Corona-Impfstoffe machen nicht magnetisch und enthalten keine Mikrochips

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Ende Mai haben Tausende Nutzerinnen und Nutzer auf Facebook und Telegram eine Behauptung geteilt, wonach Magneten an den Armen geimpfter Menschen haften bleiben würden. Der Impfstoff sei magnetisch oder enthalte Nanotechnologie, heißt es dazu. Ärzte und Bioimplantationsspezialisten verneinten das gegenüber AFP.

Die geteilten Videos zeigen ähnliche Inhalte: Eine Person hält einen Magneten oder einen Gegenstand aus Eisen an die angebliche Einstichstelle der Corona-Impfung. Der Gegenstand bleibt daraufhin am Arm haften. Daraus ziehen die Postings den Schluss: "Die Einstichstelle der Impfung ist magnetisch!" (hier, hier) Einer der führenden Aktivisten gegen die Corona-Maßnahmen in Österreich, Martin Rutter, erklärt mit einem Bild auf seiner Facebook-Seite: "Somit kann ich dir versichern, dass es sich hierbei nicht um eine weitere #’abstruse Verschwörungstheorie‘ handelt, es entspricht der Tatsache, so unglaubwürdig es auch sein mag…" Als Grund für den vermeintlichen Magnetismus nennen einige Postings angeblich im Impfstoff enthaltene Nanotechnologie wie Mikrochips.

Auch auf Telegram sahen Zehntausende die Videos der vermeintlich magnetischen Oberarme nach der Impfung (hier, hier, hier). Auf Englisch, Französisch, Ungarisch, Bulgarisch, Slowakisch und in Serbien verbreiteten sich die Aufnahmen der angeblich magnetisch machenden Impfung ebenfalls tausendfach.

Facebook-Screenshot: 31.05.2021

Impfkritiker*innen beschreiben Impfungen immer wieder als gefährlich. Sie würden angeblich Unfruchtbarkeit bei Frauen auslösen, unkontrollierbares Zellsterben verursachen oder enthielten gefährliche Giftstoffe. Geimpfte könnte nicht einmal mehr Blut spenden. All diese Falschbehauptungen hat AFP widerlegt. Dazu passen auch die aktuell geteilten Postings über die angeblich magnetische Einstichstelle der Impfung.

Keine metallischen Inhaltsstoffe

Auf die Behauptung angesprochen, sagte Thomas Hope, Impfstoffforscher und Professor für Zell- und Entwicklungsbiologie an der Feinberg School of Medicine der Northwestern University in den USA: "Das ist unmöglich. Es gibt dort nichts, mit dem ein Magnet interagieren kann. Es sind Proteine und Lipide, Salze, Wasser und Chemikalien, die den pH-Wert aufrechterhalten. Das ist im Grunde alles, also ist das nicht möglich."

Laut den Infoblättern der Gesundheitsbehörden in den USA und Kanada führt keine der verfügbaren Covid-19-Impfungen (Biontech/Pfizer, Moderna, Johnson & Johnson oder Astrazeneca) irgendwelche metallbasierten Inhaltsstoffe an. Die US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) schreiben zudem auf ihrer Website, dass in den Impfstoffen keine Mikrochips enthalten sind.

Selbst wenn ein Impfstoff Spuren von metallischer Substanz enthielte, "müsste man ein ziemlich beträchtliches Stück Metall unter die Haut bringen, damit die Kühlschrankmagnete haften", so Hope. "Man könnte gar nicht genug Metall oder Eisen, das darauf ansprechen würde, in eine Nadel stecken und in die Haut injizieren." Allein dadurch scheidet Nanotechnologie als Möglichkeit für den angeblichen Magnetismus aus.

Es gibt Bioimplantate, aber nicht in Impfungen

Es gibt tatsächlich Bioimplantate und Mikrotechnik, die Menschen zu verschiedenen Zwecken eingepflanzt werden kann. Sie nutzen Radiofrequenz-Identifikation (RFID) und Nahfeldkommunikation (NFC). Bei beidem handelt sich um Technologien, die in Smartphones und Zahlungskarten zu finden sind. Im Jahr 2018 berichtete AFP davon, dass sich über 3000 Schwed*innen einen Chip in die Hand implantieren ließen. Damit können sie Türen öffnen und Informationen wie Zugtickets mit sich führen. Auch US-Firmen haben bereits mit der Technologie experimentiert.

Es bestehe jedoch kein Risiko dafür, dass diese Technologie zur Implantation von Mikrochips mittels Impfungen genutzt werden könnte, sagte Amal Graafstra, Geschäftsführer der US-Biohacking-Unternehmen "Dangerous Things" und "VivoKey" gegenüber AFP. "Chip-Implantate sind ziemlich groß und erfordern eine Nadelstärke von mindestens 11g im Durchmesser (das entspricht etwa 3 Millimeter, Anm. d. Red.), was sogar größer ist als eine Nadel, die zum Blutabnehmen verwendet wird. Der Durchmesser der Impfstoffnadel ist so klein, dass sie unmöglich irgendeine Art von Chip-Implantat durch sie hindurchführen könnte", schrieb er in einer E-Mail am 19. Mai 2021.

