
Nein, es gab keine Häufung von Todesfällen in Grazer Seniorenheimen
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- Veröffentlicht am 12. Februar 2021 um 15:25
- Aktualisiert am 12. Februar 2021 um 15:25
- 2 Minuten Lesezeit
- Von: Eva WACKENREUTHER, AFP Österreich, AFP Deutschland
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Mehr als 4600 User haben das Posting einer Frau geteilt, in dem sie von vermeintlich 66-Impftoten in einem Seniorenheim im steirischen Graz berichtet: "Kurze Info von einer Bekannten, die in einem Seniorenheim (Graz) arbeitet! 75 wurden geimpft! 9 leben noch!", steht dort. Zahlreiche User teilten Screenshots dieses Postings (hier, hier, hier).

Die Stadt Graz hat einerseits Überblick über die kommunalen Altersheime und ist andererseits für die allgemeine Sterbestatistik der Stadt zuständig. Sie reagierte auf ihrer Website sowie auf Facebook bereits auf die Behauptung: "Achtung, Falschmeldung im Internet (...) Dem Grazer Gesundheitsamt, verantwortlich für die Totenbeschau und die Sterbestatistik in der Stadt Graz, ist kein einziger Fall eines Senioren- oder Pflegeheimes oder einer anderen Einrichtung bekannt, in der es in den vergangenen 6 Wochen zu gehäuften Todesfällen gekommen wäre."
Weiter heißt es: "Die Zahl der Verstorbenen in diesen Einrichtungen war in den vergangenen Wochen seit Jahresbeginn sogar vergleichsweise unauffällig, da auch die Corona-Infektionsfälle in Graz in diesem Zeitraum deutlich zurückgegangen sind." In Graz gab es am Tag des Postings am 5. Februar 349 Infizierte. Die Stadt schrieb weiter: "Auch gab und gibt es keinerlei Hinweise, wonach es vermehrte Todesfälle im Zusammenhang mit Impfungen gegeben haben soll." Der Richtigstellung fügt die Stadt noch eine Aufstellung der Todesfälle von Senioreneinrichtungen in Graz an:

Auch das Land Steiermark dementierte auf Facebook: "Dem Grazer Gesundheitsamt ist KEIN EINZIGER FALL eines Grazer Senioren- oder Pflegeheimes oder einer anderen Einrichtung bekannt, in der es in den vergangenen 6 Wochen zu vermehrten Todesfällen gekommen wäre."
Das österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) veröffentlicht außerdem regelmäßig Berichte über Meldungen von vermuteten Nebenwirkungen der Corona-Impfung. Im letzten Bericht für den Zeitraum vom 27. Dezembers 2020 bis zum 5. Februar 2021 schreibt das BASG, dass insgesamt 18 Todesfälle in zeitlicher Nähe zu einer Covid-19-Impfung gemeldet worden seien. Für eine Mehrzahl davon gebe es andere Erklärungen, das BASG sieht daher "keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Impfung", die Untersuchungen dazu laufen den Angaben zufolge aber noch weiter. Von 66 toten Altersheimbewohnerinnen und -bewohnern, die laut Posting angeblich in Graz verstorben seien, ist im BASG-Bericht keine Rede.
Ein Artikel der "Kleinen Zeitung" sowie ein Faktencheck der österreichischen Nachrichtenagentur APA kommen unabhängig voneinander zur selben Einschätzung.
AFP hat am 12. Februar die Posting-Erstellerin kontaktiert. Bisher hat sie nicht geantwortet. Auf Hinweise zu Dementis in der Kommentarspalte ihres Postings reagierte sie ebenfalls nicht.
Fazit: Die 66 Toten aus einem Grazer Seniorenheim gibt es nicht. Das Grazer Gesundheitsamt, das auch für die Sterbestatistik verantwortlich ist, dementiert die Gerüchte, das für Impfnebenwirkungen zuständigen Bundesamt berichtet ebenfalls von weitaus weniger Fällen.