Einkaufszentrum Amstor in Krementschuk am 28. Juni 2022 ( AFP / Genya Savilov)

Dieses ukrainische Einkaufszentrum war nicht wie von Russland behauptet während eines Raketenangriffs geschlossen

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Am 27. Juni 2022 wurde die ukrainische Stadt Krementschuk von zwei russischen Raketen getroffen. In Folge des Angriffs wurde ein Einkaufszentrum zerstört, wobei mindestens 18 Menschen ihr Leben verloren. Russland bestreitet, das Einkaufszentrum beschossen zu haben und behauptet zudem, es sei zu diesem Zeitpunkt geschlossen gewesen. Auch in sozialen Netzwerken haben Hunderte User den tödlichen Angriff infrage gestellt. Als Beleg soll ein Screenshot von Google Maps dienen, wonach das Einkaufszentrum zum Zeitpunkt des Angriffs geschlossen gewesen sei. Zeugenaussagen und andere von AFP gesammelte Beweise zeigen jedoch, dass das Einkaufszentrum bis zu dem Angriff für Kunden geöffnet war. Für die Behauptung Russlands, das Einkaufszentrum sei lediglich durch ein Feuer zerstört worden, gibt es keine Belege.

Wie mehrere Nachrichtenagenturen (hier, hier), darunter auch AFP, berichteten, schlug am 27. Juni 2022 eine russische Rakete in einem Einkaufszentrum in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk ein. Nach ukrainischen Angaben wurden dabei mindestens 18 Menschen getötet und 60 weitere verletzt. Dutzende Menschen werden noch vermisst.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij verurteilte den Angriff auf das Einkaufszentrum als "einen der schamlosesten terroristischen Akte in der europäischen Geschichte". Das russische Militär bestritt dagegen, das Einkaufszentrum angegriffen zu haben und behauptete zudem, dass es zum Zeitpunkt des Angriffs nicht geöffnet gewesen sei. In einer Erklärung gegenüber der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti vom 28. Juni 2022 erklärte das russische Verteidigungsministerium, es habe am 27. Juni 2022 ein Waffenlager in der Zentralukraine angegriffen. Die dabei ausgelösten Explosionen hätten zu einem Brand in einem geschlossenen Einkaufszentrum geführt. Der Angriff habe "ein Depot mit Waffen und Munition aus den USA und europäischen Ländern in der Nähe der Automobilfabrik Krementschuk" getroffen, heißt es in der Erklärung des russischen Militärs. "Die Explosionen der Munition für westliche Waffen lösten einen Brand in dem nahe gelegenen Einkaufszentrum aus, das zu diesem Zeitpunkt nicht in Betrieb war."

Am 29. Juni 2022 bestritt auch der russische Präsident Wladimir Putin, dass Moskaus Streitkräfte für den Angriff auf das Einkaufszentrum verantwortlich seien. "Unsere Armee greift keine zivilen Einrichtungen an. Wir haben alle Möglichkeiten zu wissen, was sich wo befindet", sagte Putin bei einem Besuch in der turkmenischen Hauptstadt Aschgabat, wie AFP berichtete.

Die Behauptung: Diese Version der Ereignisse wurde auch von Nutzerinnen und Nutzern in sozialen Medien aufgegriffen, wo Hunderte User einen Screenshot von Google Maps auf Facebook teilten. Auch auf Telegram sahen Hunderttausende den Screenshot. Dieser zeigt den Google-Maps-Eintrag des Einkaufszentrums Amstor, das dort als geschlossen markiert ist. Die User stellen daraufhin die ukrainische Darstellung der Ereignisse in Krementschuk infrage: "Was soll man glauben? In der Ukraine soll ein Einkaufszentrum der 'Amstor'-Kette getroffen worden sein", schreibt ein Nutzer und fügt den Screenshot von Google Maps hinzu, wobei er die Berichte von Journalistinnen und Journalisten über das Ereignis anzweifelt. Ähnliche Behauptungen verbreiteten sich auch auf Englisch, Französisch und Finnisch.

Die von AFP gesammelten Beweise, darunter Online-Videos und Kassenzettel von Geschäften aus dem Einkaufszentrum, zeigen jedoch, dass das Einkaufszentrum in den letzten Monaten und Wochen vor dem russischen Angriff für den normalen Geschäftsbetrieb geöffnet war. AFP sprach außerdem mit mehreren Opfern, die im Einkaufszentrum von Krementschuk verletzt wurden.