In den derzeit von vielen Menschen verwendeten Implantaten "befinden sich kleine Ferrit-Stäbchen innerhalb der Chip-Implantate, an denen ein Magnet schwach haften kann, aber nur, wenn der Chip parallel zur Haut liegt", schrieb Graafstra. "Ein Chip-Implantat, das klein genug ist, um durch eine Impfnadel zu passen, hätte so wenig metallischen Inhalt, dass ein Magnet unmöglich daran haften könnte. Das Gewicht des Magneten allein würde durch die schwache Verbindung zu einem so kleinen Stück Metall nicht getragen werden."

links: eine Nadel mit Chip-Implantat im Januar 2018 in Stockholm (Jonathan Nackstrand, AFP), rechts: eine Nadel mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer in Deutschland im Mai 2021 (Thomas Lohnes, AFP)

"Ich würde sagen, dass dies die Mikrochips zur schlechtesten Technologie macht, die für die Verfolgung von Personen verwendet werden kann, im Gegensatz zu Mobiltelefonen, die ständig Signale aussenden", schrieb auch Biohacker Sina Amoor Poura von Chipster am 20. Mai 2021 in einer E-Mail an AFP und erklärte, dass Mikrochips ohne ein weiteres Gerät in der Nähe zur Ortung nicht sinnvoll seien: "Der Mikrochip ist nur ein 'totes' Objekt unter der Haut, nicht anders als ein kleines Stück Glas, Stein oder Holz, es sei denn, man legt aktiv die Hand auf ein Lesegerät", schrieb er. Dasselbe Prinzip kennt man von Kreditkarten, die man an ein Lesegerät halten muss, um kontaktlos zu bezahlen.

Als Technologie nutzen sie elektromagnetische Wellen, nicht Magnete, erklärte der Biohacker: "Die Mikrochips sind nicht magnetisch. Es gibt das Missverständnis, dass sie magnetisch sind. Aber elektromagnetische Wellen sind die gleiche Art von ‘Ding’ wie Radiowellen oder sichtbare Lichtwellen. Wenn Sie also einen Magneten nicht an Ihren Radioplayer kleben lassen können, dann ist das derselbe Grund, warum Sie keinen Magneten an die Mikrochips kleben können." Und weiter: "Außerdem werden magnetische Wellen, anders als elektromagnetische Wellen, nicht wirklich für irgendeine Art von Kommunikation verwendet. Sie sind zu schwierig zu kontrollieren. Es ergibt also keinen Sinn, Mikrochips herzustellen, die magnetisch sind. Es fügt den Chips keine Funktionen hinzu."

Warum kleben die Magnete an der Einstichstelle?

Obwohl es also unmöglich ist, dass die Impfstelle durch die Impfung magnetisch wird, ist in den Videos sichtbar, dass die Magnete und Metallteile an der Haut kleben. Dabei ist nicht klar, ob die Personen, die die Magnetismus-Versuche durchführen, tatsächlich geimpft sind. Auch ob die Gegenstände eventuell mit Hilfsmitteln wie beispielsweise Klebestreifen ausgestattet sind, sieht man in vielen Videos nicht genau.

Der Wissenschaftsautor Mick West hat das Magnet-Experiment selbst in einem Video auf seiner Website "Metabunk" nachgestellt. Er zeigte, dass nicht nur Magnete, sondern auch andere metallische Gegenstände an jedem Teil seines Körpers haften können, wenn genügend Öl vorhanden ist. Er schafft es zum Beispiel, einen Magneten und eine Münze (Münzen sind nicht magnetisiert) an seiner Nase haften zu lassen. Auch der Wissenschaftler Morgan McSweeney, der unter dem Namen "dr.noc" TikTok-Videos macht, demonstriert in einem Video, dass schon eine kleine Menge an Feuchtigkeit oder Körperöl reicht, um einen Magneten an der Haut haften zu lassen.

Eine Frau, deren Magnet-Video laut BBC viral ging, erklärte auf ihrem TikTok-Kanal zu ihrer Behauptung: "Ich habs versaut und es tut mir leid. Es war hundertprozentig ein Witz, weil mich meine Schwester gefragt hat, ob mein Arm nach meiner Impfung magnetisch sei." Und zu einem weiteren TikTok-Video schrieb sie: "An jeden, der das gesehen hat – nochmal, das ist NICHT echt. Ich habe den Magneten abgeschleckt."

In einem der Videos zu dem angeblichen Magnetismus-Effekt ist außerdem zu sehen, dass sich die Personen in einem Fitnessstudio befinden. Schweiß macht die Haut ebenfalls klebriger. Auch ein leichtes Zurücklehnen könnte dem Magneten helfen, zu "haften". In keinem der Videos lehnen sich die Personen nach vorne. Wenn der Magnet wirklich an ihrem Arm haften würde, könnten sie sich nach vorne lehnen und ihren Arm schütteln, ohne dass er herunterfallen würde.

Schon vor der Corona-Pandemie erklärte der Zauberkünstler James Randi im japanischen Fernsehen den Trick eines angeblich "magnetischen Menschen". Nachdem er die Brust eines vermeintlich magnetischen Mannes mit trocknendem Talkumpuder einrieb, konnte dieser keine metallischen Gegenstände mehr an seiner Haut haften lassen.

AFP-Faktenchecker kamen bei einem Selbstversuch zum gleichen Ergebnis: Als sie versuchten, einen Magneten auf ihre Haut zu legen, blieb er ohne zusätzliche Feuchtigkeit durch eine Hautcreme nicht haften, auch nicht an der Stelle, an der sie den Impfstoff Covid-19 von Pfizer erhielten.

Fazit: Nein, Corona-Impfstoffe machen die Einstichstelle nicht magnetisch. Sie enthalten weder ausreichend magnetische Inhaltsstoffe noch Nanotechnologie. Mit Feuchtigkeit oder anderen Tricks kann man jedoch Gegenstände an der Haut haften lassen, um so den Eindruck von Magnetismus zu erwecken.

Übersetzung:
Covid-19 IMPFUNGEN