Wohnhaus im Osten Rumäniens von russischer Drohne getroffen: Fachleute bestätigten Herkunft

Ende Mai 2026 traf erstmals seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine eine Drohne ein Wohngebäude in Rumänien, einem Nato-Mitglied. Rumänien und seine Verbündeten machten Russland dafür verantwortlich und warfen Moskau eine gefährliche Eskalation des Konfliktes vor. Russland dagegen gab der Ukraine die Schuld. Daraufhin zirkulierte in sozialen Medien die Falschbehauptung, bei dem Drohneneinschlag handelte es sich um eine sogenannte "False Flag"-Aktion. Jedoch sind sich rumänische Behörden und Experten einig: Die Drohne war ein russisches Modell vom Typ Geran-2.

"Ukrainische Drohne fliegt in Rumänien in ein Hochhaus", lautet ein Sharepic auf Facebook, das seit dem 29. Mai 2026 über 50 Mal geteilt wurde. "Medien geben Russland die Schuld", heißt es außerdem darin. In den Kommentaren wird der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj als "Terrorist" und "Nazi" bezeichnet. "Der will uns unbedingt in einen Krieg zwingen", schrieb eine Nutzerin.

Auch auf X und Tiktok wurde die angebliche Eilmeldung Ende Mai 2026 geteilt. Nutzerinnen und Nutzer hielten den Drohneneinschlag in Rumänien für eine sogenannte "False Flag"-Aktion – also eine Täuschungsaktion, bei der die Ukraine einen russischen Angriff inszeniert hätte.

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Facebook-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 8. Juni 2026

Nach dem Vorfall bestellte die rumänische Außenministerin Oana Toiu den russischen Botschafter in Bukarest ein. Sie verwies auch den Generalkonsul der Russischen Föderation in der rumänischen Schwarzmeerstadt Konstanza des Landes. Daraufhin befeuerte die russische Botschaft in Bukarest Spekulationen, wonach es sich "in Wirklichkeit um eine erneute Provokation des Regimes in Kiew" handle, das "mit allen Mitteln" versuchen würde, die Nato "in einen Krieg mit Russland hineinzuziehen".

Dieser Vorfall stellte den ersten Drohneneinschlag in einem Wohnhaus außerhalb der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Jahr 2022 dar. Dabei wurden in der Nacht auf den 29. Mai 2026 zwei Personen verletzt und ein Brand verursacht.

Doch entgegen Behauptungen online belegen Dokumente rumänischer Behörden und mehrere Experten, dass die Drohne aus Russland stammte.

Rumänien machte Moskau verantwortlich

Der rumänische Präsident Nicusor Dan veröffentlichte am 31. Mai 2026 Bilder der Drohnentrümmer auf Facebook und identifizierte das Modell der Drohne als Geran-2. Dabei machte Dan Russland für den Vorfall verantwortlich: "Dass ein solches Gerät ein Wohngebäude in Rumänien getroffen hat und dabei Verletzte sowie Sachschäden verursachte, ist von besonderer Schwere, und allein verantwortlich ist Russland."

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Rumänische Behörden untersuchten den Einschlagsort (links im Bild), nachdem eine russische Drohne ein Wohngebäude in Galați im Osten Rumäniens getroffen hatte: 29. Mai 2026 (AFP / Daniel MIHAILESCU)

Das rumänische Verteidigungsministerium bestätigte in einer Pressemitteilung vom 31. Mai 2026, dass es sich bei der Drohne um ein russisches Modell handelte. Das Ministerium fügte hinzu, dass der Sprengsatz vom Typ "High-Explosive (HE)" gewesen sei. Die Drohne sei mit etwa 30 Kilogramm (TNT-Äquivalent) schwerer Munition geladen gewesen. Diese Angabe ist eine gebräuchliche Maßeinheit für die bei einer Explosion freiwerdende Energie. Die Munition habe beim Aufprall detoniert, wie die rumänische Nachrichtenagentur Agerpres am 1. Juni 2026 berichtete, die zudem weitere detaillierte Bilder veröffentlichte.

In der ostrumänischen Großstadt Galati, in der die Drohne einschlug, trat Dan am 29. Mai 2026 vor mehrere Journalistinnen und Journalisten. In einem  Interview (ab Minute 3:00) erklärte Dan, die russische Drohne sei von ukrainischen Abwehrkräften "wahrscheinlich über der Stadt Reni getroffen worden. Ihre Flugbahn änderte sich, und sie steuerte auf Galati zu". Seine Aussage wurde online aus dem Zusammenhang gerissen und Nutzerinnen und Nutzer behaupteten fälschlich, Dan habe zugegeben, "dass es doch keine" russische Drohne gewesen wäre.

Der amtierende Verteidigungsminister Radu Miruta sagte dazu am 31. Mai 2026 gegenüber dem rumänischen Sender "Digi24", dass die Drohne in Russland hergestellt worden sei. Er fügte hinzu: "Solange sie eine Sprengladung trägt, ist es die Pflicht derjenigen, die sie starten, ihre Flugbahn zu kontrollieren."

