Nein, diese Bilder überführen keine gestellten Corona-Todesfälle

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Auf Facebook verbreiten hunderte User Anfang Dezember eine Bild-Collage, die mehrere Aufnahmen von angeblich inszenierten Corona-Todesfällen zeigt. Als Beweis dafür dient das vermeintlich viel zu leichte Gewicht der Verstorbenen, die Helfer zum Teil mit einer Hand, oder nur mit den Fingerspitzen tragen. Allerdings: Das erste Bild zeigt eine Aktion bei einer Corona-Demonstration, das zweite Bild ist ein Symbolfoto einer Bildagentur, das dritte Foto haben Unbekannte manipulativ zugeschnitten.

Die Fotocollage verbreitet sich seit dem 30. November auf Facebook, rund 640 User haben sie bisher geteilt. Sie zeigt drei Aufnahmen, auf denen Helfer vermeintliche Corona-Opfer abtransportieren. Dabei wird mit Kreisen und einem Lach-Emoji auf ein angeblich viel zu leichtes Gewicht der Toten hingewiesen. User-Kommentare dazu lauten etwa: "Überlegt mal, wie viel Hinterhältigkeit, Falschheit, wie viel abgrundtiefer Menschenhass hinter so einer Inszenierung stecken müssen" oder: "Aus Angst basierende Idiotie".

Facebook-Screenshot: 02.12.2020

Alle drei gezeigten Bilder verbreiten sich einzeln schon länger auf Social Media. Eine Bildersuche nach einzelnen Screenshots aus der Collage führte AFP zu zahlreichen Faktenchecks aus unterschiedlichen Ländern zu jedem einzelnen der Bilder. 

Bild 1

Facebook-Screenshot: 02.12.2020

Hier trägt eine Frau scheinbar mühelos einen Leichensack mit nur einer Hand. Bereits im Juni hatte AFP das Bild überprüft. Auch die Faktencheckportale "Correctiv", "Africa Check" und die Nachrichtenagentur Reuters schrieben darüber. Bereits im Mai 2020 hatte sich die Aufnahme auf Facebook verbreitet

Eine Bilder-Suche führte AFP zu einem spanischen Artikel mit dem Bild. Dieser nennt den Fotografen Christobal Herrera als Quelle. Mit dieser Information fand AFP die Aufnahme im Bildarchiv der europäischen Pressefoto-Agentur (epa) wieder (hier). Herrera hat sie am 27.05 2020 in Miami gemacht. Auch Reuters weist auf ein passendes Video aus der Stadt in Florida hin, das dieselbe Frau zeigt (hier). 

Alle genannten Quellen, auch das Video, sprechen in diesem Zusammenhang unabhängig voneinander von einer symbolischen Beerdigung, bei der Demonstrantinnen und Demonstranten für mehr staatliche Unterstützung und gegen die Wiedereröffnung Floridas trotz Corona-Krise demonstrierten. Auch AFP-Fotografen waren beim Ereignis im Einsatz.

Eine Demonstrierende stellt während eines symbolischen Leichenprozesses der New Florida Majority (NewFM) gegen die Wiedereröffnung Floridas am 27. Mai 2020 in Miami Säcke auf, die Leichen darstellen. (Chandan Khanna / AFP)

Entsprechend befanden sich in den Leichensäcken deshalb keine Toten, weil sie eben nur eine kreative Form des Protests darstellten.

Bild 2

Facebook-Screenshot: 02.12.2020

Beim zweiten Bild handelt es sich um ein Symbolfoto aus dem Bildarchiv "EyeEm". AFP hatte seinen Ursprung bereits im November überprüft. Die Bildagentur "Getty Images" bietet es in seiner Datenbank mit einer EyeEm-Lizenz an. Das Original-Bild hat Fotograf Panyawat Boontan aufgenommen (hier).

