Dieser CNN-Tweet über einen Toten in der Ukraine ist gefälscht

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Hunderte User haben seit Ende Februar ein Bild auf Facebook geteilt, das zwei vermeintliche Tweets des US-amerikanischen Fernsehsenders CNN zeigt. Darauf ist ein Mann zu sehen, dessen Tod CNN angeblich sowohl in Afghanistan als auch in der Ukraine vermeldet habe. Die Twitter-Accounts sind allerdings Fälschungen. Der gezeigte Mann ist kein toter Journalist, sondern ein lebender Videospiele-Streamer, der immer wieder Opfer von Online-Belästigungen wird.

Hunderte Nutzerinnen und Nutzer haben seit Ende Februar 2022 das Bild mit dem angeblich mehrfach als verstorben gemeldeten Mann auf Facebook geteilt (hier, hier, hier). Auf Telegram erreichte die Behauptung mehr als 51.000 User. Auch auf Twitter verbreitete sich die Behauptung.

Die Behauptung: Das Bild zeigt zwei angebliche Screenshots von Tweets von "CNN Afghanistan" und "CNN Ukraine". Darin ist das Foto eines als "Bernie Gores" bezeichneten Mann zu sehen, dessen Tod CNN angeblich schon früher als Hinrichtung eines Journalisten durch die Taliban in Afghanistan beschrieben haben soll. Nun soll CNN sein Bild erneut genutzt haben, um über den Tod eines Aktivisten in der Ukraine zu berichten. User interpretieren den angeblich mehrfach verstorbenen Mann als Versuch der Falschinformation durch den US-Sender: "Dieselbe Person, die von den Taliban in Afghanistan 'hingerichtet' wurde, ist auch das erste amerikanische Todesopfer in der 'Ukraine-Krise'." Weiter heißt es: "CNN ist der Feind des Volkes."

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 03.03.2022

Die falsche Behauptung hat sich in den Tagen nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine am 24. Februar 2022 in mehreren Sprachen verbreitet, darunter Arabisch, Ungarisch, Spanisch und Portugiesisch. AFP prüfte die Behauptung bereits hier auf Ungarisch und hier auf Finnisch.

Nach Angaben des ukrainischen Rettungsdienstes wurden in dem Krieg bisher mehr als 2000 Zivilisten getötet, mehr als eine Million Menschen sind auf der Flucht. Der Krieg wird auch von einer Welle von Online-Desinformationen begleitet, die AFP etwa hier, hier und hier überprüfte. AFP sammelt Faktenchecks im Kontext des Ukraine-Konflikts hier.

CNN dementiert die Echtheit der Twitter-Accounts

Der Tweet, der den Tod des angeblichen Journalisten in Afghanistan verortet, kursierte bereits im August 2021. Die Faktenprüfer von Reuters und PolitiFact haben die Behauptung damals geprüft. Der vermeintliche CNN-Account ist eine Fälschung.

Der Twitter-Account "@CNNAfghan", der den falschen Tweet gepostet hat, wurde inzwischen mit dem Vermerk "Twitter sperrt Accounts, die gegen die Twitter-Regeln verstoßen" gesperrt.

Mithilfe des Internet-Archivierungswerkzeugs WaybackMachine konnte AFP Momentaufnahmen des Accounts einsehen, als er noch aktiv war. Sie zeigen, dass der Account im Mai 2021 erstellt wurde, sechs Tweets veröffentlicht und 132 Follower hatte, bevor er gesperrt wurde. Es handelte sich um kein verifiziertes Konto.

Echte CNN-Twitter-Konten, die Nachrichten veröffentlichen, haben ein blaues Häkchen, das anzeigt, dass es sich um verifizierte Accounts handelt. Sie haben jeweils Millionen von Followern.

