Masken und Plexiglasscheiben schützen vor Covid-19

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Zehntausende Facebook-User haben seit Ende Dezember eine Behauptung geteilt, wonach Masken und Plexiglas-Wände als Schutz vor Covid-19 nachweislich nutzlos seien. Experten und Expertinnen widersprechen dieser Aussage. Masken und Plexiglas-Scheiben gehören demnach zu einer Reihe sinnvoller Schutzmaßnahmen.

Insgesamt mehr als 11.500 User haben zwei Memes auf Facebook geteilt, in denen die Masken-Behauptung aufgestellt wird. Das erste Meme, auf dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu sehen ist, veröffentlichte die AfD Hamburg-Bergedorf am 26. Dezember 2020. Seither haben Tausende User diese Version auf Facebook geteilt (etwa hier und hier). Einige Wochen später, am 22. Januar, tauchte dann das zweite Meme auf – diesmal mit einem Bild des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz (ÖVP) (etwa hier und hier).

Zu beiden Porträts steht der gleiche Text: "Die haben Masken gekauft die nachweislich nix bringen und dann haben die Trottel Plexiglas gekauft … und ich hab trotzdem alles dicht gemacht. Ich mache weiter bis alles Pleite sind und sie geben sich selbst die Schuld."

Facebook-Screenshots: 17. Februar 2021

Masken bieten Schutz vor Covid-19

In den Facebook-Postings fehlen Quellen für die Behauptung, dass Masken "nachweislich" nicht vor Covid-19 schützen würden.

Eine Suche auf Google Scholar mit den Begriffen "Masks",  "covid", "no" und "effectiveness" in verschiedenen Konstellationen lieferte keine relevanten Ergebnisse. Ganz im Gegenteil: Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, die bestätigen, dass Masken als Teil eines mehrteiligen Hygienekonzepts sinnvoll sind.

Zu diesem Ergebnis kommen etwa 18 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um den Forscher und Dozenten Jeremy Howard der Universität San Francisco. Sie analysierten relevante Artikel zur Maskenverwendung. Am 26. Januar 2021 veröffentlichten sie ihr Review, das sich auf 141 Quellen bezieht, im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America" (PNAS). In der Zusammenfassung schreiben die Autorinnen und Autoren: "Die überwiegende Zahl der Beweise deutet darauf hin, dass das Tragen von Masken die Übertragungswahrscheinlichkeit pro Kontakt reduziert, indem die Übertragung von infizierten Atemwegspartikeln sowohl im Labor als auch im klinischen Kontext verringert wird." Das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit sei am effektivsten, um die Verbreitung des Virus zu reduzieren, wenn die überwiegende Bevölkerung die Masken annehmen und Tragen würde. Auch andere wissenschaftliche Artikel (etwa dieser Beitrag im International Journal of Infectious Diseases) kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Das Virus wird in Aerosolen, also flüssigen Schwebeteilchen, in der Luft getragen. Der Pneumologe Prof. Dr. med. Philipp Lepper, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und Oberarzt des Universitätsklinikums Saarland, erklärte AFP bereits in einem Faktencheck im Oktober 2020: "Handelsübliche Mund-Nasen-Masken sind in der Lage, respirable (Anm. d. Red.: atembare) Partikel zu filtern. Die Filtrationsleistung der Masken sowie der Luftwiderstand der Masken variieren aber je nach Material."

Die Filterleistung von 17 verschiedenen Masken untersuchte etwa Dr. med. Dominic Dellweg, Chefarzt für Pneumologie und Intensivmedizin am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft und ebenfalls Mitglied der DGP. Die Maske mit der besten Filterleistung lag bei 99,8 Prozent in einem Laboraufbau. Bei der tatsächlichen Nutzung im Alltag sei aber laut Robert-Koch-Institut außerdem der richtige Sitz der Maske wichtig.

Plexiglasscheiben tragen zum Schutz bei

Auch Plexiglasscheiben stellt das Facebook-Posting infrage. Diese sind aber als Teil mehrerer Vorsichtsmaßnahmen durchaus sinnvoll. Das erklärt zum Beispiel der Professor für Maschinenbau Qingyan Chen von der Purdue Universität in Indiana. Einer seiner Forschungsschwerpunkte liegt in der Luftverteilung in Gebäuden. In seinem Papier von August 2020 über die Möglichkeiten, sich vor Covid-19 zu schützen, rät er: "Natürlich gibt es Innenräume, in denen man keine Maske tragen kann, wie in Restaurants und Bars. Hier wäre es wichtig (...) Plexiglasscheiben in der Mitte eines Tisches oder zwischen den Gästen zu installieren. (...) Der Schirm hilft sehr dabei, die mögliche Ansteckung durch die Tröpfchenwolke zu reduzieren, die von der Person auf der anderen Seite des Tisches ausgehustet wird." Die Plexiglasscheibe wirke dabei wie eine Barriere.

Dabei können Plexiglasscheiben nur ein Teil eines mehrteiligen Maßnahmenkonzeptes sein, da sie nur eine Funktion erfüllen. Diese erklärt die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAEF) in einem Positionspapier: "Gesichtsvisiere und Plexiglasscheiben dienen im Wesentlichen als Spuck- und Spritzschutz gegenüber großen Tröpfchen."

Plexiglasscheiben allein seien nicht zum Ansteckungsschutz geeignet: "(...) weitgehend unwirksam gegen die Aerosolverbreitung in Innenräumen sind mobile oder fest in­stallierte Plexiglasbarrieren. Diese können nur kurzfristig die kleinräumige Ausbreitung eines Aerosols, zum Beispiel im Kassenbereich eines Supermarkts, verhindern, bieten aber längerfristig keinen Schutz", heißt es in dem Papier.

Die Bundesregierungen in Österreich und Deutschland führen Plexiglasscheiben und Masken nicht als alleinige Maßnahmen auf. Ihre Maßnahmenkataloge umfassen neben der Maskenpflicht auch Abstandsregelungen, Hygiene-Empfehlungen und Veranstaltungsverbote sowie regulierten sozialen Kontakt, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen.

Fazit: Die Behauptung, dass Masken und Plexiglasscheiben als Schutz nachweislich nutzlos seien, ist falsch. Vor allem als Teil eines größeren Maßnahmen-Konzepts sind sie effektiv. Das belegen Experten und Expertinnen sowie Studien und Positionspapiere.

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