Rumänischer Zoll bestätigte: Kein Kokainfund mit Selenskyj-Porträt in Rumänien
- Veröffentlicht am 9. Juli 2026 um 14:55
- 4 Minuten Lesezeit
- Von: Elena CRISAN, AFP Österreich
Gezielte russische Propaganda befeuert das Gerücht über angeblichen Kokainkonsum von Wolodymyr Selenskyj. Prorussische Nutzerinnen und Nutzer behaupteten Anfang Juli 2026, der rumänische Zoll hätte 75 Kilogramm Kokain mit seinem Porträt beschlagnahmt. Dazu kursiert ein Foto, das die Zollbehörde selbst auf ihrer Website geteilt haben soll und schwarze Päckchen mit dem Gesicht des ukrainischen Präsidenten zeigt. Doch das Bild ist alt und wurde mit KI manipuliert. Der rumänische Zoll bestätigte gegenüber AFP, dass es sich bei der Meldung um eine Fälschung handelt.
Auf einem grünen Tablett liegen 15 schwarze Päckchen mit dem Gesicht des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Darin sollen sich 75 Kilogramm Kokain befinden, das vom rumänischen Zoll "Autoritatea Vamala Romana" beschlagnahmt worden sein soll. Das Bild trägt das Logo der Behörde mit dem rumänischen Wappen. "Zollbeamte entdeckten bei der Kontrolle eines Schiffes aus der Region Odesa 15 Pakete ('Ziegel') Kokain", lautet ein Telegram-Beitrag vom 3. Juli 2026. "Die Ukrainer überschwemmen ganz Europa mit Drogen und Waffen", griff ein anderer Kanal die Meldung auf. Ein englischer X-Post von einem User namens "Lord Bebo", der häufig Falschinformationen verbreitet, wurde seit dem 3. Juli 2026 über 56.000 Mal angesehen.
Manche Nutzerinnen und Nutzer teilten auch einen angeblichen Screenshot der Website, auf dem eine entsprechende Meldung angezeigt worden sein soll. Auf Websites des "Pravda"-Netzwerks, über das russische Desinformation verbreitet wird, erschien die angebliche Drogenmeldung ebenfalls. Diese erreichte Nutzerinnen und Nutzer laut dem US-Rechercheprojekt NewsGuard in zehn Sprachen – darunter auf Französisch und Niederländisch.
Laut NewsGuard, das sich auf die Bewertung der Zuverlässigkeit von Informationen spezialisiert hat, verbreiteten prorussische Medien die Falschmeldung seit dem 1. Juli 2026 im Vorfeld des Nato-Gipfels in Ankara am 7. und 8. Juli 2026. Dort plädierte Selenskyj für weitere Militärhilfen für die Ukraine.
Selenskyj wurde in der Vergangenheit immer wieder zum Ziel von Gerüchten über einen angeblichen Kokainkonsum, die bereits 2019 während seines Präsidentschaftswahlkampfes auftraten, wie AFP bereits berichtete.
Auch diesmal handelt es sich bei der Meldung über das konfiszierte Kokain mit Selenskyjs Porträt um eine Falschinformation. Das Foto sowie der Website-Screenshot sind nicht authentisch und die rumänische Zollbehörde bestritt eine solche Beschlagnahmung.
Bild ist alt und wurde manipuliert
AFP analysierte das Bild mit der Verifikationssoftware von OpenAI, die erkennen kann, ob Inhalte mit den KI-Modellen des Unternehmens erstellt wurden. Die Analyse ergab, dass das Bild mit den Kokainpaketen mit Selenskyjs Porträt mit OpenAI-Tools erstellt wurde.
OpenAI fand die SynthID, ein unsichtbares Wasserzeichen, das auch Änderungen wie Zuschneiden, das Hinzufügen von Filtern oder verlustbehaftete Komprimierung übersteht.
Das Erkennungstool konnte keinen digitalen Herkunftsnachweis – eine sogenannte C2PA-Signatur – im Bild ausfindig machen, der zusätzliche Informationen zur Herkunft und Entstehung einer Datei enthält. C2PA sind Metadaten, die auf sozialen Plattformen systematisch entfernt werden.
AFP fand das Originalbild mittels umgekehrter Bildsuche über die Suchmaschine Yandex. Es wurde am 14. Mai 2024 von der US-Zollbehörde auf X gepostet. Die Beamtinnen und Beamten hatten Kokain im Wert von 496.879 US-Dollar konfisziert. Die Drogen befanden sich in einem Traktor, der Zuckerwatte transportiert hatte.
On Thursday, Laredo CBP officers seized 15 packages containing a total of 37lbs of cocaine hidden within a conveyance hauling cotton candy.
— CBP (@CBP) May 14, 2024
Read more: https://t.co/IoNKpPAyRwpic.twitter.com/7DrZ9cqFDx
Das ukrainische Medium "Gvara Media" sowie das lettische Nachrichtenportal Delfi widerlegten die Falschbehauptung ebenfalls. Laut ihnen trugen bekannte prorussische Accounts maßgeblich zu ihrer Verbreitung bei.
Rumänischer Zoll dementierte solchen Fund
Auf der Website des rumänischen Zollamts sowie auf dem offiziellen Facebook-Konto der Behörde fand AFP keine entsprechende Meldung.
AFP bat "Autoritatea Vamala Romana" um eine Stellungnahme. Präsidentin Ioana Badescu antwortete am 8. Juli 2026 schriftlich übersetzt aus dem Rumänischen: "Keine Menge an Betäubungsmitteln, die das Bild des Präsidenten Wolodymyr Selenskyj trägt, wurde von unserer Institution entdeckt, sichergestellt oder gemeldet, und eine solche Operation hat an keinem Grenzübergang oder in keinem Hafen in Rumänien stattgefunden."
Badescu bestätigte ebenfalls, dass der Screenshot der Website eine Fälschung ist. "Zudem wurde das Foto, das diese Beiträge begleitet, weder von unserer Institution aufgenommen noch veröffentlicht, und das darauf angebrachte Logo der Rumänischen Zollbehörde wird ohne unsere Genehmigung verwendet." Das Zollamt habe die "zuständigen Behörden über die missbräuchliche Nutzung der institutionellen Identität und die Fälschung der offiziellen Website informiert".
Nachdem AFP das Zollamt auf die Falschmeldung aufmerksam gemacht hatte, veröffentlichte dieses am 7. Juli 2026 auf Facebook ein Dementi auf Rumänisch: "Desinformation macht vor niemandem Halt, nicht einmal vor staatlichen Institutionen, wie wir in diesen Tagen selbst feststellen mussten." Die Behörde schreibt, dass eine "einfache Gewohnheit", die Quellen zu prüfen, der "beste Schutz" vor Falschinformationen sei.
AFP stellte mehrere Behauptungen über den Ukrainekrieg richtig.
Fazit: Angebliche Fotos von Kokainpaketen mit dem Porträt von Wolodymyr Selenskyj wurden künstlich manipuliert. Dazu wurde ein altes Foto als Grundlage verwendet. Auch die Behauptung, das rumänische Zollamt hätte 75 Kilogramm Kokain aus Odessa beschlagnahmt, stimmt nicht. Das bestätigte die Präsidentin der Behörde gegenüber AFP.
Copyright © AFP 2017-2026. Für die kommerzielle Nutzung dieses Inhalts ist ein Abonnement erforderlich. Klicken Sie hier für weitere Informationen.