"Tagesschau"-Bericht über angebliche Drohung Netanjahus ist gefälscht

Szenarien, die Angst schüren, erreichen viel Aufmerksamkeit in sozialen Medien. Dies trifft auch auf einen angeblichen "Tagesschau"-Bericht zu, laut dem der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Deutschland mit einem Angriff gedroht hätte. Allerdings ist dieser Bericht laut KI-Analysetools eine Fälschung.

"Also Israel droht uns Ukraine droht uns ! Was machen die Politiker dich kriechen denen weiter in den Arsch ! Also ich wüsste was zutun ist", schrieb ein Facebook-Nutzer unter ein Video, das er am 5. Juli 2026 postete. In dem rund 30 Sekunden langen Clip, der wie ein Beitrag der "Tagesschau" wirkt, ist zu Beginn eine Nachrichtensprecherin zu sehen. Sie berichtet über Benjamin Netanjahus angebliche Drohung. "Wenn Deutschland sich nicht mit uns einigt, könnten wir mit Deutschland dasselbe machen wie mit dem Iran", soll das israelische Staatsoberhaupt angeblich gesagt haben. Damit wird auf den Konflikt zwischen Israel und dem Iran angespielt, der seit den Luftangriffen Israels und der USA auf den Iran am 28. Februar 2026 andauert. Im Video sind die Logos der "Tagesschau" und des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) zu sehen. 

Die erste Version des Videos, die AFP fand, wurde am 3. Juli 2026 auf Tiktok gepostet und erreichte über 400.000 Nutzerinnen und Nutzer. In den Kommentaren zeigten sich manche besorgt über den Inhalt des Videos, andere äußerten sich zynisch gegenüber der deutschen Regierung: "Danke dafür Herr merz". Es wurden auch Zweifel am Wahrheitsgehalt des Videos geäußert. "Man weiß nicht was man heute noch glauben kann. KI scheint heute alles möglich zu machen", schrieb ein User am 12. Juli 2026.

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X-Screenshot der Behauptung, Ai-Hinweis und rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 13. Juli 2026

Das Video wurde auf verschiedenen Social-Media-Plattformen geteilt, darunter Instagram, X und Youtube.

Analysen weisen auf KI-Manipulation hin

In einigen der Posts ist im Video das Logo der Plattform Tiktok sowie der Nutzername "editvision_68" zu sehen. Das Video lässt sich dadurch auf jenen Tiktok-Account zurückführen, der das Video Anfang Juli 2026 postete. 

Ein Blick auf die vergangenen Beiträge des Accounts zeigt, dass der Betreiber des Kanals verschiedene Video-Vorlagen anbietet, mit denen Nutzerinnen und Nutzer selbst "Tagesschau"-ähnliche Clips erstellen können. Zum Beispiel ist es möglich, mit einer dieser Vorlagen ein Bild hinter die angebliche Nachrichtensprecherin auf den Monitor einzufügen, die der gezeigten Person dann Geburtstagswünsche zukommen lässt. Auch darin sind die Logos der "Tagesschau" und des RBB abgebildet.

Eine genaue Analyse des Videos offenbart einige visuelle und stilistische Unstimmigkeiten, die von authentischen "Tagesschau"-Nachrichtensendungen abweichen. In den ersten drei Sekunden des Clips stimmen beispielsweise die Lippenbewegungen der dargestellten Moderatorin nicht mit dem Gesagten überein. Zudem ist der Einsatz von Schnittbildern sowie von Übergängen unüblich für den Stil der "Tagesschau". Auch die Hintergrundmusik im kursierenden Clip unterscheidet sich von der tatsächlichen "Tagesschau"-Signatur. 

Eine Analyse der Tonspur des Videos ergab, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurde. AFP analysierte die Tonspur mit dem KI-Erkennungstool Hiya des Analyseprogramms InVID WeVerify. An der Entwicklung des Programms ist AFP beteiligt.  