Facebook-Screenshot der Behauptung: 30.06.2022

Einträge auf Google Maps sind nicht zwingend korrekt

Die Behauptungen in den sozialen Medien über die Schließung des Einkaufszentrums beruhen auf einem Screenshot von Google Maps, auf dem Einkaufszentrum Amstor in Krementschuk als "dauerhaft geschlossen" bezeichnet wird. Dies ist jedoch keine verlässliche Information. Google Maps selbst warnt mit einem Hinweis vor der mangelnden Aussagekraft der angegebenen Öffnungszeiten: "Die Informationen zu diesem Ort sind möglicherweise veraltet. Achte immer auf die Bedingungen vor Ort, die sich schnell ändern können", heißt es in dem Eintrag, der auch in den geteilten Postings zu sehen ist. Auf der Hilfeseite von Google Maps ist es möglich, inhaltliche Fehler zu melden und auf einer Produktseite erklärt Google, mit welchen Methoden das Unternehmen versucht, zuverlässige Informationen zu sammeln. Auf einer weiteren Hilfeseite erklärt Google auch, wie sich Öffnungszeiten von Geschäften hinzufügen und ändern lassen.

Dass die Informationen von Google Maps nicht immer korrekt sind, zeigt sich auch daran, dass das Einkaufszentrum am 28. Juni 2022, einen Tag nach dem Anschlag, in den Google-Maps-Informationen wieder als geöffnet aufgeführt ist. Einige der Beiträge in den sozialen Medien wurden später aktualisiert, um hinzuzufügen, dass das Einkaufszentrum trotz der gegenteiligen Angaben auf Google Maps am Tag des Raketenangriffs geöffnet gewesen sein soll.

Das Einkaufszentrum war geöffnet, wie Zeugen und Quittungen bestätigen

Vertreter der ukrainischen Regierung widersprachen den russischen Behauptungen, das Einkaufszentrum sei am Tag des Angriffs nicht geöffnet gewesen: Danil Getmantsev, der Vorsitzende des Ausschusses für Finanzen, Steuern und Zollpolitik im ukrainischen Parlament, schrieb am 28. Juni 2022 auf seinem Telegram-Kanal, dass nach Angaben der ukrainischen Steuerbehörde am Tag des Angriffs 58 Kassen in dem Einkaufszentrum in Betrieb waren, die an diesem Tag einen Umsatz von 2,9 Millionen ukrainischen Hrywnja, rund 95.000 Euro, registrierten.

Angestellte des Einkaufszentrums, die am 27. Juni 2022 verletzt wurden, gaben AFP nach dem Angriff Interviews, wie in diesem Video zu sehen ist:

Am 30. Juni sprach AFP außerdem mit Aleksandra Lukina, einer Mitarbeiterin des Zerna-Cafés im Einkaufszentrum Amstor. Sie sagte gegenüber AFP, dass sie am 26. Juni, einen Tag vor dem Angriff, dort gearbeitet habe. Am 27. Juni sei sie in der Nähe des Flusses Dnipro gewesen, als sie Explosionen hörte und zum Amstor ging. "Ich sah das ganze Gebäude in Flammen stehen: Eingang, Wände, alles. Ich sah Feuerwehrleute bei der Arbeit, aber auch einfache Leute, meist junge Männer, die ihnen halfen, wo es noch möglich war, Menschen zu retten (vor allem in der Nähe des Eingangs). Ich habe viele Rettungswagen gesehen."

Sie bestätigte AFP auch, dass das Amstor in den vergangenen Monaten geöffnet war. "Das Amstor war in all den Monaten des Krieges wie gewohnt geöffnet. Nach dem 24. Februar 2022 war es ein oder zwei Wochen geschlossen, aber sobald uns klar wurde, dass unsere Stadt relativ sicher ist, öffnete das Amstor und wurde nicht wieder geschlossen", sagte sie gegenüber AFP. Sie schätzte, dass an Wochentagen, wie dem Montag des Anschlags, insgesamt etwa 1000 Menschen das Einkaufszentrum besuchen.

Darüber hinaus hat AFP die Kassenbelege einer Anwohnerin aus dem Einkaufszentrum überprüft. Eine Quittung, die auf den 17. Juni um 13.16 Uhr datiert ist, belegt, dass ein schwarzer Herren-Ledergürtel für 125 Hrywnja, etwa vier Euro, in einem Geschäft in der Khalamenyuka-Straße 7, dem Standort des Amstor-Einkaufszentrums, gekauft wurde.

Kassenbeleg aus einem Geschäft des Amstor-Einkaufszentrums vom 17. Juni 2022

Ein weiterer Kassenbon desselben Geschäfts belegt, dass das Einkaufszentrum auch eine Woche zuvor, am 11. Juni 2022 um 17.12 Uhr, geöffnet war. Hier wurden Sommersandalen mit Absätzen für 3038 ukrainische Hrywnja, etwa 99 Euro, gekauft.