Auch dieses Foto teilten Facebook-User damals mit falschem Kontext, etwa hier und hier. In einem Posting aus dem Oktober heißt es etwa: "Ist es für zwei Frauen möglich, den Körper eines Toten zu tragen, der an Covid gestorben ist, oder handelt es sich hier um eine Gummipuppe aus dem Sexshop?"

Die Website von Getty Images belegt eindeutig, dass Zeitungen und Websites das Bild nur in der Kategorie "kreative Fotografie" lizenzieren können, nicht aber als Nachrichten-Bild. AFP hat trotzdem bei EyeEm nachgefragt. Ein Sprecher sagte am 4. November: "Der Fotograf der Aufnahme hat uns bestätigt, dass es sich um eine Symbol-Aufnahme handelt. Sie zeigt bezahlte und angewiesene Fotomodels."

Er erläutert außerdem: "Ein Teil unseres Geschäfts umfasst Stock-Fotografen, die Fotos erstellen, um bestimmte Ereignisse oder Situationen darzustellen. Fotos werden häufig in einer inszenierten Anordnung erstellt, um zu vermeiden, dass echte Personen oder Orte in den Bildern gezeigt werden müssen. Vielen Unternehmen und Medien weltweit verwenden solche Bilder häufig, um bestimmte Ereignisse oder Situationen zu visualisieren. Sie sollen keine falsche Realität vermitteln."

Auch Bild 2 zeigt also keine als echt verkaufte Szene, um falsche Tote in der Pandemie darzustellen, sondern ein Symbolbild aus einem Bildarchiv

Bild 3

Facebook-Screenshot: 02.12.2020

Auch das dritte Bild, das einen mit wenigen Fingern getragenen Sarg zeigt, tauchte bereits im Mai auf. Damals hatten es die brasilianischen Faktencheck-Plattform "Lupa" und das brasilianische Magazin "Extra" überprüft.

Die Aufnahme zeigt demnach tatsächlich die Beerdigung eines Opfers von Covid-19 im April 2020. "Extra" belegt das mit mehreren Bildern des Ereignisses, die eindeutig dieselben Personen zeigen. Darunter ist auch ein größerer Ausschnitt der aktuell kursierenden Finger-Aufnahme.

Screenshot "Extra": 02.12.2020

Die Checks nennen auch den Fotografen des Bildes, Edmar Barros, und die brasilianische Nachrichtenagentur "Folhapress" als Quelle. AFP konnte das Bild mithilfe dieser Namen in der Datenbank der Fotoagentur wiederfinden (hier). Auch sie zeigt den größeren Ausschnitt, den Namen des Fotografen und sie bestätigt den Kontext des Fotos: Eine Beerdigung am 15. April in Manaus im Nordwesten Brasiliens.  

Das Originalfoto beweist, dass es sich bei der gerade verbreiteten Version um eine stark geschnittene Aufnahme handelt. Wichtige Informationen fehlen darauf: Der Mann trägt den Sarg nicht alleine, sondern zusammen mit zwei anderen Männern. Außerdem stützen die Träger ihn eindeutig auf einem Tisch zusätzlich ab.

AFP hat auch den Fotografen über Twitter kontaktiert. Am 2. Dezember schrieb er: "Ich habe das Foto vom Sarg gemacht. Er wird von einer Metallkonstruktion gestützt, die dazu diente, dass sich Familienmitglieder vor der Beerdigung verabschieden konnten. Leider ist um das Foto herum eine Fake News entstanden, wonach der Sarg leer gewesen sei."

Der Sarg war aber weder leer, noch handelte es sich um eine Attrappe oder sonstigen Fake, den der Mann mit wenigen Fingern tragen konnte.

Fazit

Alle drei gezeigten Bilder wurden aus dem Kontext gerissen. Das erste Bild zeigt eine Demo in der Corona-Zeit. Das zweite Bild ist ein professionell aufgenommenes und ursprünglich klar als solches kenntlich gemachtes Symbolbild. Das dritte Foto haben Unbekannte so zugeschnitten, dass wichtige Informationen fehlen.

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