KI-Abbildungen von Ungarns Beschlagnahmung eines ukrainischen Geldtransports kursierten vielfach
- Veröffentlicht am 12. März 2026 um 11:44
- Aktualisiert am 12. März 2026 um 14:27
- 5 Minuten Lesezeit
- Von: Ede ZABORSZKY, AFP Ungarn
- Übersetzung und Adaptierung: Elena CRISAN, AFP Österreich
Ungarn hat sieben Mitarbeiter eines ukrainischen Geld- und Goldtransportunternehmens festgenommen, die von Österreich in Richtung Ukraine unterwegs waren. Angebliche Bilder der Aktion verbreiteten sich in sozialen Medien. Ein Vergleich dieser Bilder mit offiziellen Aufnahmen der ungarischen Regierung sowie visuelle Unstimmigkeiten in den Bildern selbst legen jedoch nahe, dass sie mit Künstlicher Intelligenz erzeugt wurden. Ein KI-Erkennungswerkzeug bestätigte dies.
Am 5. März 2026 konfiszierten ungarische Beamtinnen und Beamte Geld in Millionenhöhe und Goldbarren, die aus Österreich auf dem Weg in die Ukraine waren. Sieben Mitarbeiter eines ukrainischen Geld- und Goldtransportunternehmens wurden festgenommen und der Geldwäsche verdächtigt. Ukrainische Behörden sprachen von einer Geiselnahme und sagten, Ungarn habe die Männer als Vergeltungsmaßnahme für die verspätete Wiederinbetriebnahme einer Pipeline gefangen genommen, die russisches Öl nach Budapest transportiert. Die Mitarbeiter beförderten 40 Millionen Dollar, 35 Millionen Euro und neun Kilogramm Gold. Ungarn habe das konfiszierte Geld und das Gold noch nicht zurückgegeben, sagte der Chef der ukrainischen Zentralbank, Andri Pyschnysch, auf Facebook.
Nach der Beschlagnahmung des Geldtransports wurden online Bilder geteilt, die angeblich Transportfahrzeuge voller Banknoten und Gold zeigen. Darauf sind auch Kommandoeinheiten zu sehen, die auf ihren Uniformen die Abkürzung für das ungarische Finanzamt NAV tragen. Vor ihnen knien Menschen mit ukrainischen Flaggen auf ihrer Kleidung in Handschellen.
"Der Mann mit dem goldene Klo wird gar nicht erfreut sein", schrieb ein österreichischer Lokalpolitiker der impfkritischen Partei MFG in Anspielung auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am 7. März 2026 auf X.
"Falls Du dich wunderst warum Du die letzten Jahre geteert und gefedert wurdest!", heißt es dazu in einem Facebook-Beitrag. Bei dem Nutzer handelt es sich um den Querdenken-Aktivisten Hannes Brejcha. Er war einer der Organisatoren von Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen in Österreich und sein Post trägt mit über 150 Shares zur Verbreitung der angeblichen Aufnahmen bei. In den Kommentaren wurde die österreichische Regierung dafür kritisiert, dass sie den Transport nicht selbst gestoppt hat.
Die falschen Bilder kursierten erst auf Ungarisch und verbreiteten sich auf Bulgarisch, Italienisch, Rumänisch, Slowakisch und Tschechisch. Der auf Ungarisch eingeblendete Text heißt soviel wie: "Die ungarische Steuerbehörde NAV hat den ukrainischen Goldtransport abgefangen."
Doch ein Vergleich mit offiziellen Aufnahmen der Aktion macht deutlich, dass die geteilten Bilder nicht authentisch sind, sondern mit Künstlicher Intelligenz (KI) generiert wurden. Die Menge an Geld und Gold entspricht nicht den tatsächlichen Beträgen. Die KI-Bilder zeigen zudem nicht die korrekte Uniform der Beamtinnen und Beamten.
Bilder wurden mit KI erstellt
Die ungarische Regierung veröffentlichte am 6. März 2026 ein Video der Festnahme durch das Zentrum für Terrorismusbekämpfung sowie Fotos der Banknoten und des Goldes. Aus diesen Aufnahmen geht deutlich hervor, dass die Menge des beschlagnahmten Geldes und Goldes deutlich geringer ist als auf den KI-Bildern dargestellt.
Zwar war das ungarische Finanzamt tatsächlich an den Ermittlungen beteiligt, doch laut offizieller Mitteilung wurde die Festnahme von einer Einheit des Zentrums für Terrorbekämpfung durchgeführt, wie auf den offiziellen Aufnahmen zu sehen ist.