Kassenbeleg aus einem Geschäft des Amstor-Einkaufszentrums vom 11. Juni 2022

Nutzer verschiedener Telegram-Kanäle teilten zudem aktuelle Quittungen aus dem Amstor (hier, hier), deren Echtheit von AFP jedoch nicht im Einzelnen bestätigt werden konnte. Sie zeigen Einkäufe vom Tag des Anschlags zwischen 10.09 und 15.44 Uhr.

Auch andere online gefundene Aufnahmen scheinen zu bestätigen, dass das Einkaufszentrum in den Tagen und Wochen vor dem Angriff geöffnet war. Die BBC erwähnt in einem Beitrag ein Influencer-Paar aus Krementschuk. Auf ihrem Kanal "Family Lapkin Life" veröffentlichen sie regelmäßig Vlogs aus ihrem täglichen Leben. In einem Video mit dem Titel "26.06.2022 Versicherung für Moskwitsch abgeschlossen", das sie am 27. Juni 2022 auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlichten, sind sie beim Einkauf im Amstor zu sehen. In dem Video sind auch weitere Personen zu sehen, die dort Einkäufe erledigen.

Abgesehen vom Titel des Videos gibt es weitere Hinweise darauf, dass das Video erst kürzlich aufgenommen wurde. Nach dem Angriff luden sie zwei Videos auf YouTube hoch: In einem kurzen Video mit dem Titel "27.06.2022 wir sind am Leben" teilen sie ihren Zuschauern mit, dass es ihnen gut geht. In einem längeren Video mit dem Titel "27.06.2022 Thank God we went to the dacha!" sind sie in einem Ferienhaus zu sehen, wo sie erst von dem Anschlag auf das Amstor-Einkaufszentrum erfahren haben wollen. Auch auf ihren Instagram-Profilen posteten die beiden am 27. Juni 2022 jeweils ein Bild (hier, hier), auf dem dieselbe Frau sehen ist, die das Einkaufszentrum besucht und die dasselbe Kleid wie in dem Video vom 27. Juni 2022 trägt.

Die Nachrichtenagentur dpa erwähnt in einem Faktencheck zum Angriff auf Krementschuk, dass ein Geschäft für Handyzubehör im Amstor-Einkaufszentrum noch im Juni 2022 auf Google Maps Bilder der Filiale aktualisierte. Auf den Bildern sind auch Besucher des Einkaufszentrums zu sehen.

Nach dem Anschlag beklagten mehrere Geschäfte in den sozialen Medien den Verlust von Mitarbeitern, die sich während des Angriffs im Einkaufszentrum aufgehalten hatten. Das Unternehmen Comfy, das eine Filiale im Amstor betreibt, veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite eine Erklärung, in der es den 27. Juni 2022 als "schwarzen Tag" in der Geschichte der Ukraine und des Unternehmens bezeichnete. Demnach kam ein Mitarbeiter des Geschäfts in Krementschuk bei dem Angriff ums Leben, andere wurden verletzt oder seien noch vermisst.

Mehrere Medien sprachen zudem mit Augenzeugen, die sich während des Angrifs im Einkaufszentrum aufhielten. In einem Artikel vom 28. Juni 2022 sprach die "New York Times" mit einem Kunden, der beschrieb, dass er sich zum Zeitpunkt des Einschlags im Amstor-Einkaufszentrum befand und verletzt ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Ziel der Angriffe

Unbestritten ist, dass das Einkaufszentrum in Krementschuk am 27. Juni 2022 in Folge eines russischen Raketenangriffs zerstört wurde und eine Rakete ein Fabrikgelände nördlich des Einkaufszentrums traf. Die russischen Behörden dementieren jedoch, das Einkaufszentrum selbst getroffen zu haben. Am Tag nach dem Angriff veröffentlichte die russische Botschaft in London einen Tweet, in dem sie behauptete, eine der beiden Raketen habe nicht das Einkaufszentrum, sondern die Bahngleise in der Nähe des Bahnhofs von Krementschuk getroffen, über die ukrainische Truppen mit Nachschub versorgt würden. Die Bahngleise liegen etwa 320 Meter östlich des Einkaufszentrums.

Satellitenbild des Amstor-Einkaufszentrums und des nahe gelegenen Fabrikgeländes. Die Entfernung zwischen dem Einkaufszentrum und der Einschlagstelle der zweiten Rakete beträgt mehr als 500 Meter, Screenshot aus Google Maps: 30.06.2022 (Hervorhebungen durch AFP)

Der russischen Darstellung zufolge galt der Angriff einer Fabrik für Straßenbaumaschinen, "in der westliche Militärausrüstung und Munition gelagert wurden". Der Raketeneinschlag führte dort zu Explosionen, die wiederum "einen Brand in einem nicht funktionierenden Einkaufszentrum neben den Anlagen der Fabrik" verursachten. Verschiedene Aufnahmen von Überwachungskameras und Videos, die in den sozialen Medien gepostet wurden, widersprechen dieser Schilderung der Ereignisse jedoch.