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Screenshot des Analyseergebnisses des KI-Erkennungstools Hiya: 14. Juli 2026

In den ersten drei Sekunden des Videos ist eine Nachrichtensprecherin zu sehen, die wie die "Tagesschau"-Moderatorin Romy Hiller aussieht. Im Anschluss sind eine Reihe von Schnittbildern des israelischen Staatsoberhaupts zu sehen, während von einer angeblichen Rede Netanjahus berichtet wird. Eine Analyse der Videosequenz der angeblich echten Moderatorin zeigt, dass auch dieses Material mithilfe von KI manipuliert wurde. Dies ergab eine Untersuchung mit einem Tool von InVID WeVerify, das KI-generierte und Deepfake-Inhalte in Videos erkennen kann. 

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Screenshot des Analyseergebnisses des KI-Erkennungstools von InVID WeVerify: 14. Juli 2026

Auf eine Anfrage an die ARD antwortete eine Sprecherin des Norddeutschen Rundfunks (NDR), der Teil der deutschlandweiten ARD ist, und dementierte, dass die "Tagesschau" jemals einen Beitrag mit diesem oder vergleichbarem Inhalt ausgestrahlt habe. Auch eine Sprecherin des RBB, dessen Logo im kursierenden Video ebenfalls zu sehen ist, verneinte gegenüber AFP in einer schriftlichen Antwort vom 14. Juli 2026, dass dieses Video echt sei. 

Die NDR-Sprecherin informierte zudem in ihrer schriftlichen Antwort vom 13. Juli 2026: "Da die missbräuchliche Nutzung des 'Tagesschau'-Logos leider häufiger vorkommt, arbeiten wir seit Anfang dieses Jahres mit einem externen Dienstleister zusammen, der sich auf die Ahndung von Markenrechtsverstößen im Internet spezialisiert hat." Der Account, der das Video teilte, wurde infolgedessen dem Dienstleister gemeldet. Wie AFP-Recherchen zeigten, ist der Account seit dem späten Nachmittag des 14. Juli 2026 nicht mehr abrufbar

AFP fand keine Hinweise darauf, dass Netanjahu Deutschland öffentlich mit einem Angriff gedroht hat. Eine erweiterte Websuche ergab keine seriösen journalistischen Berichte über eine solche Äußerung. 

Beziehungen zwischen Deutschland und Israel

In einem Artikel vom 18. März 2026 informierte das Auswärtige Amt auf seiner Website über die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Die Beziehung zu Israel wird darin als "einzigartig" bezeichnet, was aufgrund der Verantwortung Deutschlands für die Shoa begründet wird, dem systematischen Genozid von über sechs Millionen Jüdinnen und Juden während des Zweiten Weltkriegs. Des Weiteren stellt Deutschland laut dem Auswärtigen Amt mit einem Handelsvolumen von 8,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 den wichtigsten wirtschaftlichen Partner für Israel in Europa dar.

Im Dezember 2025 besuchte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz zuletzt Israel. Bei dem Besuch der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem am 7. Dezember 2025 bekannte er sich zur dauerhaften Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel. Laut Medienberichten schrieb Merz in das Gästebuch der Gedenkstätte: "Deutschland muss für die Existenz und die Sicherheit Israels einstehen. Das gehört zum unveränderlichen Wesenskern unserer Beziehungen, und zwar für immer." 

Allerdings machte Merz auch politische Differenzen während seines Besuchs deutlich. Er distanzierte sich von Israels Militäreinsatz im Gazastreifen und plädierte für eine Zwei-Staaten-Lösung.

Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) berichtete davon, dass Merz mit Netanjahu am 9. Juli 2026 telefonierte. Die Regierungsoberhäupter tauschten sich laut Angaben des BPA über die Lage im Libanon aus. "Der Bundeskanzler betonte, Schritte hin zu einer faktischen Teilannexion des Westjordanlandes dürfe es nicht geben", heißt es dazu auf der Website. 

Fazit: Online kursierte ein angeblicher Beitrag der "Tagesschau", laut dem Benjamin Netanjahu Deutschland mit einem Angriff gedroht hätte. Dieser Beitrag wurde allerdings gefälscht, wie AFP-Analysen des Videomaterials und offizielle Dementi vonseiten des NDR und des RBB ergaben. 

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