Medien verbreiteten weltweit falschen Namen des mutmaßlichen Täters von Kongsberg

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  • Veröffentlicht am 14. Oktober 2021 um 18:22
  • Aktualisiert am 14. Oktober 2021 um 18:23
  • 3 Minuten Lesezeit
  • Von: Eva WACKENREUTHER, AFP Österreich
Facebook-User und Medien weltweit haben nach dem Anschlag in der norwegischen Stadt Kongsberg einen falschen Namen des angeblichen Schützen verbreitet. Dem vorausgegangen waren Social-Media-Postings, die den Namen des Youtubers Rainer Winkler, bekannt als "Drachenlord", in Verbindung mit dem Anschlag setzen. Dazu teilten User Bilder Winklers, die ihn beim Bogenschießen zeigen. Diese Aufnahmen entstanden allerdings vor Winklers Haus in Franken. Die dortige Polizei dementierte bereits, dass er mit dem Anschlag zu tun hatte. Auch Alter und Nationalität Winklers passen nicht zu denen des echten mutmaßlichen Schützen von Norwegen.

Nutzerinnen und Nutzer auf Facebook haben nach dem Bogenangriff von Kongsberg einen falschen Namen des mutmaßlichen Täters geteilt (hier, hier). Auch zahlreiche Medien weltweit übernahmen den falschen Täternamen. Die österreichische Website "exxpress" verlinkte ursprünglich Tweets, die Winklarson als Täter nannten, entfernte sie aber später wieder. Auch zahlreiche italienische Medien (hier, hier, hier) griffen den online kursierenden Namen als möglichen Täter auf, manche haben inzwischen den Fehler korrigiert. Außerdem griffen Medien in Griechenland, Frankreich, Luxemburg und Pakistan den Namen in Zusammenhang mit dem Tatverdächtigen von Kongsberg auf.

Die Falschbehauptung: Der mutmaßliche Bogenschütze von Kongsberg heiße angeblich Rainer Winklarson. Dazu haben User teilweise ein altes Bild geteilt, das nichts mit dem Anschlag von Norwegen zu tun hat.

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Facebook-Screenshot der Falschbehauptung: 14.10.2021

Der Bogenangriff von Kongsberg

Am Abend des 13. Oktobers 2021 griff ein Bogenschütze in der norwegischen Stadt Kongsberg mehrere Passanten an. Fünf Menschen starben, weitere wurden verletzt. Der Angriff habe in diesem Stadium der Ermittlungen "den Anschein eines Terrorakts", teilte der norwegische Geheimdienst PST am Donnerstag mit. Den mutmaßlichen Täter beschrieb die norwegische Polizei als einen 37-jährigen Dänen, der in Kongsberg lebe.

Wer ist der Drachenlord?

Seit Jahren ist der umstrittene fränkische YouTuber Rainer Winkler, bekannter unter dem Namen "Drachenlord", Zentrum verschiedener Mobbingaktionen. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Winkler und seinen sogenannten "Haidern" (Ableitung vom englischen "Hater" also "Hasser"). Erst im Sommer diesen Jahres hatte die Polizei seines Heimatorts eine Allgemeinverfügung erlassen, um Ausschreitungen in Zusammenhang mit dem "Drachenlord" zu unterbinden. Im Oktober muss Winkler erneut wegen Beleidigung und Körperverletzung vor Gericht. In den verbreiteten Facebook-Postings wird aus seinem eigentlichen Namen der Name "Rainer Winklarson". Dieser wurde von Medien weltweit als skandinavischer Name aufgegriffen. Laut Recherchen von "T-Online" stammt einer der ersten Postings mit falschem Namen und Zusammenhang zum Anschlag von Norwegen aus eben dieser Szene der "Haider".

Kein Zusammenhang

Mit dem Attentat in Norwegen hat Winkler allerdings nichts zu tun. Details wie Alter und Nationalität, die bereits über den mutmaßlichen Täter bekannt sind, stimmen nicht mit Rainer Winkler überein.

Die Polizei Mittelfranken, Winklers Heimat, warnte zudem bereits auf Twitter vor der Falschmeldung:  

 

Auch das gelegentlich mit der Behauptung geteilte Foto stammt nicht vom norwegischen Attentat. Es entstand vor dem Haus Winklers in Deutschland, über das bereits mehrfach berichtet wurde (hier, hier). Die Aufnahme kursiert schon länger in sozialen Netzen, lange vor dem Attentat von Norwegen.

Fazit: Der Name Rainer Winklarson ist die Abwandlung des Namens eines deutschen Youtubers, der regelmäßig mit Trollangriffen zu tun hat. Zahlreiche Medien griffen diesen Namen des angeblichen Tatverdächtigen auf. Die Polizei Mittelfranken bezeichnete das als "Falschmeldung". Mehrere Faktenchecks (hier, hier, hier) griffen die falsche Info ebenfalls bereits auf.

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