Ukraine-Besuch: Schwedischer König begrüßte Selenskyj per Handschlag
- Veröffentlicht am 21. April 2026 um 12:39
- Aktualisiert am 21. April 2026 um 13:52
- 5 Minuten Lesezeit
- Von: Elena CRISAN, AFP Österreich
Ein beliebtes und immer wiederkehrendes Motiv in pro-russischen sozialen Medien ist die angebliche Brüskierung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj durch führende Politikerinnen und Staatsoberhäupter. Vor diesem Hintergrund zirkuliert ein Video, das angeblich zeigen soll, wie der schwedische König, Carl XVI. Gustaf, Selenskyj bei einem Besuch in der ukrainischen Stadt Lwiw im April 2026 den Handschlag verweigert. Doch die Aufnahme wurde manipuliert und geschnitten. AFP Fotos und Videos vor Ort zeigen deutlich, wie sich die zwei Männer die Hand gegeben haben.
"Mit verächtlichem Blick: Der schwedische König weigerte sich, Zelenskyj bei einem Treffen in Lemberg die Hand zu geben", lautete ein Facebook-Beitrag am 18. April 2026, wobei Lemberg der deutsche Name der ukrainischen Großstadt Lwiw ist. Mehrere solche Beiträge kursierten, nachdem König Carl XVI. Gustaf von Schweden seinen Staatsbesuch in der Ukraine am 17. April 2026 bestritt. "Im Netz wird dieser Moment bereits mit der Tatsache in Verbindung gebracht, dass ein Handschlag mit Selenskyj für westliche Politiker ein schlechtes Omen geworden ist: Einige verlieren ihre Ämter, andere enden ganz schlecht...", hieß es weiter in der Postbeschreibung.
Es ist nicht das erste Mal, dass eine solche Falschbehauptung die Runde macht. Im September 2024 zirkulierten ähnliche Beiträge, die AFP richtigstellte, über eine angebliche Brüskierung Selenskyjs durch den damaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban – der für seine Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin bekannt ist.
Ähnlich machte die Behauptung auch auf Instagram, Telegram und X sowie in mehreren Sprachen wie Arabisch, Bulgarisch, Finnisch, Serbisch, Slowakisch und Tschechisch die Runde.
Doch die Behauptung ist falsch, wie unterschiedliche AFP-Aufnahmen und Stellungnahmen belegen.
Gustaf von Schweden schüttelte Selenskyjs Hand in Lwiw
Der König von Schweden Carl XVI. Gustaf besuchte die ukrainische Stadt Lwiw am 17. April 2026, wie das schwedische Königshaus am selben Tag mitteilte und mehrere Medien berichteten. Es war der erste Besuch eines Monarchen in der Ukraine seit Beginn des Krieges, bei dem ein gemeinsames Gedenken der getöteten Soldaten mit ukrainischen Vertreterinnen und Vertreter geplant war. Auch Außenministerin Maria Malmer Stenergard war Teil der schwedischen Delegation.
AFP veröffentlichte Fotos und Videos des Besuchs. Darauf ist zu sehen, dass der schwedische König tatsächlich Selenskyjs Hand schüttelte.
Den Handschlag fing AFP auch auf Video ein.
Das Büro des ukrainischen Präsidenten veröffentlichte ein Foto von einem anderen Handschlag mit dem Monarchen am Nachmittag des Treffens. Auf Instagram postete Selenskyj ein Video, das mehrere Tagesordnungspunkte mit dem schwedischen König zeigt. Ein darin vorkommender Clip in ähnlicher Kulisse wie im Video mit der Falschbehauptung belegt ebenfalls den stattgefundenen Händedruck.
"Wir sind bereit, unsere Erfahrungen und Technologien mit Schweden zu teilen und die Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie auszubauen", lautete die Videobeschreibung auf Selenskyjs Instagram-Konto.
Zirkulierendes Video sei "Manipulation"
Das schwedische Königshaus dementierte die Falschbehauptung, wonach der schwedische König Selenskyj nicht mit einem Händedruck gewürdigt habe, gegenüber dem schwedischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender SVT am 18. April 2026. Im Bericht wird ein X-Beitrag des russischen Staatssenders Russia Today (RT) erwähnt. AFP konnte das konkrete Video nicht ausfindig machen, da RT in der EU gesperrt ist – dessen Logo ist jedoch in den geteilten Videos zu sehen. Es sei "falsch und hässlich", dass Russland das Treffen so beschreibe. Selenskyj und der König hätten sich im Zusammenhang mit der Sequenz im Clip mehrfach die Hand geschüttelt, zitierte SVT eine Sprecherin des Königshauses. Dieses veröffentlichte zuvor ein Bild, auf dem der Monarch und der Präsident händeschüttelnd in die Kamera lächeln.
Die schwedische Außenministerin Stenergard, die ebenfalls am Lwiw-Besuch teilnahm, sagte laut dem SVT-Bericht: "Wenn die Realität nicht ausreicht, übernimmt die Propaganda. Schwedens starke Unterstützung für die Ukraine setzt Russland offensichtlich so unter Stress, dass es sich gezwungen sieht, die Realität zu verzerren." Seit Februar 2026 unterstützte Schweden das angegriffene Land mit umgerechnet 11,9 Milliarden Euro laut offiziellen Angaben.
Das Ukrainische Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation, das eingerichtet wurde, um Desinformationskampagnen zu entkräften, die im Zusammenhang mit der Ukraine kursieren, widersprach den Online-Darstellungen ebenfalls. In einem X-Beitrag am 18. April 2026 sprach die Behörde von "Manipulation" und schrieb: "Die vollständige Aufzeichnung der Veranstaltung zeigt eindeutig den traditionellen Gruß und den offiziellen Händedruck zwischen den Staatsoberhäuptern."
AFP überprüfte mehrere Falschbehauptungen im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg.
Fazit: Entgegen online kursierender Behauptungen verweigerte König Carl XVI. Gustaf dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Lwiw nicht den Händedruck. Videos, Fotos und offizielle Stellungnahmen belegen, dass sich die beiden während des Besuchs mehrmals die Hand gaben.
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