Angriff auf Zugbegleiter: Falsche Angaben über Herkunft des Täters kursieren in sozialen Medien

Am 2. Februar 2026 griff ein 26-jähriger griechischer Staatsbürger einen Zugbegleiter in einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz tödlich an. Nach der Tat kursierten online Falschinformationen über die Identität des Verdächtigen. So wurde fälschlich behauptet, er wäre Syrer, der die griechische Staatsbürgerschaft erworben hätte, und sein Name wäre Mohammed al-Bachir oder Mustafa Aslan. Die zuständige Staatsanwaltschaft dementierte jedoch beide Falschbehauptungen. Ihren Ursprung haben sie möglicherweise in einem Leserkommentar einer Münchner Zeitung.

Durchschnittlich fünf Deutsche Bahn-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter pro Tag wurden laut Bundesinnenministerium in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 während ihrer Arbeit körperlich angegriffen.

Der 36-jährige Zugbegleiter, der am 2. Februar 2026 während einer routinemäßigen Fahrkartenkontrolle in einem Zug in der Nähe der Stadt Landstuhl bei Kaiserslautern angegriffen wurde, starb einen Tag später im Krankenhaus an einer Hirnblutung infolge stumpfer Gewalt gegen den Kopf. Der mutmaßliche Täter ist laut zuständiger Staatsanwaltschaft ein 26-jähriger Grieche. Für den 13. Februar 2026 lud die Deutsche Bahn in Reaktion auf die Tat zu einem Sicherheitsgipfel ein, zu dem auch Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) erwartet wurde. Unter anderem will die Bahn ihren Zugbegleiterinnen und -begleitern Bodycams zur Verfügung stellen, die sie freiwillig nutzen können. Auch das Personal der DB Sicherheit soll aufgestockt werden.

Nach dem tödlichen Angriff kursierten in sozialen Medien Falschinformationen über die Herkunft des Tatverdächtigen. 

"Der 'mutmaßliche' Täter war kein Grieche sondern Syrer der in GR einen griechischen Vorläufigen EU-...", ist in einem Screenshot unter der Überschrift zu einem Artikel der "Abendzeitung München" über den Angriff auf den Zugbegleiter unvollständig zu lesen, der am 6. Februar 2026 auf X geteilt wurde.

Auf Facebook wurde die Behauptung ebenfalls vielfach verbreitet – teils mit dem Screenshot und teils ohne. Auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Kay-Uwe Ziegler und eine AfD-Ortsgruppe aus Sachsen-Anhalt zogen in Zweifel, ob der Tatverdächtige tatsächlich Grieche ist.

Zahlreiche griechische Nutzerinnen und Nutzer verbreiteten die Behauptung ebenfalls. Außerdem posteten sie Beiträge mit dem mutmaßlichen Namen des Tatverdächtigen, der mal Mohammed al-Bachir und mal Mustafa Aslan lauten sollte. 

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X-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 12. Februar 2026

Die Behauptungen über die Herkunft sowie über den Namen des mutmaßlichen Täters sind jedoch falsch.

Staatsanwalt dementierte die Behauptung

AFP und viele Medien in Deutschland berichteten über den Angriff. Auch in Griechenland war die Tat Gegenstand der Berichterstattung. Demnach ist der Tatverdächtige griechischer Staatsbürger, der eigenen Angaben zufolge in Luxemburg lebt. Die Meldungen erwähnen hingegen keine angebliche syrische Herkunft des Tatverdächtigen. 

Auf AFP-Anfrage dementierte die zuständige Staatsanwaltschaft Zweibrücken am 9. Februar 2026 die Behauptung, der 26-jährige mutmaßliche Täter sei syrischer Herkunft und hätte die griechische Staatsbürgerschaft später erhalten. 

"Bei dem Beschuldigten handelt es sich nach allen bisher vorliegenden Erkenntnissen um einen in Griechenland geborenen griechischen Staatsbürger", erklärte ein Sprecher und fügte hinzu, er könne "ebenso das Gerücht dementieren, bei dem Beschuldigten handele es sich um einen gebürtigen Syrer, der erst nachträglich die griechische Staatsbürgerschaft erworben habe". 

Der Sprecher wies auch die Behauptungen über den angeblichen Namen des Tatverdächtigen zurück: Dass der mutmaßliche Täter Mohammed al-Bachir oder Mustafa Aslan heiße, "kann ich ausdrücklich dementieren". Weitere Angaben zu dem Tatverdächtigen könne die Staatsanwaltschaft zum Zeitpunkt der Auskunft nicht machen, erklärte deren Sprecher. Auf AFP-Anfrage verwies die zuständige Polizeidirektion für Informationen zu diesem Fall auf die Staatsanwaltschaft.