Militärexperten bestätigten russischen Ursprung der Drohne

Markus Reisner ist Leiter des Instituts für Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Österreich und tritt regelmäßig mit Kriegsanalysen in deutschsprachigen Medien auf. Am 6. Juni 2026 bestätigte er gegenüber AFP, die Drohne sei "eindeutig russischen Ursprungs".

Er verwies auf weitere Informationen des österreichischen Bundesheeres vom 30. Mai 2026: "Infolge eines schweren Luftangriffs der russischen Streitkräfte auf die ukrainischen Hafenstädte Reni und Izmail in der Nacht zum 29. Mai 2026 kam es zum Einschlag einer russischen 'Geran-2'-Drohne in einem Hochhaus in der 60 Kilometer entfernten rumänischen Stadt Galati."

AFP versuchte, die von Dan veröffentlichten Fotos der Drohne zu verifizieren. Open-Source-Intelligence-(OSINT)-Experte Kyle Glen vom Zentrum für Informationsresilienz mit Sitz in Großbritannien bestätigte das Modell gegenüber AFP am 2. Juni 2026 "mit ziemlicher Sicherheit". OSINT steht für die Informationsgewinnung aus offenen Quellen. Obwohl es sich nicht zur Gänze sagen ließe, sehe Glen bei den Bildern des rumänischen Präsidenten "keine Anzeichen für Manipulation".

Glen verglich die Drohnenaufnahmen mit einem Beispiel für Trümmerteile eines Geran-2-Triebwerks von der ukrainischen Website "War Sanctions". Glen identifizierte den Propeller, die vier Zylinder und den Motor auf Dans Foto (links) als identisch mit den entsprechenden Bauteilen im Vergleichsbild (rechts).

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Vergleich eines Facebook-Screenshot der Drohne (links) mit einem Screenshot eines ähnlichen Modells auf der ukrainischen Website "War Sanctions" (rechts), erstellt vom Experten Kyle Glen: 1. Juni 2026

Glens Analyse stimmt mit dem oben erwähnten Statement des rumänischen Präsidenten überein, dass "Elektronikkomponenten, Navigationssysteme, Steuermodule, Motor und Bauteile" der in Galati gestürzten Drohne denen anderer Geran-2-Drohnen ähneln.

Kursierendes Sharepic wurde mit KI erstellt

Fotos von AFP und weiteren Medien zeigen, dass die Drohne im obersten Stock des Wohnhauses einschlug. Doch im kursierenden Sharepic ist ein Einschlagloch mitten im Gebäude zu sehen. Das deutet darauf hin, dass die Bildmontage mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurde.

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Schäden des Drohneneinschlags im obersten Stock eines Wohnhauses in Galati (links) im Vergleich zum kursierenden KI-generierten Bild (rechts), Ai-Kennzeichnung von AFP hinzugefügt: 10. Juni 2026

Vorschlag: AFP analysierte das Bild mit der Verifikationssoftware von OpenAI, die erkennen kann, ob Inhalte mit den KI-Modellen des Unternehmens erstellt wurden. Die Analyse ergab, dass das Bild des seitlich brennenden Hochhauses mit OpenAI-Tools erstellt wurde.

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Screenshot der Analyseergebnisse des OpenAI-Verifikationstools: 9. Juni 2026

Das Erkennungstool konnte keinen digitalen Herkunftsnachweis – den so sogenannten C2PA – im Bild ausfindig machen, der zusätzliche Informationen zur Herkunft und Entstehung einer Datei enthält. C2PA sind Metadaten, die auf sozialen Plattformen systematisch entfernt werden. Deshalb nutzt OpenAI inzwischen das verlässlichere SynthID-Wasserzeichen, welches in diesem Beispiel auch erkannt wurde.

Drohnenvorfälle fanden in mehreren Ländern statt

Im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine kam es immer wieder zu Luftraumverletzungen durch Drohnen Russlands oder der Ukraine. Dazu kann es laut dem österreichischen Bundesheer "aufgrund von technischen Gebrechen, Navigationsfehlern und gezielten Störmaßnahmen" kommen.

Betroffen waren bisher etwa Länder wie Polen – dazu veröffentlichte AFP auch einen Faktencheck –, die baltischen Staaten, die Republik Moldau und Rumänien erneut am 8. Juni 2026, als eine ukrainische Drohne in einen Schwarzmeerhafen einschlug.

AFP überprüfte mehrere Falschbehauptungen im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg.

Fazit: Online wurde behauptet, dass die Drohne, die Ende Mai 2026 in ein rumänisches Hochhaus einschlug, ukrainischer Herkunft gewesen wäre. Dazu kursierte ein künstlich generiertes Sharepic. Doch die Drohne war eine russische Geran-2, wie rumänische Behörden bekannt gaben und unabhängige Experten gegenüber AFP bestätigten.

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