Dieser Clip eines britischen Soldaten, der einen Polizisten anschreit, ist KI-generiert

Der britische Premierminister Keir Starmer verschärfte die Migrationspolitik Großbritanniens. Im Dezember 2025 verbreiteten Userinnen und User ein Video auf sozialen Plattformen, das angeblich einen britischen Soldaten zeigt, wie er einen Polizeibeamten anschreit, dieser würde die Verbrechen von "Eindringlingen" ignorieren. Im Clip sind jedoch Elemente zu sehen, die darauf hindeuten, dass er mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurde. Das bestätigten mehrere Fachleute.

"Ein britischer Soldat schreit einem Polizisten ins Gesicht, was alle denken", lautet ein X-Post von Alina Lipp am 8. Dezember 2025, in dem sie einen 15-sekündigen Clip teilte. Darin gestikuliert ein junger Soldat mit erhobenem Zeigefinger: "Ich habe mein Leben geopfert, um die Freiheit dieses Landes und seine Meinungsfreiheit zu sichern." Wütend schreit er weiter: "Und jetzt verhaften Sie Menschen wegen ihrer Worte, während Sie die Augen vor den Verbrechen von Eindringlingen verschließen." Währenddessen scheint sich der Polizist kaum zu rühren. "Sie sind eine Schande für Ihre Uniform und eine Beleidigung für meine", ist im Video schließlich zu hören.

Der Clip samt der Behauptung kursierte auch auf Englisch, Französisch, Griechisch, Niederländisch, Spanisch, Schwedisch und Ungarisch sowie auf weiteren Plattformen wie Telegram

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Facebook- und Telegram-Screenshots der Behauptung, rote Kreuze von AFP hinzugefügt: 2. Januar 2026

Doch die Szene ereignete sich nicht wirklich.

Der Clip ist KI-generiert

Das Video enthält mehrere visuelle Hinweise, dass dieses mittels Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurde.

Bereits die ersten Sekunden des Videos weisen deutliche Unstimmigkeiten auf. So wechselt ein Bus, der zu Beginn des Clips hinter dem Soldaten fährt, seine Farbe von Rot zu Weiß, bevor er hinter der Häuserzeile rechts im Bild verschwindet. Der Umriss der Baskenmütze des Soldaten verändert sich im Laufe des Kurzclips. Auch die Zähne des Soldaten verschwimmen ineinander.

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Vergleich zweier Screenshots des Clips; lila, gelbe und dunkelblaue Markierungen sowie das rote Kreuz wurden von AFP hinzugefügt: 5. Januar 2026

Die schlechte Qualität des Videos kann nicht verbergen, dass manche Formen undeutlich sind. Etwa eine Gebäudespitze und einige Fenster sind verschwommen. Der blaue Eingangsbereich eines Geschäfts rechts im Bild scheint sich mit der Uniform des Polizisten zu verblenden.

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Tiktok-Screenshot der Behauptung; rosa und türkise Markierungen sowie das rote Kreuz von AFP hinzugefügt: 5. Januar 2026

Abgesehen davon scheint unnatürlich, dass der Soldat nicht blinzelt. Zudem wirkt die Haltung des Polizisten auffällig statisch.

AFP fand mittels Stichwortsuche zudem keine seriösen Berichte, die einen solchen Vorfall dokumentieren würden.

Experten und Tools bestätigen KI-Erstellung

Javier Huertas sagte gegenüber AFP am 4. November 2025, dass eine schlechte Videoqualität "Details verdecke", welche die KI-Erstellung eines Clips "leicht entlarven" würden. Den Experten für Sprachverarbeitung und Deep Learning an der Polytechnischen Universität Madrid kontaktierte AFP bereits für einen früheren Faktencheck.

Auch Siwei Lyu, Direktor des Media Forensics Laboratory der Universität Buffalo, bestätigte gegenüber AFP am 26. Dezember 2025, dass das Video Anzeichen dafür aufweise, dass es mit dem generativen Tool Sora 2 erstellt worden sei. "Es zeigt unnatürliche Gesichtsausdrücke ohne Blinzeln und sich wiederholende Namensschilder auf der Uniform", sagte Lyu. Hinzu würden Fehler im Hintergrund kommen: "Die Fußgänger scheinen zu schweben oder abrupt zu verschwinden, und der rote Bus ändert seine Form und Farbe."

