Video einer Hundeattacke auf eine Frau ist KI-generiert
- Veröffentlicht am 21. Juli 2026 um 15:56
- 5 Minuten Lesezeit
- Von: Eduard STARKBAUER, AFP Slowakei
- Übersetzung und Adaptierung: Johanna LEHN, AFP Deutschland
In sozialen Medien kursieren immer wieder Videos, die reale Ereignisse vortäuschen. So wurde im Frühjahr und Sommer 2026 ein Clip einer Frau auf allen Vieren verbreitet, die von einem Hund gebissen wird und sich selbst laut Beschreibung als Hund identifiziert. Das Video wurde jedoch mit Künstlicher Intelligenz generiert – weder die Frau noch der Hund sind echt.
"POV: Du bist linksgestört und identifizierst dich als Hund", steht in einem 12-sekündigen Facebook-Video vom 2. April 2026. Darin ist eine Frau kniend auf allen Vieren zu sehen, die vor einem Supermarkt zu bellen scheint und von einem Hund angegriffen wird. Der Hund ähnelt einem Schäferhund. Anschließend ruft die Frau auf Englisch um Hilfe.
Dasselbe Video wurde Ende Juni 2026 auch auf Instagram in einem sogenannten Reaction-Video gepostet, in dem ein Mann auf das vermeintliche Geschehnis reagiert. Es kursierte außerdem auf verschiedenen anderen Sprachen.
Die dargestellte Szene hat sich jedoch nicht zugetragen: Das Video wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) generiert.
AFP hat zuvor auf Slowakisch über ähnliche Videos berichtet – darunter ein satirisches Video eines Mannes, der sich als Katze identifiziert, sowie ein KI-generiertes Video, in dem eine Gruppe von Personen angeblich vorgibt, Nutztiere zu sein. In ihren Reaktionen stellten die Nutzerinnen und Nutzer das dargestellte Verhalten häufig in einen Zusammenhang mit westlichen liberalen oder progressiven Werten.
Zwar gibt es die sogenannten Furries, also Personen, die sich mit flauschigen Kostümen als Tiere verkleiden und sich mitunter zumindest teilweise nicht menschlich fühlen. Oder auch das sogenannte Pup Play, bei dem sich Menschen Hundemasken aufziehen und das Verhalten eines Hundes nachahmen. Zur Anzahl von Therians, also Menschen, die sich psychisch oder spirituell als Tiere identifizieren, konnte AFP allerdings keine unabhängigen belastbaren Quellen finden. Einem deutschsprachigen Forum von Therians zufolge gehen Schätzungen der Gemeinschaft von mehreren zehntausend Therians weltweit aus.
Video geht in brasilianischem Post viral
In den slowakischen Posts, die AFP finden konnte, ist das Logo des brasilianischen Mediums "Conecta Verdade" zu sehen. Auf dessen Instagram-Account wurde das Video bereits am 10. März 2026 veröffentlicht und wurde seither 7,4 Millionen Mal angesehen und fast 195.000 Mal mit "Gefällt mir" markiert.
Laut der brasilianisch-portugiesischen Beschreibung soll das Video die Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen, auf denen eine Frau zu sehen sei, "die behauptet, sich als Hund zu identifizieren und schließlich von einem echten Hund angegriffen wurde". Weiter heißt es: "Bislang gibt es keine offizielle Bestätigung, ob die Bilder echt sind oder ob es irgendeine Art von Bearbeitung oder Einsatz von KI gegeben hat."
In den darauffolgenden Tagen verbreitete sich das Video in Dutzenden weiteren Beiträgen auf brasilianischem Portugiesisch. Es tauchte außerdem in einem Artikel auf, der auf der Website der Zeitung Diário da Manhã veröffentlicht wurde. Dem Artikel zufolge "haben viele Nutzerinnen und Nutzer die Glaubwürdigkeit der Geschichte und den Kontext, in dem der Angriff stattgefunden hat, diskutiert". Außerdem habe die mediale Aufmerksamkeit rund um den viralen Clip einen "Raum für Diskussionen über Identität, Verhalten und das Zusammenleben mit Tieren" geschaffen.
