Nahost-Krieg: Keine Ausschreitungen am Flughafen in Tel Aviv, sondern Jugendgewalt in Jerusalem 2025

Der Nahost-Krieg hat den weltweiten Flugverkehr beeinträchtigt, nachdem mehrere Flughäfen in der Region geschlossen wurden und zahlreiche Fluggesellschaften ihre Dienste einstellten. Vor diesem Hintergrund verbreiteten Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien ein Video mit der falschen Zuschreibung, es zeige Israelis, die am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv randaliert und verlangt hätten, Israel verlassen zu dürfen. Doch das Video stammt tatsächlich aus dem Jahr 2025. Es zeigt Zusammenstöße zwischen Jugendlichen in einem Kino in Jerusalem und steht in keinem Zusammenhang mit der aktuellen Lage im Nahen Osten.

"Ausschreitungen am Ben Gurion Flughafen in Tel Aviv", lautet die Beschreibung eines Facebook-Posts am 12. März 2026. Dazu wurde ein 25 Sekunden kurzer Clip geteilt, der zeigen soll, wie "Israelis" gegen eine Ausreisesperre protestieren.

Ähnliche Beiträge kursierten auch auf Instagram. In Griechenland verbreitete sich die Falschbehauptung ebenfalls sowie auf Arabisch und Englisch.

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Facebook-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 19. März 2026

Nach dem Kriegsausbruch infolge der US‑israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar 2026 kündigten kommerzielle Fluggesellschaften wie die deutsche Lufthansa und die französische Air France an, Flüge zu wichtigen Flughäfen in der Region auszusetzen, insbesondere in die Vereinigten Arabischen Emirate, den Libanon, Israel und den Iran.

Der Flugverkehr an Flughäfen in der Golfregion blieb trotz der teilweisen Wiederaufnahme des Betriebs an den stark frequentierten Flughäfen in Dubai und Doha am 17. März 2026 durch den US‑israelischen Krieg im Iran weiterhin erheblich gestört. Der nahezu vollständige Betriebsstillstand der Flughäfen hat den globalen Flugverkehr gelähmt und tausende Passagiere, vor allem in Asien, stranden lassen.

Das Video ist alt und stammt aus Jerusalem

Eine umgekehrte Bildsuche mit Screenshots aus dem Clip ergab, dass das Video am 20. Juli 2025 auf mehreren Nachrichtenseiten und Social‑Media‑Accounts veröffentlicht wurde.

Die Beschreibungen dieser Beiträge deuten darauf hin, dass der Clip damals "anti‑arabische Ausschreitungen israelischer Jugendlicher" im Cinema City in Jerusalem zeigt.

Ein hebräischer Beitrag vom 20. Juli 2025 lautet beispielsweise übersetzt: "Cinema City Jerusalem gestern: randalierende Jugendliche, die Gegenstände auf Mitarbeiter vor Ort werfen, sich versammeln und 'Tod den Arabern' skandieren."

AFP fand das Kino auf Google Maps und konnte einen Screenshot‑Vergleich durchführen, der zeigt, dass es sich in beiden Fällen um denselben Ort handelt.

Ein Vergleich mit Google‑Maps‑Aufnahmen aus November 2021 und dem verbreiteten Clip zeigt ähnliche Elemente. In beiden Ansichten ist eine Rolltreppe im Hintergrund zu erkennen sowie die auffälligen Wandfliesen.

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Screenshot-Vergleich des Videos samt der Falschbehauptung (links) und des Kinos auf Google Maps (rechts), bunte Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 17. März 2026

Ebenfalls zu erkennen sind die graue Säule sowie gelben horizontalen Balken rechts und links davon.

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Screenshot-Vergleich des Videos samt der Falschbehauptung (links) und des Kinos auf Google Maps (rechts), bunte Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 17. März 2026

Am 17. März 2026 erklärte Israel, den Anführer der für die innere Sicherheit zuständigen Basidsch-Miliz Gholamresa Soleimani und den iranischen Sicherheitschef Ali Laridschani getötet zu haben. Die iranischen Revolutionsgarden gaben an, ihre Kräfte hätten mehrere ausländische "Spione" in einer nordöstlichen Provinz festgenommen, ohne deren Staatsangehörigkeiten offenzulegen.

Im Zuge des Konfliktes sind globale Ölpreise sehr stark angestiegen, bis hin zu 119 US-Dollar pro Barrel am 19. März 2026. Der Grund dafür ist Irans Schließung der wichtigen Straße von Hormus, durch die ein großer Teil des internationalen Öltransports verläuft. Am 20. März 2026 ist der Preis leicht zurückgefallen.

Der Krieg im Nahen Osten hat zu einer großen Menge an Fehlinformationen geführt, die AFP verifizierte.

Fazit: Ein Clip wurde in sozialen Medien mit der Behauptung verbreitet, er zeige Israelis, die am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv aufgrund einer Ausreisesperre randalierten. Doch die Aufnahme steht nicht im Zusammenhang mit dem Nahost-Krieg und zeigt eine Szene, die sich im Jahr 2025 in einem Kino in Jerusalem abspielte.

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