Es gibt kein Eingeständnis des RKI, dass positive Corona-Tests keine Infektion anzeigen

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User teilen Anfang November rund tausend Mal eine Behauptung über das Robert Koch-Institut auf Facebook. Demnach habe das RKI zugegeben, dass ein positives Corona-Testergebnis keine Infektion mit Sars-CoV-2 bedeuten würde. Das zum Beweis aus einem öffentlichen RKI-Dokument herangezogene Zitat sagt das aber gar nicht aus. Darin heißt es nur: Auch Menschen ohne Covid-19-Symptome würden getestet und im Falle einer Infektion als Corona-Fall gezählt.

Die falschen Behauptungen veröffentlichte die Seite "Die Wahrheit liegt auf der anderen Seite" auf Facebook am 2. November (hier) und in ihrem gleichnamigen Telegram-Channel am 3. November (hier). Seitdem teilen Facebook-User sie mehr als Tausend Mal. Auf Telegram erreichte das dazu verbreitete Share-Pic bisher 2200 Menschen.

Facebook-Screenshot: 4.11.2020

Im Bild ist ein Zitat des Robert-Koch-Instituts zu lesen: "In Einklang mit den internationalen Standards der WHO und der ECDC wertet das RKI alle labordiagnostischen PCR-Nachweise von SARS-CoV-2 unabhängig vom Vorhandensein oder der Ausprägung einer klinischen Symptomatik als COVID-19-Fälle." Der letzte Teil des Zitats wird im Bild unterstrichen und zum Teil rot gefettet.

Dazu heißt es auf Facebook: "Folgender Sachverhalt wird somit eingestanden: Positiv getestet ist ungleich Infektion." Außerdem wird anschließend eine alte Behauptung wiederholt, wonach PCR-Tests die Zulassung fehle.

Das Zitat des Robert-Koch-Instituts selbst ist echt. In der Facebook-Beschreibung zum Share-Pic ist die Quelle verlinkt: Der tägliche RKI-Lagebericht vom 1. November. 2020. Das angegebene Zitat steht in einem Abschnitt, der erklärt, wie das Institut Covid-19-Fälle zählt.

Kein Eingeständnis

Das RKI formuliert im Zitat kein Eingeständnis. Sprecherin Susanne Glasmacher schreibt am 3. November an AFP: "Generell ist es so, dass Menschen auch ohne Symptome infektiös sein können." Deswegen würden diese Menschen ebenfalls auf SARS-CoV-2 getestet – und bei einem positiven Ergebnis zu den Corona-Fällen gezählt. Anders gesagt: Nur, weil jemand keine Symptome zeigt, bedeutet das nicht, dass er gesund ist. 

Auf seiner Website erklärt das RKI, wie die "Übertragung durch asymptomatische, präsymptomatische und symptomatische Infizierte" möglich ist. Dort steht explizit: "Typischere Symptome können aber auch ausbleiben." Beschwerdefreie könnten dennoch "infiziert und infektiös sein", heißt es weiter. Menschen ohne Symptome seien dabei ein "relevanter Teil" der Infizierten, der andere Menschen anstecke. Die Isolierung vermindere deshalb das Übertragungsrisiko.

PCR-Tests sind zugelassen

Im weiteren Text des Bildes schreiben die Verfasser außerdem: "Angesichts millionenfacher Massentestungen an gesunden Personen (obwohl keiner der weltweit über 400 angewandten PCR-Tests dafür zugelassen ist) kann ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass der Lockdown 2.0 absolut unverhältnismäßig und damit verfassungswidrig ist." 

Die Anzahl und Qualität des Tests bestimmt die Höhe an gemessenen Corona-Neuinfektionen, die wiederum ausschlaggebend für die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierungen in Bezug auf die Corona-Pandemie ist. Es gibt online deshalb stetige Bemühungen, den Test als fehlerhaft darzustellen, um damit auch die Maßnahmen der Bundesregierung anzugreifen.

So tauchte etwa bereits im Oktober die Behauptung auf, dass PCR-Tests keine Zulassung hätten. Das hat AFP bereits hier widerlegt. Auch die grundsätzliche Fähigkeit der Tests, Infektionen anzuzeigen, greifen Kritiker immer wieder an. Eine ähnliche Erzählung widerlegte AFP etwa im September im Zusammenhang mit der Behauptung, die Schweizer Gesundheitsbehörde habe PCR-Tests für untauglich erklärt.

Auch in diesem Facebook-Beitrag ist die Behauptung falsch, die weltweit 400 eingesetzten PCR-Tests seien nicht zugelassen.

In Deutschland sind aktuell mehr als 800 Corona-Tests verschiedener Arten wie PCR und Antigen-Tests beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte registriert. Dafür müssen Medizinprodukte zwar anders als Arzneimittel nicht von Behörden zugelassen werden. Sie durchlaufen aber ein Konformitätsverfahren, an dessen Ende die CE-Kennzeichnung ("Europäische Konformität") steht. In diesem Verfahren muss ein Hersteller nachweisen, dass sein Produkt sicher ist und die technischen und medizinischen Leistungen auch so erfüllt, wie sie von ihm beschrieben werden (siehe EU-Richtlinien, Seite 12). Erst dann gibt das Bundesinstitut den Test für den deutschen Markt frei.

Zusätzlich können weitere in europäischen Mitgliedstaaten registrierte Tests in Deutschland eingesetzt werden. Alle diese PCR-Tests sind für die Diagnostik zugelassen.

Fazit: Das verwendete Zitat beweist keineswegs, dass positiv Getestete nicht infiziert sind. Das Gegenteil ist der Fall. Weiterhin stellt das Bild eine falsche Aussage bezüglich der Zulassung von PCR-Tests in Deutschland auf.

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