Laut dem Google-Tool Fact Check Explorer war das Video bereits am 3. März 2026 aufgetaucht, auch wenn diese Version inzwischen nicht mehr verfügbar ist.
Im März 2026 tauchte in sozialen Medien ein weiteres KI-generiertes Tiktok-Video derselben Szene auf. Die Beschreibung dieses Beitrags ist mit jener im brasilianischen Video identisch: "Frau, die sich als Hund identifiziert, von Hund angegriffen." Das Video scheint ebenfalls aus der Vogelperspektive vor einem Ladeneingang aufgenommen worden zu sein und erinnert an Aufnahmen einer Überwachungskamera. Darin ist dieselbe Frau zu sehen, die von einem Hund angegriffen wird, der einem Schäferhund ähnelt. Was dieses Tiktok-Video vom 19. März 2026 jedoch von der Version des brasilianischen Mediums unterscheidet: Es ist mit dem Hinweis versehen, dass es "KI-generierte Medien" enthalte.
Typische KI-Merkmale im Video zu sehen
Das Video weist zahlreiche visuelle Unstimmigkeiten auf, die für KI-generierte Inhalte typisch sind. Auch die Videolänge von zwölf Sekunden deutet auf die Erstellung mit einer kostenlosen Version eines KI-Generierungstools hin, da das etwa der typischen Länge dieser Videos entspricht. Wie die Frau im Video spricht, klingt außerdem künstlich, beinahe robotisch.
Das Video erweckt den Eindruck, es sei von einer Überwachungskamera aufgenommen worden. In dem Video in den brasilianischen Beiträgen erscheint oben links ein Zeitstempel, der die Zeitanzeige der Kamera darstellen soll. Die Sekunden laufen jedoch trotz durchgehender Aufzeichnung des Vorfalls nicht linear fort. So springt der Zeitstempel von 1:29 Minute auf 1:39 Minute und dann sofort auf 2:00 Minuten.
Wenig später, zwischen den Zeitstempeln von 2:02 Minuten und 2:03 Minuten taucht ein Mann in einer grünen Schürze hinter der Frau und dem Hund auf. Innerhalb dieser Sekunde ist jedoch nicht zu sehen, wie er entweder aus der Ladentür tritt oder aus einer anderen Richtung kommt.
Eine Nahaufnahme der Plakate in den Ladenfenstern zeigt, dass weder die Schrift noch die dargestellten Produkte darauf les- oder erkennbar sind.
Das unnatürliche Wackeln des Stapels abgepackter Wasserflaschen, als der Hund dagegen stößt, sowie ein nicht identifizierbares Merkmal auf dem Rücken der Frau sind weitere Hinweise auf die künstliche Erstellung des Videos. Auch die Ladenfront wirkt unnatürlich: Wenn ein Auto von links nach rechts vorbeifährt, erscheinen die Fenster erst ohne Reflexion, spiegeln allerdings das davonfahrende Fahrzeug später. Auch die Gesichter der Personen im Video sehen verzerrt aus – ein weiteres typisches Merkmal von KI-generierten Videos.
Mit einer umgekehrten Bildsuche von Standbildern des Videos fand AFP eine Version des Videos ohne Logo und Text auf Portugiesisch, die am 19. März 2026 auf X veröffentlicht wurde. Die Analysen mehrerer Screenshots dieses Videos mit dem KI-Erkennungstool InVID WeVerify, an dessen Entwicklung AFP beteiligt ist, ergaben jeweils eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Video mit KI erstellt wurde.
Auch das Analysetool Hive Moderation erkannte mit 99,9-prozentiger Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein KI-generiertes Video handelt.
Weitere Faktenchecks zum Thema Künstliche Intelligenz sammelt AFP auf der Website.
Fazit: Ein Video einer Frau, die sich als Hund identifiziert und von einem solchen angegriffen wird, ist KI-generiert. Das zeigen visuelle Unstimmigkeiten wie verzerrte Gesichter und unleserliche Schrift sowie Analyseergebnisse von KI-Erkennungstools.
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