Dieses Video ist alt und zeigt keine "Zensurkampagne" Israels
- Veröffentlicht am 26. März 2026 um 15:26
- 4 Minuten Lesezeit
- Von: Roxana ROMERO, AFP Mexiko
- Übersetzung und Adaptierung: Elena CRISAN, AFP Österreich
Medien, die über den Krieg im Nahen Osten berichten, sehen sich zunehmend Einschränkungen und Zensur ausgesetzt. Vor diesem Hintergrund kursierte online ein Video, auf dem ein Mann zu sehen ist, der eine Überwachungskamera von einem Mast reißt. Es wird in sozialen Medien fälschlich behauptet, die israelische Regierung habe diese Maßnahme angeordnet, um das Ausmaß der Kriegsschäden in Israel zu vertuschen. Die Aufnahmen stammen aber aus dem Jahr 2025 und zeigen tatsächlich, wie ein israelischer Polizist Kameras abbaute, die von kriminellen Organisationen in öffentlichen Räumen installiert wurden.
Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien vermuteten in einem Facebook-Post am 9. März 2026 eine "beispiellose Zensurkampagne" aus Israel. "Israelis zerstören Straßenkameras, um Aufnahmen von iranischen Raketenangriffen zu verbergen", heißt es. Zusätzlich drohe die Regierung mit "Gefängnisstrafen und Geldbußen".
Ähnliche Behauptungen kursierten in mehreren Sprachen, darunter Arabisch, Bulgarisch, Englisch, Griechisch, Slowakisch und Spanisch.
Der US-israelische Krieg gegen den Iran weitete sich seit dem Beginn der Angriffe am 28. Februar 2026 im gesamten Nahen Osten aus. Israel griff auch den Libanon an, während die iranische Offensive US-Militärbasen und die Öl-Infrastruktur in den Golfstaaten anvisierte. Der globale Ölpreis ist seitdem um rund 60 Prozent gestiegen.
Am 21. März 2026 berichtete die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation Hrana, dass in im Iran mindestens 3230 Menschen getötet worden seien, darunter 1406 Zivilistinnen und Zivilisten und mindestens 210 Kinder.
Israelische Rettungsdienste und Behörden teilten mit, dass iranische Raketenangriffe seit Beginn des Krieges 15 Zivilistinnen und Zivilisten – darunter 13 Israelis und vier Minderjährige – getötet hätten, sowie eine philippinische Pflegekraft und eine Person mit thailändischer Staatsbürgerschaft, wie AFP am 23. März 2026 berichtete.
Doch das online verbreitete Video steht nicht im Zusammenhang mit diesen Ereignissen.
Das Video stammt aus Oktober 2025
Eine umgekehrte Bildsuche mit Screenshots aus dem Video führte zu einem Beitrag auf dem Instagram-Account der Polizei von Westgaliläa in Israel, die das Video am 22. Oktober 2025 geteilt hatte.
Obwohl das Konto nicht verifiziert ist, befindet sich in der oberen linken Ecke des Clips das Emblem der regionalen Polizeidienststelle in Westgaliläa. Die hebräische Bildunterschrift lautet übersetzt: "Die Polizei von Westgaliläa setzt die Demontage von Kameras fort, die von kriminellen Organisationen im öffentlichen Raum installiert wurden."
Auf dem Instagram-Account – der laut AFP Recherchen erst im Oktober 2025 eingerichtet wurde – sind weitere Beiträge zu sehen, in denen Polizistinnen und Polizisten Kameras demontieren, die "von Kriminellen installiert" worden wären. Der jüngste Beitrag wurde am 5. März 2026 geteilt, und in der Bildunterschrift wird erläutert, dass die demontierten Kameras "illegal von Täterinnen und Tätern installiert" worden seien. Die Kameras würden "den öffentlichen Raum" verletzen und "die Sicherheit und Privatsphäre der Bewohnerinnen und Bewohner" beeinträchtigen.
Eine Stichwortsuche nach "Polizei von Westgaliläa" und "Demontage von Kameras" führte zu mehreren israelischen Nachrichtenberichten, die solche Einsätze dokumentierten.
Aussagen, wonach Israel "Gefängnisstrafen und Geldbußen" für Bürgerinnen und Bürger vorsehen würde, die Fotos der Zerstörungen durch iranische Angriffe veröffentlichen würden, sind ebenfalls nicht zutreffend. Das bestätigte Tahila Schwarz Altshuler, die an der unabhängigen Denkfabrik "Israel Democracy Institute" tätig ist, in einer E-Mail an AFP am 20. März 2026.
Gleichzeitig sehen sich Journalistinnen und Journalisten, die über den Nahost-Krieg berichten, "mit immer stärkeren Einschränkungen und Zensur" konfrontiert, die von Regierungen und bewaffneten Gruppen auferlegt werden. "Reporterinnen und Reporter werden aufgehalten, befragt und manchmal sogar festgehalten", teilten Leiterinnen und Leiter von AFP-Büros in der Region am 10. März 2026 mit. Demnach gelten im Iran und in Israel strenge Einschränkungen.
"Das Militär hat auch das Filmen von Einschlägen in oder in der Nähe von Sicherheitsanlagen verboten, erlaubt jedoch die Berichterstattung über Schäden unter der Zivilbevölkerung, solange die genauen Standorte nicht offengelegt werden", berichteten AFP-Journalistinnen und -Journalisten über die Situation in Israel. Sie sagten, dass der israelische Brigadegeneral Netanel Kula, der Chefzensor des Militärs, Richtlinien an Medien verschickte, in denen "eine Reihe von Themen und Fragen angeführt" würden, die "ohne offizielle Genehmigung nicht veröffentlicht werden dürfen". Das Hauptziel sei "zu verhindern, dass der Feind während des Krieges unterstützt wird, was eine reale Bedrohung für die Staatssicherheit darstellt", so Kula.
Der Nahost-Krieg hat mehrere Falschinformationen hervorgerufen, die AFP überprüfte.
Fazit: Ein Video eines Mannes, der eine Überwachungskamera abmontiert, wurde mit der Behauptung geteilt, Israel hätte die Entfernung dieser Geräte angeordnet, um Schäden zu vertuschen, die iranische Angriffe verursacht hätten. Obwohl im Iran und in Israel Medien nur eingeschränkt arbeiten dürfen, beweist das Video keine angebliche Zensur. Der Clip ist alt und steht nicht im Zusammenhang mit dem Nahost-Krieg.
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