Marken für andere Produkte oder Services zu registrieren, um wenigstens einen gewissen Schutz aufzubauen", schrieb der Rechtsanwalt auf Nachfrage. Dies gelingt zum Beispiel durch die Ergänzung eines Markenworts um Bildelemente oder die Aktualisierung des Markenbilds sowie des Warenverzeichnisses, wie in Medienberichten angeführt wird. Trotz eines veränderten Schutzumfangs könnten Marken durch geschickte Umsetzung bewahrt werden.

"Diese Strategie kann helfen, die Marke für einen möglichen späteren Wiedereintritt in den Markt vorzubereiten – auch wenn eine aktive Nutzung aktuell noch ausgeschlossen ist", führte auch Michels in einer Aussendung vom August 2025 an.

Mercedes-Benz bestritt Rückkehr nach Russland

Eine Stichwortsuche ergab keine deutschsprachigen Nachrichtenberichte über eine Wiederaufnahme des Russland-Geschäfts von Mercedes-Benz. Die staatseigene russische Nachrichtenagentur Tass berichtete am 12. September 2025 über den Antrag des Unternehmens zur Markenregistrierung. In der Meldung heißt es unter anderem, dass der Autohersteller seine Exporte nach Russland und die dortige Produktion im März 2022 beendete. Erwähnt wird auch, dass die russische Unternehmensgruppe Avtodom die ehemalige Produktionsstätte in der Nähe von Moskau übernahm. "Diese Maßnahme sollte nicht als Schritt in Richtung einer Rückkehr nach Russland angesehen werden", wird ein Sprecher von Avtodom zitiert. Des Weiteren sagte er laut Bericht: "Die Registrierung einer Marke ist lediglich eine Schutzmaßnahme, um sicherzustellen, dass die Urheberrechte nicht von anderen genutzt werden und keinen Schaden verursachen können." Andere Marken aus der Automobilindustrie hätten "dasselbe getan". 

Der deutsche Konzern sicherte sich jedoch laut Berichten eine Rückkaufoption. Falls die Sanktionen gegen Russland also wieder aufgehoben werden, kann Mercedes-Benz seine Unternehmensanteile wieder zurückkaufen.

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Mercedes-Benz zog sich im Jahr 2022 aus Russland zurück (AFP / KIRILL KUDRYAVTSEV)

Ein Sprecher von Mercedes-Benz schrieb am 15. Januar 2026 an AFP: "Wir erhalten unsere jeweiligen Konzernmarken aufrecht, damit kein Dritter sich dieser Markenrechte bemächtigen kann." Er begründete dies ebenfalls mit dem russischen Markenrecht. "Dies ist kein Hinweis auf eine Vorbereitung zur Rückkehr auf den russischen Markt, sondern dient der Erhaltung der Schutzrechtsposition."

Diese Markenanmeldungen seien zudem nicht von den Sanktionen betroffen, sagte der Sprecher und ging damit auf die online verbreiteten Spekulationen ein, dass der deutsche Konzern die "Ukraine-Solidarisierung" der EU missachte. Dass die Anmeldung der Marke nicht unter Sanktionen fällt, bestätigten auch Michels und Brand gegenüber AFP.

Berichtedie eine "Rückkehr westlicher Unternehmen" suggerieren, sind in russischen Medien weit verbreitet. Eine Websuche nach den Stichworten "Marke" und "registriert" auf Russisch ergab zahlreiche Treffer. Russische Medien berichteten im Januar 2026 häufig von Markenregistrierungen internationaler Unternehmen. Eine Rückkehr westlicher Unternehmen nach Russland belegt diese Praktik jedoch nicht.

AFP veröffentlichte weitere Faktenchecks zum Ukrainekrieg.

Fazit: Ein online geteiltes Dokument soll belegen, dass Mercedes-Benz seine wirtschaftlichen Aktivitäten in Russland wieder aufnehmen wolle. Doch dabei handelt es sich um eine Markenregistrierung beim russischen Patentamt. Wie Fachleute bestätigten, belegt sie nicht die Absicht einer Rückkehr auf den russischen Markt. Das Unternehmen selbst bestritt entsprechende Pläne.

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