Die Faktencheck-Organisation Fullfact berichtete am 18. Dezember 2025, das US-amerikanische KI-Unternehmen OpenAI habe ihr mitgeteilt, dass es "das Video untersucht und Maßnahmen in Bezug auf seine Text-zu-Video-App Sora ergriffen habe, darunter auch die Sperrung des Nutzers, der das Video erstellt hatte". Die Dauer des geteilten Clips – 15 Sekunden – ist ein Hinweis darauf, dass er mit der App Sora 2 erstellt wurde, das Logo aber nachträglich herausgeschnitten wurde, wie ein Experte im selben Artikel sagte. AFP widerlegte mehrere KI-erstellte Videos, die ungefähr zehn bis 15 Sekunden lang waren, also die typische Länge von mit Sora 2 erstellten Clips betrugen.

Darüber hinaus gab Hive Moderation, ein Tool zur Erkennung von KI-generierten Inhalten und Deepfakes, an, dass der Clip mit einer Wahrscheinlichkeit von 97,3 Prozent mit KI erstellt wurde.

Auch die Tonspur ist laut einer Analyse mit dem KI-Erkennungstool Hiya der Verifizierungssoftware InVID WeVerify, an dessen Entwicklung AFP beteiligt ist, mit einer Wahrscheinlichkeit von 96 Prozent synthetisch.

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Eine Analyse der Audiospur ergab eine 96-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass sie mithilfe von KI erstellt wurde: 2. Januar 2026

Ähnlich fiel eine Untersuchung mit Deepfake Total aus, einer weiteren Anwendung zur Erkennung von KI-generierten Tonspuren des Fraunhofer-Instituts für Angewandte und Integrierte Sicherheit. Diese ergab eine Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent, dass die Tonspur KI-generiert ist.

Clip auf bekannten Accounts geteilt

Der im geteilten Clip sichtbare Tiktok-Nutzername @defendbritain3 führt zu einem Account, der häufig patriotische und KI-generierte Inhalte veröffentlicht. Seit der Veröffentlichung des Videos mit der Falschbehauptung am 30. November 2025 wurde es mehr als 551.000 Mal angesehen und tausendfach geteilt.

Im Clip ist ebenso das Logo einer Facebook-Seite mit dem Namen "UK Mode" zu sehen, die häufig KI-Inhalte verbreitet. Außerdem wird in vielen Versionen des Clips der Nutzername @JimFergusonUK eingeblendet. Ferguson kandidierte ehemals für die Brexit-Partei für das britische Parlament. Er teilte den Clip am 5. Dezember 2025 und räumte später ein: "Manche sagen, es ist KI".

Die prorussische Bloggerin Alina Lipp, die den Clip auf Deutsch verbreitete, wurde von der Europäischen Union wegen "destabilisierenden Aktivitäten gegen die EU" sanktioniert und fiel AFP bereits mit der Verbreitung von unzutreffenden Behauptungen auf. Ein weiterer X-Nutzer, Daniel Gugger, schrieb über das Video auf X, dass der Soldat "für Millionen" sprechen würde. Gugger fiel in der Vergangenheit damit auf, Falschinformationen zu teilen, die der russischen Desinformationskampagne "Storm-1516" zugeschrieben wurden. AFP widerlegte bereits von ihm geteilte Behauptungen

Großbritannien hat seine Migrationspolitik unter Premierminister Keir Starmer erheblich verschärft. Mitte November 2025 stellte die britische Regierung Pläne vor, wonach etwa staatliche Leistungen für Migrantinnen und Migranten eingeschränkt werden sollen. In sozialen Netzwerken wurden Falschnachrichten verbreitet, die als Grundlage für negative Kommentare gegen Einwanderinnen und Einwanderer dienten und die AFP richtigstellte.

Fazit: Ende 2025 machte ein Video online die Runde, das angeblich einen britischen Soldaten zeigt, wie er einen Polizeibeamten anschreit, weil er die Verbrechen von "Eindringlingen" vertuschen würde. Doch der Clip weist mehrere Elemente einer KI-Erstellung auf, wie Analysetools sowie mehrere Fachleute bestätigten.

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