Dieses Video zeigt eine Sicherheitsspritze, keine gestellte Impfung

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Zehntausende Nutzerinnen und Nutzer haben seit Dezember ein Video einer vermeintlichen Fake-Impfung auf Facebook geteilt. Darauf zu sehen ist eine vermeintlich verschwundene Nadel. Die Krankenschwester verwendet allerdings eine Sicherheitsspritze, bei der die Nadel nach der Impfung in den Körper der Spritze zurückschnellt, um Verletzungen zu vermeiden.

Seit dem 22. Dezember haben auf Facebook mehr als 21.000 Menschen ein Video geteilt, das eine vermeintliche Fake-Impfung zeigen soll. Dazu schreibt ein Nutzer etwa: "Die NADEL bleibt also auch im Körper." Ähnliche Videos, die sich bereits wenige Tage zuvor auf Facebook verbreitet hatten, teilten Nutzerinnen und Nutzern ebenfalls hundertfach. Ein Posting beschreibt die Aufnahme so: "Die nächste Fake-'Impfung' Erst ist die Nadel da, nach der Injektion ist sie auf wundersame Weise verschwunden. Lasst euch nicht täuschen, sie belügen uns jeden Tag!"

Facebook-Screenshot: 05.01.2021

In einem der Beiträge auf Facebook ist im Video zusätzlich zur kurzen Impfszene noch ein weiteres Detail zu sehen: Die Programmeinblendung von BBC News vom 16. Dezember. Mit dieser Information suchte AFP auf Google nach dem Video und fand einen Faktencheck der BBC zum Video. Das verwendete Filmmaterial ist demnach zwar echt und stammt von BBC, es sei allerdings als Beweis für falsche Corona-Impfungen nicht aussagekräftig. Im Video würde nämlich keine "verschwindende" Nadel gezeigt, sondern eine Sicherheitsspritze. Wo die Impfszene stattgefunden hat, erklärt der BBC-Artikel aber nicht.

AFP hat deshalb am 29. Dezember einen der Autoren des Faktenchecks kontaktiert und nach dem Ursprung des Videomaterials gefragt. BBC-Journalist Jack Goodman schrieb, dass das Material aus einem Video-Pool stamme, der genaue Ort sei unbekannt. In einem sogenannten Pool verwenden Medienhäuser manchmal gemeinsam Foto- oder Filmaufnahmen. Er verwies außerdem auf einen Tweet eines Kollegen, der einen längeren Ausschnitt des Video-Berichts enthält. In diesem längeren Bericht fällt der Name "Donald Trump". AFP fand mit dieser Information des US-Kontextes das Original-Video auf dem Youtube-Kanal von BBC wieder.

In dieser längeren Version des BBC-Youtube-Videos wird noch ein weiteres Detail sichtbar: Ein Logo auf einem Computerbildschirm im Hintergrund. Er trägt die Aufschrift "Hartford HealthCare". Die Heartford HealthCare-Gruppe betreibt unter anderem Krankenhäuser im US-Bundesstaat Connecticut. Das Logo des Unternehmens (ohne Schriftzug) trägt auch die impfende Krankenschwester im aktuell geteilten Video auf ihrer Arbeitskleidung (siehe Foto oben).

Screenshot aus dem BBC-Video, Hervorhebung durch AFP: 08.01.2021

AFP kontaktierte daraufhin Hartford HealthCare. Eine Sprecherin sagte am 6. Januar telefonisch, dass die Bilder aus dem Backus Krankenhaus in Norwich im US-Bundesstaat Connecticut vom 15. Dezember stammten. An diesem Tag erhielten Angestellte des Krankenhauses ihre erste Dosis der Corona-Impfung, zahlreiche Medien berichteten darüber (hier oder hier). Auch AFP war vor Ort und hat Fotos von den Impfungen aufgenommen, die die Nadel deutlich zeigt.

Impfung im Backus Krankenhaus am 15. Dezember 2020 (AFP / Joseph Prezioso)

Nach Rücksprache mit Eric Arlia, dem Leiter der Krankenhausapotheken von Hartford HealthCare, schrieb die Sprecherin am 6. Januar außerdem, dass der Krankenhausverbund tatsächlich einziehbare Sicherheitsspritze verwende.

Ein Erklärvideo eines der Hersteller von solchen Spritzen zeigt, dass sich die Nadeln solcher Spritzen sofort wieder ins Innere der Spritze zurückziehen, um Verletzungen zu vermeiden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, Spritzen zu verwenden, die vor versehentlichen Nadelstichen schützen.

Fazit: Das Filmmaterial aus den aktuell geteilten Facebook-Beiträgen ist echt. Es zeigt aber keine Fake-Impfung, bei der die Nadel im Körper bleibt, sondern eine Corona-Impfung im Dezember in den USA mit einer speziellen Sicherheitsspritze. Bei dieser zieht sich die Nadel ins Gehäuse der Spritze zurück, um so Verletzungen vorzubeugen.

Es gibt immer wieder Falschmeldungen zu Spritzen mit Sicherheitsmechanismen, die AFP etwa hier widerlegt hat.

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