Nach Melania Trumps Dementi kursierten gefälschte Fotos von ihr mit Jeffrey Epstein

Der politische Skandal um den verstorbenen Jeffrey Epstein reißt in den USA nicht ab. Im April 2026 gab Melania Trump, die Frau des US-Präsidenten Donald Trump dessen Name in den sogenannten Epstein-Akten wiederholt auftaucht eine überraschende Erklärung ab, in der sie öffentlich bestritt, von Jeffrey Epsteins Missbrauch gewusst zu haben oder selbst Opfer des verurteilten Sexualstraftäters gewesen zu sein. Kurz darauf tauchten in sozialen Medien Bildercollagen auf, die das frühere Model mit dem Finanzier in intimen Situationen zeigen sollen. Zwar gibt es authentische Fotos von Melania Trump mit Epstein. Fünf der kursierenden Bilder sind laut AFP-Analysen jedoch gefälscht oder mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt worden.

"Die Lügen, die mich mit dem schändlichen Jeffrey Epstein in Verbindung bringen, müssen heute ein Ende haben", forderte Melania Trump am 9. April 2026 in einer öffentlichen Stellungnahme im Weißen Haus. "Ich bin nie mit Epstein befreundet gewesen. Donald und ich wurden von Zeit zu Zeit auf dieselben Partys wie Epstein eingeladen, da sich soziale Kreise in New York City und Palm Beach häufig überschneiden", fügte sie hinzu. Die gebürtige Slowenin erläuterte nicht, warum sie sich zu dieser Erklärung entschlossen hatte. Sie ging nicht näher auf konkrete Vorwürfe ein, die sie mit dem verstorbenen Sexualstraftäter in Verbindung bringen würden. 

Kurz nach Melania Trumps Stellungnahme kursierten in sozialen Medien Collagen aus mehreren Fotos, die angeblich die Ehefrau von US-Präsident Donald Trump in verschiedenen intimen Situationen mit dem Finanzier Epstein zeigen würden. 

Eine Collage, die aus fünf Schwarz-Weiß-Bildern besteht, wurde auf verschiedenen Plattformen wie Facebook, Instagram und X geteilt. Über der vielfach geteilten Collage steht auf Englisch ein authentisches Zitat, das Melania Trump in ihrer öffentlichen Rede tätigte: "Ich bin nie mit Epstein befreundet gewesen."

Auf Facebook wurde zudem ein weiterer Beitrag geteilt mit der englischen Überschrift "Also, die First Lady Melania Trump behauptet sie kenne Jeffrey Epstein nicht und hat ihn nie getroffen – in der Zwischenzeit". Darin werden drei Bilder in Farbe geteilt, die Melania Trump angeblich mit Epstein zeigen sollen. Zwei dieser Bilder kommen ebenso in der Schwarz-Weiß-Collage vor. 

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Facebook-Screenshots der Behauptung, rote Kreuze von AFP hinzugefügt: 20. April 2026

In der rechten unteren Ecke der Collage mit den Farbbildern steht "@MadeInTheUSANJ" geschrieben. Dadurch lässt sich die Collage zu einem X-Post zurückführen, der von diesem X-Account am 9. April 2026 geteilt und über zwei Millionen Mal Nutzerinnen und Nutzern angezeigt wurde. 

Auf Facebook kursierten die Bilder in Beiträgen auf verschiedenen Sprachen wie Bulgarisch, SlowakischSpanisch und Tschechisch.

Die Collagen, die eine enge Beziehung zwischen Epstein und Melania Trump zeigen sollen, scheinen dem öffentlichen Statement der First Lady zu widersprechen. AFP-Analysen ergaben allerdings, dass die meisten Bilder gefälscht, manipuliert oder mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurden. 

Verschwörungserzählungen um Epsteins Tod

In ihrer öffentlichen Erklärung sagte Melania Trump: "Zahlreiche gefälschte Bilder und Aussagen über Epstein und mich kursieren nun schon seit Jahren in den sozialen Medien." Und weiter: "Seien Sie vorsichtig, woran Sie glauben: Diese Bilder und Geschichten sind vollkommen falsch."

In der Vergangenheit wurden Donald und Melania Trump mehrfach gemeinsam mit Epstein fotografiert. Allerdings bestritt die First Lady, ihren Ehemann über Epstein kennengelernt zu haben. Auch Donald Trump bestreitet jegliche Verbindungen zu Epsteins Verbrechen. 

Im Jahr 2019 verstarb Epstein in Untersuchungshaft, noch bevor sein Anklageprozess wegen Sexualverbrechen begann. Epsteins Tod befeuerte zahllose Verschwörungserzählungen. Aus einem Bericht des US-Justizministeriums aus dem Jahr 2023 geht allerdings hervor, dass Epsteins Todesursache laut der Autopsie eines Gerichtsmediziners "Erhängen und die Todesart Suizid" war.