Screenshot vom Twitter-Kanal von CNN International (links), verschiedenen offiziellen CNN-Twitter-Accounts mit blauem Häkchen (rechts): 28.02.2022

Mit derselben Begründung sperrte Twitter auch den vermeintlichen CNN Ukraine-Account, der die Behauptung über einen angeblich in der Ukraine verstorbenen Aktivisten mit dem gleichen Foto verbreitete. Eine archivierte Version des Twitter-Kontos zeigt, dass die Beiträge am 23. Februar 2022 veröffentlicht wurden, also einen Tag, nachdem Putin den russischen Truppen befohlen hatte, in die von prorussischen Separatisten besetzten Regionen der Ostukraine einzumarschieren.

"CNN Ukraine" hatte zu diesem Zeitpunkt 129 Follower und war ebenfalls nicht verifiziert. Ähnlich wie der andere gefälschte Twitter-Account veröffentlichte auch "CNN Ukraine" einige Links zu echten CNN-Artikeln, um den Anschein der Echtheit zu erwecken, bevor er den gefälschten Bericht über den angeblich in der Ukraine verstorbenen Aktivisten veröffentlichte. Dieser Tweet enthielt keinen Link zu einem CNN-Bericht.

Am 28. Februar 2022 bestätigte der Vizepräsident des Kommunikationsteams von CNN, Jonathan Hawkins, in einer E-Mail an AFP, dass die Twitter-Konten auf dem geteilten Bild "keine offiziellen CNN-Konten" sind.

Dritter gefälschter Account

Einige Tage später, am 2. März 2022, twitterte ein neuer Account names "CNN Bosnia and Herzegovina" die Meldung, es sei ein angeblicher CNN-Reporter mit dem Namen "Bernie Gores" in Bosnien und Herzegowina von belarussischen Soldaten gefangen genommen worden. Der angebliche CNN-Account sprach "extremes Bedauern" aus.

Der Account ist wieder nicht verifiziert, existiert erst seit März 2022 und hat mit Stand vom 3. März nur drei Follower. Er zeigt außerdem in einem weiteren Tweet einen angeblichen tschetschenischen Soldaten namens "Ricardo Jordan". Das Bild zeigt jedoch denselben Mann.

Der Mann auf dem Foto ist Videospiel-Streamer

Eine Bilderrückwätssuche zeigt, dass der Mann auf dem Afghanistan-Bild ein Videospiel-Streamer und Youtuber namens Jordie Jordan ist. Wenn man sich die Videos auf Jordans verifiziertem Youtube-Kanal und das Bild aus der falschen Behauptung ansieht, kann man erkennen, dass er tatsächlich der Mann aus den falschen CNN-Tweets ist.

Screenshots der Afghanistan-Behauptung (links), eines Youtube-Videos von Jordie Jordan (Mitte) und der Bosnien und Herzegowina-Behauptung (rechts): 03.03.2022.

Das Bild aus der falschen Afghanistan-Behauptung ist auch auf Jordans Wikitubia-Seite zu finden. Darin ist vermerkt, dass Jordan im Mittelpunkt verschiedener Kontroversen war und immer wieder Ziel von Belästigungen im Internet ist. Dabei wurden ebenfalls Fotos von ihm mit veränderten Namen in einen falschen Kontext gesetzt.

Follower Jordans fragten ihn in einem Livestream vom 27. Februar 2022 nach den gefälschten Berichten über seinen vermeintlichen Tod. In dem Video, das er nach seinem angeblichen Tod veröffentlichte, antwortete er nicht auf die Fragen. Am 3. März 2022 hat Jordan auf Youtube erneut Videospiele live übertragen.

Die Verbreitung falscher Behauptungen in vermeintlichen Medienberichten ist keine neue Belästigungsmethode. AFP hat in der Vergangenheit bereits ähnliche Behauptungen über einen deutschen Youtuber geprüft, der fälschlicherweise als gesuchter Mörder dargestellt wurde.

Fazit: Die Behauptung, der Nachrichtensender CNN habe den Tod eines Mannes in der Ukraine erfunden, ist falsch. Die Twitter-Accounts, die diese Falschinformation verbreitet haben, sind gefälscht. Einige davon sind mittlerweile gesperrt. Der Mann auf dem Bild ist am Leben und streamt Videospiele.

Übersetzung:
Ukrainekonflikt