A stadium staff member disinfects the posts against the novel coronavirus Covid-19 at half time during the Super Rugby Unlocked match between the Emirates Lions and the Vodacom Bulls at Emirates Airlines Park stadium in Johannesburg, on November 7, 2020. (Photo by Christiaan Kotze / AFP) (AFP / Christiaan Kotze)

Die Coronavirus-Variante B.1.351 führte in Südafrika zu strengen Schutzmaßnahmen

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Tausende Facebook-User haben seit Mitte Februar eine Behauptung geteilt, wonach die neue Coronavirus-Variante B.1.351 in Südafrika unbekannt sei. Außerdem gebe es dort kaum einschränkende Maßnahmen und keine Medienberichte über die Mutation, heißt es weiter. Die Virusvariante ist in Südafrika allerdings sehr wohl unter dem Namen "501.V2" bekannt und führte nach einer großen Ansteckungswelle zu strengen Eindämmungsmaßnahmen im Land, über welche südafrikanische Medien berichteten.

Seit dem 11. Februar 2021 kursieren auf Facebook Postings mit der Behauptung zu der Mutation. Teilweise teilen sie einen Link zur Talkshow "Fellner! Live" des österreichischen Privatsenders OE24.TV vom 10. Februar (hier, hier, hier) . Darin behauptete Peter Westenthaler, ehemaliger Politiker der rechtspopulistischen BZÖ, dass seine persönlichen Kontakte in Südafrika noch nie von der Mutation gehört hätten. Ein Bekannter habe gesagt: "Wir haben die geringsten Infektionszahlen seit Wochen. Bei uns ist alles offen – Hotels, Restaurants bis 22 Uhr, Handel, alles. (...) Und wir haben die Empfehlung, Masken tragen zu müssen." Abschließend fragt Westenthaler: "Was erzählt man uns in diesem Land eigentlich von einem Südafrika-Virus, den es offenbar nicht gibt?"

In den Facebook-Postings heißt es dazu in Großbuchstaben: "Südafrikavirus-Lüge entlarvt" und "Fellner Live entlarvt die Lüge der Virusmutation am Beispiel Südafrika. Alles offen und nur Empfehlung für Masken. Damit lässt sich bei uns aber keine Angst machen. Da bringt der Mainstream lieber FakeNews."

Auf Telegram erreichte das Westenthaler-Interview mehr als 200.000 Menschen (hier, hier und hier). Eine weitere Version ohne Link verbreitet sich seit dem 23. Februar tausendfach hier.

Auch Michael Spitzbart, ein prominenter Corona-Kritiker, der auf Alternativmedizin spezialisiert ist, sprang am 23. Februar mit einem eigenen Posting auf das Thema auf. Zahlreiche seiner früheren Behauptungen wurden bereits in anderen Faktenchecks widerlegt (etwa hier, hier und hier). Sein aktuelles Posting haben rund 2200 Menschen bisher geteilt. Darin behauptet Spitzbart:

"Man kann wegen weniger Fälle das gesamte Bundesland Tirol zusperren – Oder aber alles offen lassen wie in Südafrika selbst. In Südafrika besteht zwar weiterhin Maskenpflicht, doch ansonsten ist B.1.351 kein großes Thema. Das liegt sicherlich an den sehr schlechten Medien dort, die versäumen, natürliche Mutationen mit einer eskalierenden Berichterstattung zu begleiten. Die armen Menschen am anderen Ende der Welt wissen darum gar nicht, wovor sie Angst haben müssen."

Facebook-Screenshot: 10. März 2021

Ist die Virus-Mutation B.1.351 in Südafrika bekannt?

Das Robert-Koch-Institut berichtet, die Coronavirus-Mutation B.1.351 sei bereits im Dezember 2020 in Südafrika aufgetaucht. Die neue Variante sei ansteckender als das ursprüngliche Virus. Auch Corona-Impfstoffe, die auf Grundlage des bisher bekannten Virus entwickelt wurden, könnten unter Umständen schlechter vor der Mutation schützen, heißt es beim RKI.

