Dieses Video stammt von einem Musikvideo-Dreh in Russland im Jahr 2020

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Hunderte User haben Mitte März 2022 ein Video auf Facebook geteilt, in dem ein Mann in einem Leichensack zu sehen ist. Er liegt auf der Ladefläche eines Lastwagens und raucht. Die User sehen darin den Beweis für die angebliche Inszenierung von russischen Toten in der Ukraine. Das Video stammt allerdings ursprünglich aus dem Jahr 2020 aus Russland. Der Lastwagen mit den Leichensäcken ist Teil eines Rapvideos und hat nichts mit dem Krieg in der Ukraine zutun.

Hunderte Facebook-Nutzerinnen und Nutzer haben das angebliche Propaganda-Video im März 2022 geteilt. User haben die Behauptung auch in anderen Sprachen geteilt, etwa auf Chinesisch, Englisch, Spanisch und Französisch.

Die Behauptung: In dem geteilten Video ist ein Lastwagen zu sehen, auf dessen Ladefläche zahlreiche Leichensäcke liegen. Einer der Leichensäcke ist nicht geschlossen. Darin befindet sich ein Mann und raucht. Ein Facebook-User teilt dieses Video mit den Worten: "Im Video die neueste Ukraine-Propaganda: 'Tausende toter Russen'."

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 22.03.2022

Seit der russischen Invasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 kursieren zahlreiche Falschinformationen über den Krieg. In deutsche Medien (hier, hier) ist deshalb auch von einem "Informationskrieg" die Rede. AFP sammelt Faktenchecks zu falschen oder irreführenden Behauptungen im Kontext des Ukraine-Kriegs hier. Auch die aktuell geteilte Behauptung reiht sich hier ein.

Woher stammt das Video?

Bereits im März 2021 verbreiteten User das Video als Beweis für angeblich überführte gefälschte Corona-Tote. AFP hat damals bereits den Ursprung des Videos überprüft.

Eine Wassermarke auf dem damals verbreiteten Clip, die in den aktuell verbreiteten Videos oftmals fehlt, führte AFP zum Tiktok-Account eines Users namens Vasa Ivanov, der das Video dort bereits am 28. März 2021 veröffentlicht hatte. Der Lastwagen mit den Plastiksäcken, der rauchende Mann und die Umgebung aus dem Tiktok-Video stimmen genauso mit dem aktuell verbreiteten Video überein wie die Musik des Videos.

Screenshots aus dem aktuell verbreiteten Facebook-Video (links) und dem älteren TikTok-Video (rechts): 23.03.2022

Ivanov beschreibt das Video auf Tiktok auf Russisch als Aufnahme von Dreharbeiten für ein Musikvideo des Rappers Husky. Husky, mit bürgerlichem Namen Dmitri Kusnezow, ist einer der bekanntesten Rapper Russlands. Ivanov bezeichnet sich in seinem TikTok- sowie Instagramprofil als Art Director und Designer. Im Abspann des Musikvideos ist er als Produktionsdesigner aufgeführt. Die Musikerkennungssoftware "Shazam" erkennt das Lied des Videos ebenfalls als Rapsong des russischen Musikers mit dem Titel "никогда-нибудь" (Deutsch: Niemals).

Ivanov hat ein Video mit dem Titel "Husky – Never Ever" am 26. November 2020 auf seinem Vimeo-Account gepostet. Der rauchende Mann auf dem Lastwagen ist in dem Video zwar nicht zu sehen, aber der orange Lastwagen mit den Plastiksäcken und die Wandstruktur im Hintergrund stimmen überein.

In seinen Instagram-Highlights verlinkt Ivanov zahlreiche Eindrücke vom Videodreh. Die Szene des rauchenden Mannes im Leichensack kommt dort vor.

Screenshots aus dem Facebook-Video (links) und dem Musikvideo (rechts): 23.03.2022

Die russische Nachrichtenseite ren.tv berichtete am 4. September 2020 ebenfalls über die Dreharbeiten, bei denen in Säcken verpackten Körper verwendet wurden. Eine Suche auf Google Maps nach Details aus dem Video bestätigte, dass es sich beim Aufnahmeort um Moskau handelt.

Im Musikvideo steht ein Mann nach einer Schießerei in einer Halle inmitten von Leichen. Im Laufe des Liedes schweißt der Mann die Leichen in schwarze Müllsäcke ein und lässt sie an einem Seil baumelnd der Reihe nach über die Fassade eines Hochhauses abseilen, von wo aus sie in den Lastwagen fallen, der auch im aktuell geteilten vermeintlichen Ukraine-Clip zu sehen ist. Mit dem aktuellen Krieg in der Ukraine hat das Lied aber nichts zu tun.

Fazit: Die Behauptung, das auf Facebook geteilte Video sei aktuell in der Ukraine aufgenommen worden und zeige zur Propaganda inszenierte russische Tote, ist falsch. Das Video wurde 2020 in Moskau gedreht. Zu sehen sind Dreharbeiten zu einem russischen Rap-Musikvideo.

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