Neue Epstein-Akten: Politiker im Visier von Falschinfos

Am 30. Januar 2026 veröffentlichte das US-Justizministerium neue Informationen im Fall Jeffrey Epstein. Dabei handelt es sich um Auszüge aus der Korrespondenz des Sexualstraftäters mit Prominenten sowie Dokumente aus Untersuchungen zu dem Thema. Online kursierten daraufhin gefälschte Bilder, die auf Politiker wie den New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani oder den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj abzielen. Diese wurden mit Künstlicher Intelligenz erstellt.

Die jüngste Veröffentlichung von Akten über den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein Ende Januar 2026 schlug in sozialen Medien hohe Wellen. In den Dokumenten genannte Prominente mussten sich daraufhin gegen Vorwürfe wehren, Kenntnis von Epsteins kriminellen Machenschaften gehabt zu haben: darunter SpaceX-Chef Elon Musk, Virgin-Mitbegründer Richard Branson und der Geschäftsmann und jetzige US-Handelsminister Howard Lutnick.

Das galt auch für die Mutter des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani, die Regisseurin Mira Nair. Ihr Name taucht zweimal in der Datenbank auf, erwähnt von einer dritten Person im Austausch mit Epstein.

Gefälschte Bilder zeigen Mamdanis Mutter mit Epstein

In den darauffolgenden Tagen verbreiteten Nutzerinnen und Nutzer in sozialen Medien mehrere Bilder in diesem Zusammenhang. Diese sollten angeblich die Regisseurin und ein Kind – laut den Behauptungen Mamdani – in Begleitung von Epstein und anderen Prominenten zeigen. Darunter seien Ex-US-Präsident Bill Clinton sowie die Milliardäre Bill Gates und Jeff Bezos gewesen.

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X-Screenshots der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 3. Februar 2026

"Man entdeckt auch die zwielichtigen Beziehungen der Mutter von Zohran Mamdani (dem neuen islamisierten Bürgermeister von New York), hier beide, als er noch ein Baby war, mit Clinton und Epstein", schrieb ein X-Nutzer am 2. Februar 2026 auf Französisch. Er griff dabei ein Bild auf, das ursprünglich von US-amerikanischen rechten Influencern geteilt worden war.

Doch diese Bilder sind gefälscht, wie AFP analysierte. Sie wurden mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und finden sich zudem nicht in den zuletzt veröffentlichten Dokumenten der US-Behörden.

Eine Suche in der Epstein-Datenbank des US-Justizministeriums bestätigte zwar, dass die Mutter des New Yorker Bürgermeisters tatsächlich in mehreren Dokumenten auftaucht. Ihr Name erscheint auf einer Einladung an Epstein für einen Abend im Jahr 2010 des unabhängigen Kinos, bei dem Nair als Jurymitglied aufgeführt ist (hier archiviert).

Zudem wird sie in einer E-Mail aus dem Jahr 2009 von einer Pressevertreterin erwähnt (hier archiviert). Darin geht es um die Anwesenheit der Regisseurin bei einer Abendgesellschaft im Haus von Ghislaine Maxwell. Maxwell, Epsteins langjährige Partnerin, verbüßt derzeit eine 20-jährige Haftstrafe wegen Mittäterschaft an den Verbrechen des 2019 verstorbenen Finanziers. Sie hat eine zentrale Rolle beim sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch den US-Multimillionär gespielt. 

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Screenshot der Datenbank "Epstein Library" auf der Website des US-Justizministeriums: 3. Februar 2026 (Pierre MOUTOT)

In der betreffenden E-Mail wird ein Abend erwähnt, den die Regisseurin Nair angeblich an der Seite einflussreicher Persönlichkeiten wie Gates und Bezos verbracht hat. Diesen Moment scheint das in sozialen Medien verbreitete KI-Bild illustrieren zu wollen, indem es Nair und ihren Sohn – damals noch ein Kind – in deren Gesellschaft zeigt.

Das ist jedoch kaum plausibel: Mamdani wurde 1991 geboren und war im Jahr 2009 somit bereits 18 Jahre alt. Er kann also weder das Kind auf der geteilten Aufnahme sein, noch das Baby, das auf anderen KI-generierten Bildern zu sehen ist.

Das ist nicht die einzige Unstimmigkeit: Weitere Bilder zeigen dieselben Personen in ähnlichen Posen, jedoch an unterschiedlichen Orten. Dies deutet darauf hin, dass die Bilder mit KI generiert wurden – möglicherweise auf Basis eines identischen oder ähnlichen "Prompts" (schriftliche Anweisung).

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Screenshots von zwei KI-Bildern, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 3. Februar 2026

Zudem zeigte eine ergänzende Stichwortsuche, dass diese Bilder nicht in der vom US-Justizministerium online gestellten Datenbank der "Epstein Files" enthalten sind.