Im November 2025 stimmte der US-Konhress dem Epstein-Akten-Transparenz-Gesetz (Epstein Files Transparency Act) zu. Dem Gesetzestext zufolge sollte das US-Justizministerium "nicht später als 30 Tage nach Verabschiedung" des Gesetzes "alle nicht als geheim eingestuften Aufzeichnungen, Dokumente, Mitteilungen und Ermittlungsmaterialien, die sich im Besitz des Justizministeriums befinden" veröffentlichen. Ab dem 19. Dezember 2025 begann das US-Justizministerium erste Dateien im Zusammenhang mit den Ermittlungen rund um Epstein zu veröffentlichen, die seither öffentlich einsehbar sind.

Ein bekanntes Foto, das in den Akten vorkommt, zeigt Donald und Melania Trump gemeinsam mit Epstein und seiner Lebensgefährtin Ghislaine Maxwell. Das Foto wurde bei einer Veranstaltung im Club Mar-a-Lago in Florida am 12. Februar 2000 aufgenommen. Mehrere Aufnahmen dieser Veranstaltung, auf denen sowohl Melania Trump als auch Epstein zu sehen sind, sind ebenfalls in der Getty-Images-Datenbank abrufbar. 

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Menschen für die Veröffentlichung der Epstein Files in Washington D.C.: 3. September 2025 (AFP / ROBERTO SCHMIDT)

In ihrer Erklärung bezog sich Melania Trump auch auf eine E-Mail, die sie an Maxwell geschrieben hatte und die in den Epstein-Akten zu finden ist. "Um es klarzustellen: Ich hatte niemals eine Beziehung zu Epstein oder seiner Komplizin Maxwell. Meine E-Mail-Antwort an Maxwell kann nur als beiläufiger Schriftwechsel eingestuft werden. Meine höfliche Antwort auf ihre E-Mail ist nicht mehr als eine belanglose Notiz“, heißt es in ihrer Erklärung, die auch auf der offiziellen Website des Weißen Hauses veröffentlicht wurde.

Maxwell wurde im Jahr 2022 wegen Menschenhandels von Minderjährigen zum Zweck der sexuellen Ausbeutung zu 20 Jahren Haft verurteilt.

In den Epstein-Akten ist zudem ein Foto zu finden, das Brett Ratner, den Regisseur von Melania Trumps Dokumentation, zusammen mit Epstein und zwei nicht identifizierten Frauen zeigt. 

Collage enthält gefälschte Bilder

Mehrere Bilder aus der kursierenden Schwarz-Weiß-Collage wurden bereits von Faktencheck-Organisationen als nicht authentisch eingestuft. Zur genauen Erläuterung der Bilder hat AFP jedes der Bilder nummeriert.

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Screenshot der Collage, Nummerierung von AFP hinzugefügt: 16. April 2026

Das Bild 1 soll einen angeblichen Kuss auf den Mund zwischen Epstein und Melania Trump zeigen. Durch eine umgekehrte Bildsuche lässt sich ein größeres Bild derselben Szene in Farbe finden, das am 11. April 2026 auf Threads gepostet wurde. In der unteren rechten Ecke ist ein sternförmiges Wasserzeichen erkennbar, das darauf hinweist, dass das Bild mit dem KI-Tool Gemini von Google erstellt wurde. Laut Recherchen von TF1 und Lead Stories zirkulierte dieses Bild erstmals im Dezember 2025 online. 

Auch laut einer Analyse von Googles SynthID, einem Tool zur Erkennung von KI-generierten Inhalten, wurde das Bild höchstwahrscheinlich mithilfe von Google KI erstellt.

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Screenshot des Analyseergebnisses von Google SynthID, Ai-Kennzeichnung von AFP hinzugefügt: 17. April 2026

Das Bild 2 der Collage soll zeigen, wie Melania Trump leicht bekleidet an einer Poledance-Stange tanzt, während Epstein im Hintergrund sitzt.  

Mithilfe von Googles Faktencheck-Tool lässt sich dieses Bild auf das Instagram-Profil der britischen Künstlerin Alison Jackson zurückführen. Am 9. Februar 2026 veröffentlichte die Künstlerin das Bild mit der Beschreibung: "Fiktionales Bild. Keine sachlichen Behauptungen implizit". Unabhängige Journalistinnen und Journalisten stuften das Bild in dem Instagram-Beitrag als falsch ein.

Das Instagram-Profil von Jackson zeigt, dass die Künstlerin regelmäßig künstlerische Bilder von berühmten Persönlichkeiten postet, darunter weitere Darstellungen von Epstein mit Donald oder Melania Trump. Im Jahr 2024 wurde Jackson in einem Artikel zu ihrer Haltung gegenüber der Nutzung von KI in der Kunst befragt. Darin gab Jackson an, dass sie gerne mit realen Menschen arbeitet, die öffentlichen Personen ähneln. 

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Screenshot des Instagram-Beitrags von Alison Jackson, grüne Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 21. April 2026

Das Bild 3 soll Melania Trump dabei zeigen, wie sie Epstein auf die Wange küsst. Die Faktencheck-Organisation Snopes hat das Bild bereits im November 2025 als Fälschung entlarvt. Lead Stories zufolge kursierte das Bild bereits im August 2025 in Beiträgen auf Threads und X, wo es Teil einer Collage war, die als Vorschaubild eines mittlerweile gelöschten Youtube-Video diente. Laut dem KI-Erkennungstool Hive Moderation wurde das Bild mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent KI-generiert. 