NAV verfügt zwar auch über eine Kommandoeinheit, deren Ausrüstung aber anders aussieht als jene in den online geteilten Bildern. Eine NAV-Beteiligung wird in offiziellen Berichten nicht erwähnt.
Außerdem fällt auf, dass das Geld in blauen Taschen verpackt war und mit Siegeln mit der Aufschrift "Raiffeisen" versehen war, wie das folgende Foto zeigt, anstatt wie auf den KI-Bildern gestapelt.
Der Vergleich verdeutlicht, dass die gefälschten Bilder in sozialen Medien nicht die Spezialeinheit abbilden, die tatsächlich im Einsatz war, und dass die festgenommenen Personen in Wirklichkeit anders aussehen. Der Text auf den Uniformen ist teilweise unleserlich, was auf eine KI-Erstellung hindeutet. Auch die Fahrzeuge sahen in der Realität anders aus.
Ein Beamter trägt dabei ein Abzeichen, das jenem der ukrainischen Polizei ähnelt. KI-Bildgenerierungsprogramme erstellen Bilder auf der Grundlage von Texteingaben. In diesem Fall wurden wahrscheinlich die Wörter "Ukraine" und "Polizei" eingegeben. Dabei kann es dazu kommen, dass die Programme die Anweisungen missinterpretieren und Fehler wie die Verwechslung der länderspezifischen Abzeichen machen.
Eine Untersuchung mit dem SynthID-Detektor von Google ergab, dass dieses mit Google AI erstellt wurde.
Spannungen steigen vor Ungarn-Wahl
Die Beschlagnahmung vonseiten Ungarns hat seine ohnehin schon angespannten Beziehungen zur Ukraine erheblich verschlechtert, wobei sich der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gegenseitig mit Sticheleien überzogen.
Am 4. März 2026, einen Tag vor dem Vorfall, schien Selenskyj eine direkte Drohung gegen Orban auszusprechen. Er sagte auf Ukrainisch sinngemäß, er werde ukrainischen Soldaten die "Adresse" Orbans geben, damit diese den moskaufreundlichen ungarischen Ministerpräsidenten "in ihrer eigenen Sprache anrufen und mit ihm sprechen" können. Diese Äußerung wurde von der ungarischen Regierung, dem Oppositionspolitiker Peter Magyar und auch der EU-Kommission verurteilt.
Die Regierungspartei Fidesz versucht ihrerseits, die Person des ukrainischen Präsidenten – der in der ungarischen Bevölkerung unbeliebter als der russische Präsident Wladimir Putin ist – zu einem zentralen Wahlkampfthema zu machen. Fidesz verbreitet die Botschaft, dass die Ungarinnen und Ungarn am 12. April 2026 zwischen ihm und Orban wählen müssten.
Russische Einflussnahme nicht ausgeschlossen
Magyar vermutete als Vorsitzender der stärksten Oppositionspartei, dass Russland versuchen könnte, Einfluss auf die ungarischen Wahlen zu nehmen. Er stützte sich auf Medienberichte, wonach der russische Militärgeheimdienst ein Team nach Ungarn entsandt hätte, das sich ähnlich wie in Moldawien auch in die ungarischen Wahlen einmischen würde. Sowohl die russische Botschaft als auch der russische Botschafter in Ungarn reagierten auf Magyars Beitrag und bezeichneten die Möglichkeit einer russischen Einmischung in die Wahlen als "Fake News" und "Märchen".
Viele Nutzerinnen und Nutzer, die auf ungarische Posts mit der Falschbehauptung reagierten, hatten keine ungarischen Namen und waren teilweise nicht mit weiteren Facebook-Profilen befreundet.
Gleichzeitig generierten Beiträge von vergleichsweise kleinen Seiten ungewöhnlich hohe Zugriffe. Das kann als Zeichen künstlicher Interaktionen durch Fake-Profile gedeutet werden.
AFP veröffentlichte weitere Faktenchecks zu Wahlen in Deutschland sowie in anderen Ländern.
Fazit: Nachdem ungarische Behörden einen Geld- und Goldtransport in Richtung Ukraine beschlagnahmten, kursierten online Bilder von der Aktion. Visuelle Unstimmigkeiten sowie ein Erkennungstool zeigten jedoch, dass diese Bilder KI-generiert wurden.
Überflüssige Analyseergebnisse im 13. Absatz gelöscht, Formulierung in Teaser und Fazit konkretisiert12. März 2026 Überflüssige Analyseergebnisse im 13. Absatz gelöscht, Formulierung in Teaser und Fazit konkretisiert
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