Die Kinderstation des Uniklinikums Mannheim ist nicht durch impfbedingte Krankenstände "Land unter"

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Seit Anfang Februar haben Hunderte Facebook-Nutzerinnen und -nutzer eine Behauptung geteilt, wonach durch Impfungen bei der Belegschaft der Kinderstation des Universitätsklinikums Mannheim teils schwere Nebenwirkungen aufgetreten seien. Durch die zahlreichen Krankenstände sei auf der Station nun "Land unter", heißt es weiter. Die Klinik dementierte, auch lokale Behörden und Medien wissen nichts von einem "Land unter".

Hunderte Nutzerinnen und Nutzer haben den "Bericht einer Bekannten, deren Bald-Schwägerin sich bisher nicht impfen ließ," seit dem 3. Februar geteilt (hier, hier, hier). Darin heißt es, dass von 80 Beschäftigen der Kinderstation 75 die erste Impfdosis erhalten hätten – alle 75 hätten daraufhin  Nebenwirkungen davongetragen. Die Zweitimpfung hätten bisher 30 Personen erhalten, "alle 30, davon 5 ärzte, mit teils heftigen nebenwirkungen, fieber, kreislaufkollaps, kreidebleiches gesicht,usw. alle 30 krankgeschrieben. land unter auf der station. die restlichen mit der 1.impfung haben nun angst vor der 2. impfung. es soll nichts nach außen dringen!", beschreibt das Posting die vermeintliche Situation in Mannheim. Gemeint ist offenbar die Impfung gegen das Corona-Virus.

Facebook-Screenshot: 15.02.2021

Auf Facebook und seiner Website hat sich das Universitätsklinikum bereits unter dem Titel "Falschinformationen in Social Media zu Impfungen" zu den Gerüchten zu Wort gemeldet: "Die Krankenversorgung in der Kinderklinik des Universitätsklinikums Mannheim läuft ganz normal. Es sind dort weit über 100 Mitarbeiter geimpft worden, die Zahl der Krankgeschriebenen (ob geimpft oder nicht) ist auf dem normalen Niveau. Es sind keine unerwarteten Nebenwirkungen oder schwerwiegenden Impfreaktionen aufgetreten." Die Impfungen seien bisher gut vertragen worden. Am 11. Februar bestätigte ein Sprecher der Universitätsmedizin, Dirk Schuhmann, auch noch einmal gegenüber AFP: "Die Krankenstände sind ohne Auffälligkeit."

Weiter sagte er: Erwartbare leichte Nebenwirkungen wie Schmerzen an der Einstichstelle oder Kopfschmerzen könne er nicht ausschließen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beschreibt solche einfachen Reaktionen auf die Impfung allerdings als harmlos. Diese würden lediglich zeigen, dass der Körper auf die Impfung reagiere, heißt es auf der Seite der Bundeszentrale. Schwere Impfreaktionen sind im Fall von Covid-19 laut Infektionsschutzgesetz meldepflichtig an das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI).

Das Paul-Ehrlich-Institut antwortete auf Nachfrage von AFP am 11. Februar, dass es die gemeldeten Verdachtsfälle nicht regional aufschlüsseln könne und verwies auf den aktuellsten der regelmäßig vom Institut aktualisierten Sicherheitsberichte. Dieser bildet Verdachtsfälle nach Corona-Impfungen bis zum 31. Januar 2021 ab. Darin steht: "Die Melderate betrug für alle Einzelfallmeldungen 1,15 pro 1.000 Impfdosen, für schwerwiegende 0,14 pro 1.000 Impfdosen gesamt."

AFP hat außerdem beim Gesundheitsamt in Mannheim nachgefragt. Dort müsste aufgefallen sein, wenn auf einer kompletten Kinderstation "Land unter" wäre, so wie es die Postings beschreiben. Eine Sprecherin schrieb am 15. Februar: "Nach Kenntnis des Gesundheitsamts Mannheim läuft die Krankenversorgung in der Kinderklinik des Universitätsklinikums Mannheim weiterhin ganz normal."

Auch in lokalen Medien finden sich keine Anhaltspunkte für einen Vorfall dieser Art. Stattdessen veröffentlichte der "Mannheimer Morgen" ebenfalls einen Artikel über kursierende Falschinformationen in Bezug auf die Kinderstation.

Fazit: Im Universitätsklinikum Mannheim kam es zu keiner massenhaften Reaktion auf die Corona-Impfung. Weder sind alle geimpften Beschäftigten in Krankenstand, noch gab es "teils heftige Nebenwirkungen". Das Krankenhaus dementierte, lokale Behörden und Medien bestätigen das Dementi.

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