Die bis zur Veröffentlichung dieses Faktenchecks letzte von der Staatsanwaltschaft herausgegebene Pressemitteilung stammt vom 4. Februar 2026. Auch darin wird der Tatverdächtige wie in den Medienberichten als 26-jähriger griechischer Staatsangehöriger beschrieben, der seiner Auskunft nach in Luxemburg lebt. Von einer syrischen Herkunft ist hier ebenfalls keine Rede.

Auf den Namen Mohammed al-Bachir, der in einigen griechischsprachigen Beiträgen als Name des Tatverdächtigen genannt wird, hört ein syrischer Politiker und Ingenieur, der von Dezember 2024 bis Ende März 2025 zum Chef der syrischen Übergangsregierung ernannt wurde.

Falschinfo stammt womöglich von Leserkommentar

Viele Nutzerinnen und Nutzer teilten die Falschbehauptung mit einem Screenshot einer bearbeiteten Vorschau eines Artikels der "Abendzeitung München" ("AZ").

Die Überschrift des Artikels lautet "Trauriger Anlass: Darum wird es heute um 15 Uhr an Münchens Hauptbahnhof still" und wurde am 4. Februar 2026 veröffentlicht. Der eigentliche Vorspann des Artikels lautet: "Die Deutsche Bahn möchte am Mittwochnachmittag eine bundesweite Schweigeminute an Bahnhöfen und in Zügen abhalten. Anlass ist der tragische Tod eines Bahnmitarbeiters."

In dem online geteilten Screenshot lautet die Vorschau unter der Überschrift jedoch: "Der 'mutmaßliche' Täter war kein Grieche sondern Syrer der in GR einen griechischen Vorläufigen EU-..." – der Satz wird nicht vollständig angezeigt.

Der X-Beitrag ist mit einer Community Note versehen, die darauf hinweist, dass der Screenshot "ein zusammengeschnittenes Bild aus der Überschrift und einem privaten User-Kommentar unter dem Artikel" sei. "Im Artikel selbst steht davon nichts. Es gibt bisher keine Anhaltspunkte, dass der Täter kein Grieche war."

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X-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz und gelbe Hervorhebung von AFP hinzugefügt: 12. Februar 2026

AFP fand den Satz in der angeblichen Artikelvorschau in den Leserkommentaren unter dem Artikel der "AZ". Die Zeitung selbst hatte keine solche Behauptung in dem Artikel aufgestellt.

Die "AZ" hat die Kommentarfunktion unter dem Artikel inzwischen geschlossen und schreibt dazu: "Wegen Verstößen gegen die Netiquette hat die Redaktion sich dazu entschlossen, die Kommentarfunktion unter diesem Artikel zu schließen." AFP fand jedoch eine archivierte Version des Artikels, worin der Kommentar noch sichtbar ist.

Der vollständige Leserkommentar lautet: "Der 'mutmaßliche' Täter war kein Grieche sondern ein Syrer der in GR einen griechischen Vorläufigen EU - Pass erhielt. Leute, ihr habt doch Internet, vergesst die ÖRR Sender, die belügen euch wie die CDU/CSU Politiker." 

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Screenshot des archivierten "AZ"-Artikels, rote Hervorhebung des Leserkommentars von AFP hinzugefügt: 11. Februar 2026

Am 7. Februar 2026 veröffentlichte die "AZ" einen zusätzlichen Artikel, in dem der online kursierende Screenshot als "manipulierter AZ-Teaser" bezeichnet wird. "Wir sehen uns daher zu einer Stellungnahme verpflichtet, um die Leserinnen und Leser der AZ auf diese Falschinformation hinzuweisen", schrieb die Redaktion.

Die Zeitung erklärte, dass in sozialen Medien "ein gefälschter Teaser" mit der Behauptung, "der Tatverdächtige sei kein Grieche, sondern Syrer", geteilt wurde. Die "AZ" betonte, dass der Screenshot "einen Teaser der Abendzeitung nachweislich verfälscht darstellt" und betonte, dass die Behauptung aus einem Leserkommentar stammte und nicht Teil der Berichterstattung der Zeitung war.

AFP sammelt weitere Faktenchecks zum Thema Migration auf der Website.

Fazit: Die Behauptung, der Tatverdächtige, der Anfang Februar 2026 einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz tödlich attackierte, sei Syrer, entbehrt jeder Grundlage. Die zuständige Staatsanwaltschaft erklärte, dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Griechen handelt, der nicht aus Syrien stammt. Ein Screenshot eines Artikels, der möglicherweise der Ursprung der Falschbehauptung ist, wurde mit einem Leserkommentar zusammengeschnitten.

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