Dieses Video eines weinenden Lehrers in Frankreich ist KI-generiert
- Veröffentlicht am 19. Februar 2026 um 11:31
- 3 Minuten Lesezeit
- Von: Magdalini GKOGKOU, AFP Griechenland
- Übersetzung und Adaptierung: Johanna LEHN, AFP Deutschland
Am 3. Februar 2026 stach ein Schüler in Südfrankreich auf seine 60-jährige Kunstlehrerin ein. Anschließend kursierte online ein Video eines Lehrers, der scheinbar von migrantischen Schülerinnen und Schülern zum Weinen gebracht wird. Das Video ist jedoch unecht: Visuelle Unstimmigkeiten zeigen, dass es mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurde. Es stammt von einem Account, auf dem zahlreiche KI-generierte migrationsfeindliche Videos veröffentlicht werden.
"Dieser Lehrer in Frankreich ist buchstäblich am Ende seiner Kräfte! Ausländische Kinder filmen ihn und lachen ihn aus, während er weint!", lautet die Beschreibung eines Videos in einem Telegram-Beitrag vom 6. Februar 2026.
Der 17-sekündige Clip zeigt einen älteren weinenden Mann in einem Klassenzimmer. Um ihn herum stehen Kinder – einige von ihnen lachen und sagen auf Französisch: "Er weint." Im Video ist außerdem auf Französisch zu lesen: "Herr Morel beginnt zu weinen."
Das Video wurde auch auf Facebook und X geteilt sowie auf verschiedenen Sprachen wie Englisch, Griechisch, Tschechisch und Ungarisch.
In Frankreich kam es zu einer Reihe von Vorfällen, bei denen Schülerinnen und Schüler gewalttätig gegenüber Lehrkräften oder Mitschülerinnen und -Mitschülern geworden sind. Zuletzt verübte ein 14-Jähriger einen Messerangriff in Sanary-sur-Mer im Südosten Frankreichs auf seine 60-jährige Kunstlehrerin. Einen Tag nach dem Angriff, am 4. Februar 2026, teilte die örtliche Staatsanwaltschaft mit, dass der Schüler wegen des Verdachts des versuchten Mordes festgenommen worden sei und dass zu dem Zeitpunkt keine religiösen oder politischen Motive bekannt gewesen seien.
Das online geteilte Video des weinenden Lehrers zeigt jedoch keine echte Begebenheit: Es wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) generiert.
Ursprung ist Tiktok-Account mit KI-Videos
Die früheste Version des Videos, die AFP durch eine umgekehrte Bildsuche mit Standbildern des Clips finden konnte, ist ein Tiktok-Video auf einem französischsprachigen Account namens frenchi.a, das am 31. Januar 2026 veröffentlicht wurde.
Obwohl die Videos auf dem Tiktok-Account nicht als KI-generiert gekennzeichnet sind, gibt es einen Hinweis im Benutzernamen: Die letzten beiden Buchstaben "i.a" sind die französische Abkürzung für Künstliche Intelligenz (intelligence artificielle).
Ein Blick auf den Account zeigt, dass darauf regelmäßig Videos von Schülerinnen und Schülern mit mutmaßlich migrantischem Hintergrund veröffentlicht werden, die ihre Lehrkräfte "mobben". Darunter sind auch Clips von weinenden Lehrerinnen und Lehrern, die dem online geteilten Clip mit Herrn Morel ähneln, sowie andere offenbar KI-generierte Videos.
Viele dieser Clips sind etwa 15 Sekunden lang – eine typische Länge für KI-generierte Inhalte, da kostenlose Versionen von Erstellungstools in der Regel nicht in der Lage sind, große, zusammenhängende Sequenzen zu produzieren.
AFP hat außerdem visuelle Unstimmigkeiten in einer Version des Videos mit höherer Auflösung feststellen können. So scheint es zu Beginn des Clips, als würde die Hand des Lehrers durch den blauen Ordner hindurchreichen, den er in der Hand hält.
Das Gesicht eines angeblichen Schülers im Hintergrund erscheint für einen Moment verzerrt. Ein anderer Schüler hält ein Smartphone in der Hand und scheint damit die Szene zu filmen. Auf dem Bildschirm ist jedoch hauptsächlich eine weiße Wand zu sehen, während aufgrund der Ausrichtung des Smartphones der Lehrer oder der Tisch darauf erscheinen müssten.
Außerdem sind auf der linken Seite des Videos zu viele Beine für die Anzahl der Stühle und Tische zu sehen. In der unteren rechten Ecke scheint eine horizontale Stange aus dem Tischbein zu ragen, deren Ausrichtung jedoch vom Tisch wegführt und keinen Sinn ergibt.
AFP stellte in einem Übersichtsartikel Tipps zum Erkennen von KI-generierten Inhalten zusammen. Auf Französisch hat AFP zuvor auch eine Reihe von KI-Videos überprüft, in denen Lehrer angeblich ihre Schüler dazu ermutigen, mithilfe von KI zu betrügen.
Weitere Faktenchecks, die sich mit KI beschäftigen, sammelt AFP auf der Website.
Fazit: Ein Video eines weinenden Lehrers in Frankreich, der angeblich von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund ausgelacht wird, ist KI-generiert. Mehrere visuelle Unstimmigkeiten enttarnen das Video als unecht. Außerdem stammt es von einem Tiktok-Account, auf dem regelmäßig KI-generierte Inhalte von ähnlichen Szenen veröffentlicht werden.
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