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Analyseergebnis des KI-Erkennungstools Hive Moderation, Ai-Kennzeichnung von AFP hinzugefügt: 17. April 2026

Das Bild 4 soll angeblich Epstein und Melania Trump zeigen, wie sie sich umarmen und lächelnd in die Kamera blicken. Auf X wurde am 14. Februar 2026 eine größere Version des Bildes gepostet. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass im Vergleich zu authentischen Aufnahmen Epsteins Zähne anders aussehen. Auch Hive Moderation gab mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,3 Prozent an, dass es sich um ein von KI-generiertes Bild handelt. Laut Hive Moderation wurde es mit einer Wahrscheinlichkeit von 98,4 Prozent mithilfe von ChatGPT erstellt.

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Anaylseergebnis des KI-Erkennungstools Hive Moderation, Ai-Kennzeichnung von AFP hinzugefügt: 17. April 2026

Das Bild 5 soll zeigen, wie Epstein Melania Trump auf die Wange küsst, während sie auf seinem Schoß sitzt. Eine umgekehrte Bildsuche einer größeren Version des Bildes ergab, dass es am 5. Februar 2026 von einem Facebook-Nutzer veröffentlicht wurde, der regelmäßig KI-generierte oder KI-bearbeitete Bilder teilt. Er veröffentlichte es mit folgendem Hinweis: "Digital bearbeitetes Foto #parodie." Außerdem gab er in einem Beitrag auf X am 8. April 2026 an, das Bild erstellt zu haben. 

Am unteren Rand enthält der Beitrag einen Dateinamen, der mit EFTA beginnt. EFTA steht für den "Epstein Files Transparency Act" und deutet darauf hin, dass das Bild auf einem echten Foto aus den Epstein-Akten basiert. Unter der Kennzeichnung "EFTA01648120" lässt sich das Originalbild finden, in dem das Gesicht der Frau, die Epstein tatsächlich küsst, geschwärzt wurde.

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Screenshot der Originalaufnahme (rechts) und des Facebook-Beitrags mit dem bearbeiteten Bild (links), rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 21. April 2026

Zudem wurde eine weitere Collage in sozialen Medien geteilt, die drei angebliche Bilder von Melania Trump und Epstein zeigen soll. AFP nummerierte die Bilder zur genaueren Erläuterung.

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Screenshot der Collage, Nummerierung von AFP hinzugefügt: 21. April 2026

Während die Bilder 6 und 7 auch Teil der Schwarz-Weiß-Collage sind und bereits als unecht identifiziert wurden, handelt es sich bei Bild 8 tatsächlich um ein authentisches Bild. 

Das Bild, das in der Getty-Images-Datenbank abrufbar ist, wurde ebenfalls am 12. Februar 2000 im Club Mar-a-Lago in Florida aufgenommen. Auf dem Bild ist Melania Trump gemeinsam mit Epstein, seiner früheren Finanzmanagerin Gwendolyn Beck sowie dem früheren Prinz Andrew Mountbatten Windsor abgebildet. Letzterer wurde im Februar 2026 zwischenzeitlich festgenommen und laut der englischen Polizei wenige Stunden nach seiner Festnahme "unter Auflagen" wieder freigelassen. Aufgrund seiner Beziehungen zu Epstein verlor Mountbatten Windsor im Oktober 2025 seinen Prinzentitel

Melania Trump forderte Anhörung der Opfer

Melania Trumps Erklärung am 9. April 2026 im Weißen Haus war ein überraschender Eingriff in einen Skandal, der die zweite Präsidentschaft ihres Mannes immer wieder überschattet. In ihrer Ansprache forderte die First Lady zudem den Kongress dazu auf, eine öffentliche Anhörung für Überlebende von Epsteins Missbrauch abzuhalten, um "diesen Opfern die Gelegenheit zu geben, unter Eid auszusagen". 

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Die US-First Lady Melania Trump bei ihrer öffentlichen Erklärung am 9. April 2026 in Washington, D.C. (AFP / Mandel NGAN)

Doch einige Opfer von Epstein sowie deren Familienmitglieder bezeichneten die Rede als eine "Abwälzung von Verantwortung". In einer gemeinsamen Erklärung, die in sozialen Medien veröffentlicht wurde, heißt es: "First Lady Melania Trump wälzt die Last nun auf die Opfer ab, und zwar unter politischen Bedingungen, die diejenigen mit Macht schützen", einschließlich "der Trump-Regierung, die dem Epstein-Akten-Transparenz-Gesetz immer noch nicht vollständig nachgekommen ist".

AFP veröffentlichte bereits mehrere Faktenchecks rund um die Causa Epstein (hier, hier, hier). 

Fazit: Nach einer öffentlichen Stellungnahme von Melania Trump kursierten in sozialen Medien mehrere Bildercollagen , die sie in angeblich intimen Situationen mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zeigen sollten. Eine Analyse von AFP ergab jedoch, dass der Großteil dieser Bilder gefälscht, manipuliert oder mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellt wurde.

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