Nein, die Schweizer Gesundheitsbehörde hat PCR-Tests nicht für untauglich erklärt

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Auf Facebook teilen Userinnen und User seit Mitte August tausendfach eine Behauptung, wonach das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) gängigen Corona-PCR-Tests die Wirksamkeit abspreche. Das Amt teile dies in einem Merkblatt für Gesundheitsfachpersonen mit, heißt es. Diese Behauptung ist falsch. Die Postings reißen zwei Sätze aus dem Merkblatt aus dem Zusammenhang. Das BAG bekräftigt sogar den Nutzen von PCR-Tests.

Mehrere Facebook-Posts mit teils identischen Beschreibungen verbreiten die Behauptung zur mangelnden Wirksamkeit von PCR-Tests und verbinden sie mit weiteren Corona-Annahmen (hier und hier). Andere Beiträge konzentrieren sich ausschließlich auf das fragliche Zitat aus dem Merkblatt (hier und hier).

Dieser Facebook-Post etwa teilt einen Screenshot des Amtsblatts, das vom BAG gemeinsam mit dem Eidgenössischen Departement des Innern und der nationalen Aufsichtsbehörde für Medizinprodukte, "Swissmedic" veröffentlicht wurde. (Diese Version ist mittlerweile nicht mehr online.)

Screenshot des Merkblattes des Schweizer BAGs mit unterstrichenen Sätzen, Facebook-Screenshot: 22.09.2020.

In diesem Screenshot werden die beiden entscheidenden Sätze unterstrichen, die aus dem Zusammenhang gerissen werden: "Der Nachweis der Nukleinsäure gibt jedoch keinen Rückschluss auf das Vorhandensein eines infektiösen Erregers. Dies kann nur mittels eines Virusnachweises und einer Vermehrung in der Zellkultur erfolgen."

Was im Volksmund schlicht als Corona-Test bezeichnet wird, heißt fachlich korrekt Polymerase-Ketten-Reaktion, oder kurz: PCR-Test. Weltweit benutzen Gesundheitsbehörden diesen Test zum Nachweis von Coronavirus-Infektionen. Er erkennt das Virus, indem er dessen Spuren, sogenannte Nukleinsäuren, etwa in Rachenabstrichen von Patienten nachweist. Das funktioniert auch, wenn Patienten keine Symptome zeigen und nicht mehr ansteckend sind.

Das wollte das Merkblatt auch aussagen, wie Swissmedic-Sprecher Danièle Bersier per Mail gegenüber AFP erklärt. "Diese Tests können bestimmen, ob die Transmission (Übertragung) des Erregers stattgefunden hat oder nicht", erklärt er. Das Merkblatt habe lediglich zusätzlich darauf hingewiesen, dass der Test nicht nachweisen könne, ob ein Patient zum Zeitpunkt des Tests noch ansteckend ist, oder nicht.

Weil die beiden herausgestellten Sätze aber so oft missverstanden wurden, hat das BAG das Merkblatt in seiner alten Form von der Website genommen. Sprecher Bersier sagt gegenüber AFP: "Es sind zahlreiche Rückfragen zum PCR-Verfahren eingegangen. Da die Passage zu PCR-Tests zu Missverständnissen geführt hat, wurde das Merkblatt sprachlich überarbeitet und am 31.8.2020 ersetzt." Die neue geänderte Fassung steht hier online.

PCR-Tests sind internationaler Standard

Die Schweizer Gesundheitsbehörde weist im selben Merkblatt an anderer Stelle explizit darauf hin, dass mit einem PCR-Test "auf eine SARS-CoV-2 Infektion geschlossen werden" kann. Weiter heißt es: "Mit dieser sehr empfindlichen Methode wird in Patientenproben spezifisch die Nukleinsäure eines Erregers nachgewiesen, was eine Infektion mit dem Erreger belegt." Diese Sätze werden von den Facebook-Postings nicht aufgegriffen.

Auch das deutsche Robert-Koch-Institut (RKI) setzt auf PCR-Tests zur Feststellung von Coronavirus-Infektionen. Auf der Website führt das RKI diese als RT-PCR-Tests auf. Das "RT" (Reverse Transcription) beschreibe einen Zwischenschritt des Tests, bei dem das Labor die Patienten-Proben für den eigentlichen PCR-Test vorbereite, erklärt RKI-Sprecherin Ronja Wenchel per Mail gegenüber AFP. "Da es inzwischen sehr geläufig ist, lassen manche Autoren das "RT-" weg, weil klar ist, dass es sich um einen molekularen Test handelt, der auf PCR, das heißt auf einer Nukleinsäure-Amplifikation basiert." Aktuell seien keine anderen Testtypen in der nationalen Teststrategie der Deutschen Bundesregierung vorgesehen, sagt Wenchel.

Auch in den USA gilt der RT-PCR-Test als "Goldstandard des klinisch-diagnostischen Nachweises von SARS-CoV-2", schreibt das Center for Disease Control and Prevention (CDC) auf seiner Website.

Aber wie zuverlässig weist der PCR-Test Coronaviren im Körper nach? RKI-Sprecherin sagt dazu: "Aufgrund des Funktionsprinzips von RT-PCR-Tests und hohen Qualitätsanforderungen liegt die analytische Spezifität bei korrekter Durchführung und Bewertung bei nahezu 100%."

Irreführende Aussagen zur Genauigkeit von PCR-Tests widerlegte AFP Australien bereits hier. Ähnliche Behauptungen zum Schweizer Merkblatt hat außerdem AFP Philippinen hier widerlegt. 

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