Bilder wurden mit KI erstellt

Die Bilder wurden tatsächlich mittels KI generiert. Eine Bildanalyse mit dem KI-Erkennungstool von Google zeigt, dass das Bild, auf dem Mamdani als Kind mit schwarzem Oberteil abgebildet ist, ein digitales Wasserzeichen trägt. Das belegt, dass es mit der Google-Anwendung Nano Banana Pro erstellt wurde.

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Screenshot des Google-Bildanalysetools: 3. Februar 2026

Auf mehreren von AFP überprüften Bildern sind zudem drei Buchstaben zu erkennen: "DFF". Eine umgekehrte Bildsuche mit den Aufnahmen und dem Stichwort "DFF" ermöglichte es AFP, die Quelle der vielfach geteilten Bilder ausfindig zu machen.

Die drei Buchstaben bilden den Namen eines englischsprachigen Parodie-Accounts auf X, der auf die Erstellung von "hochwertigen KI-Inhalten" spezialisiert ist. Dieser Account hat in den Tagen nach der Veröffentlichung der neuen Dokumente zu Epstein zahlreiche weitere KI-generierte Inhalte derselben Art veröffentlicht.

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X-Screenshots der Behauptung: 3. Februar 2026

"Ich habe ihn absichtlich als Baby dargestellt, was bedeutet, dass dieses Foto technisch gesehen 34 Jahre alt sein müsste", spottete der Nutzer als Reaktion auf eine Community Note auf X, die darauf hinweist, dass das Bild gefälscht ist (hier archiviert). "Ich habe X gesprengt", brüstete er sich bei der erneuten Veröffentlichung des gefälschten Bildes.

Dies gilt auch für ein weiteres Bild, das in den vergangenen Tagen in sozialen Medien mit der Behauptung verbreitet wurde, es zeige Nair an einem Strand in Begleitung von Epstein: Analysen mit dem Verifizierungstool InVID WeVerify, das von AFP mitentwickelt wurde, ergaben jedoch, dass auch dieses Bild KI-generiert ist.

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Screenshot der Analyse in InVID WeVerify: 3. Februar 2026

Eine umgekehrte Bildsuche zeigte zudem, dass dieses Bild vor dem 2. Februar 2026, also vor der jüngsten Veröffentlichung neuer Dokumente, online nicht zu finden ist. Ebenso wenig gibt es Spuren davon in der Datenbank des US-Justizministeriums zu Epstein.

Fotomontage zielt auf Selenskyj ab

Der New Yorker Bürgermeister Mamdani und seine Mutter sind nicht die einzigen Persönlichkeiten, die online ins Visier von Falschinformationen im Zusammenhang mit Epstein geraten sind.

In sozialen Medien kursierte eine Fotomontage, die Epstein zeigt, wie er einen jungen Mann umarmt, der dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ähnlich sieht. Versehen mit der Beschreibung "Ratet mal, wer dieser junge Mann ist?", verbreitete sich das Bild auf X etwa auf Französisch. Es kursierte zudem mit Beschreibungen in zahlreichen anderen Sprachen wie Englisch.

In den Kommentaren verwies ein Nutzer auf ein Foto von Epstein, auf dem er Maxwell umarmt. Derselbe Ring sowie der Träger des Kleides auf der Schulter sind deutlich zu erkennen. Zudem trägt Epstein denselben Pullover. 

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X-Screenshot, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt (links); Screenshot von AFP Forum (rechts): 3. Februar 2026

Das Bild war im Jahr 2021 veröffentlicht worden.

Nährboden für Verschwörungserzählungen

Der Fall Epstein, der das politische Leben in den USA seit Jahren erschüttert, zieht weltweit immer weitere Kreise und belastet hochrangige Persönlichkeiten.

Die bloße Erwähnung einer Person in den Dokumenten lässt jedoch nicht automatisch auf ein Fehlverhalten schließen. Dennoch belegen die veröffentlichten Unterlagen zumindest Verbindungen zwischen dem Sexualstraftäter Epstein oder seinem Umfeld mit bestimmten Persönlichkeiten, die solche Kontakte oft heruntergespielt oder geleugnet haben.

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Screenshot der Website des US-Justizministeriums: 3. Februar 2026

Epstein wurde 2019 vor seinem Prozess wegen Sexualverbrechen erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle aufgefunden. Sein Tod befeuerte zahllose Verschwörungserzählungen, wonach er etwa ermordet worden sei, um einflussreiche Persönlichkeiten zu schützen.

AFP überprüfte bereits mehrere Behauptungen zu diesem Fall. Alle Faktenchecks zum Thema KI sammelt AFP zudem auf der Website.

Fazit: Nach der Veröffentlichung neuer Informationen im Fall Jeffrey Epstein kursierten Bilder online, die den verurteilten Sexualstraftäter mit Politikern wie dem New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani oder dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zeigen sollen. Hierbei handelt es sich jedoch um Fälschungen, die mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurden.

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