Diese Variante ist der südafrikanischen Gesundheitsbehörde bekannt. Am 18. Dezember 2020 veröffentlichte sie eine Mitteilung über die Entdeckung der Mutation. Die Behörde bezeichnete die Mutation anfangs als "501.V2". Es handelt sich dennoch um dieselbe Virus-Mutation.

Auch südafrikanische Medien griffen die Entdeckung auf. Am selben Tag berichtete der "Business Insider South Africa" etwa über die neue Corona-Mutation (hier). Kurz darauf informierten auch andere Medien die Bevölkerung über die wichtigsten Fragen (etwa hier und hier). Auch in der aktuellen Berichterstattung ist die Mutation Thema in den größten nationalen Medienanstalten wie die "South African Times", die "Daily Sun" oder der öffentlich rechtliche Sender "SABC News".

Herrschte in Südafrika keine Maskenpflicht?

Die Facebook-Postings behaupten, dass in Südafrika "alles offen" stünde. Politiker Westenthaler behauptete im Fellner-Interview außerdem, dass es keine Maskenpflicht, sondern lediglich eine Empfehlung zur Maske gebe. Beides stimmt nicht.

Als Afrika im Januar mit einer heftigen Ansteckungswelle zu kämpfen hatte, galt Südafrika als das am stärksten vom Coronavirus betroffene Land des Kontinents (hier, hier). Seit Mitte Februar fallen die Zahlen wieder. 

Im Zeitraum der auf Facebook verbreiteten Behauptungen, also zwischen dem 11. und 23. Februar 2021, gab es noch immer strenge Maßnahmen in Südafrika, um Infektionen zu verhindern. Am 13. Februar verlängerte die Regierung die seit dem 29. Dezember bestehenden Level3-Maßnahmen. Diese galten bis zum 28. Februar.

Erst dann waren die Infektionszahlen so weit gesunken, dass die Behörden am 1. März 2021 die Maßnahmen wieder lockerten. Clubs bleiben weiterhin geschlossen. Die Level- 1-Maßnahmen fasst die Regierung hier zusammen.

Die Level 3-Maßnahmen zum Zeitpunkt der Postings sind hier nachzulesen. Demnach war anders als behauptet eine Mund-Nasen-Bedeckung an öffentlichen Orten für alle Menschen ab sechs Jahren Pflicht. Vergehen wurden zum Teil als Straftat geahndet. Zwischen Ende Dezember und Mitte Januar nahm die südafrikanische Polizei rund 7000 Menschen fest, weil sie keine Masken trugen.

Hatte in Südafrika "alles offen"?

Neben Ausgangssperren von 23.00 bis 4.00 Uhr hat die Regierung auch Sperrstunden ab 22.00 Uhr für viele Einrichtungen festgelegt, etwa für Kinos, Museen und Restaurants. Im Januar galt noch eine Sperrstunde von 20.00 Uhr.

Nachtclubs mussten geschlossen bleiben. Auch Bars und Kneipen blieben bis Ende Januar laut damaliger Level 3-Maßnahmen geschlossen. Seit Februar dürfen Bars zumindest wegen einer Änderung der Level 3-Maßnahmen eingeschränkt wieder öffnen. Die Sperrstunden gelten noch immer. 

Schulen blieben bis zum 15. Februar geschlossen. Erst nachdem die Infektionszahlen stark sanken, öffneten sie wieder.

Die Maßnahmen schränkten auch Reisende ein. Mehrere Flughäfen blieben für internationale Flüge geschlossen. Ebenso waren 33 von 53 Grenzübergängen ins Land geschlossen.

Fazit: Die Behauptung, in Südafrika sei die Coronavirus-Mutation unbekannt, ist falsch. Schon lange vor dem Zeitpunkt der Behauptung hatten bereits die Regierung und auch nationale Medien über sie berichtet. Und auch in der Zeit der Postings war die Mutation ein Thema im Land.

Auch die Behauptungen, dass alles in Südafrika geöffnet war und keine Maskenpflicht herrschte, ist falsch. Den hohen Infektionszahlen folgten Einschränkungen. Es herrschte eine Maskenpflicht, und bestimmte Einrichtungen waren geschlossen. Internationale Reisen wurden stark eingeschränkt. Auch jetzt sind noch Corona-Maßnahmen in Kraft, wenn auch abgeschwächt.

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