Diese Aufnahme einer Überwachungskamera von einem Betriebsgelände nördlich des Einkaufszentrums, die von einem Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskij auf Twitter veröffentlicht wurde, zeigt den Moment des Einschlags einer der beiden Raketen. AFP konnte den Standort der Kamera anhand von Satellitenbildern von Google Maps rekonstruieren. Obwohl der genaue Ort des Einschlags aus dem Filmmaterial nicht bestimmt werden kann, wird aus dem Winkel der Rakete deutlich, dass sie nicht in Richtung des Bahnhofs oder des Fabrikgeländes flog. Auch die Satellitenaufnahmen von den Folgen der Einschläge zeigen keine sichtbaren Schäden in der Nähe des Bahnhofs, wie auch eine Untersuchung der Rechercheplattform Bellingcat zeigt.

Satellitenbild des Einkaufszentrums und der vermuteten Position der Überwachungskamera (links). Screenshot der Aufzeichnung des Überwachungsmaterials kurz vor dem Einschlag der Rakete (rechts), Screenshots aus Google Maps: 30.06.2022 (Hervorhebungen durch AFP)

Weitere Aufnahmen von Überwachungskameras aus der Umgebung zeigen die beiden Raketeneinschläge aus dem nahe gelegenen Mis'ky-Park (oder "City Garden"), der sich nördlich des Fabrikgeländes befindet. Das Filmmaterial wurde AFP vom Manager des Parks, Vitaly Dedyurin, zur Verfügung gestellt. Der Park befindet sich etwa 530 Meter nördlich des Einkaufszentrums und in unmittelbarer Nähe des Fabrikgeländes. Die Aufnahmen zeigen, wie mehrere Parkbesucherinnnen und -besucher versuchen, vor den umherfliegenden Trümmern des zweiten Raketeneinschlags in Deckung zu gehen.

Bei 00:29 ist im Hintergrund eine Rauchwolke (oranger Pfeil) zu sehen, die von einer Explosion aufzusteigen scheint, bevor kurz darauf die zweite Rakete (roter Pfeil) einschlägt. Anhand der geographischen Lage des Parks lässt sich schlussfolgern, dass der Rauch aus Richtung des Einkaufszentrums (oranger Pfeil) und nicht vom Bahnhof stammen muss.

Satellitenbild der Umgebung des Fabrikgeländes (links) und ein Screenshot eines Überwachungsvideos aus dem Mis'ky-Park (rechts). In diesem Moment schlägt die zweite Rakete in dem Fabrikgelände ein (oben links, von AFP rot markiert). Am mittleren oberen Bildrand ist bereits eine Rauchwolke zu sehen (oben, von AFP orange markiert), in etwa dort, wo auch das Einkaufszentrum liegt.

Darüber hinaus beträgt die Entfernung zwischen dem Einkaufszentrum und dem angegriffenen Fabrikgelände rund 530 Meter. Es ist unwahrscheinlich, dass der Brand des Einkaufszentrums durch ein Feuer auf dem Fabrikgelände verursacht wurde, wie von der russischen Regierung behauptet wird. Am 1. Juli 2022 sprach AFP mit Oleksandr Zholonkovskiy, der nach eigenen Angaben seit 1994 in der Fabrik arbeitet. Am 28. und 29. Juni 2022 reinigte er das Gelände seiner Firma von zerbrochenen Fensterscheiben.

Im Werk, sagte er, habe es überhaupt kein Feuer gegeben. Auch er hält es für ausgeschlosen, dass der Treffer dauf dem Fabrikgelände das Einkaufszentrum in Brand hätte setzen können: "Der Einschlag hat den Teil des Werks getroffen, der weit vom Amstor entfernt ist, fast auf der gegenüberliegenden Seite. Es ist also unmöglich, dass sich das Feuer derart hätte ausbreiten können." Er habe auch nie gesehen, dass militärische Ausrüstung, Waffen oder Munition auf dem Werksgelände gelagert worden seien.

AFP-Journalisten besuchten die Maschinenfabrik am 28. Juni 2022 und stellten fest, dass lediglich ein Gebäude zerstört wurden, während andere intakt blieben. Auf den ersten Blick sahen sie keinerlei militärische Ausrüstung. Auch die befragten Anwohner wussten nichts von einer militärischen Nutzung.

Experte hält die verwendeten Raketen für unpräzise

Unter Berufung auf Angaben des ukrainischen Luftwaffenkommandos berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am 27. Juni 2022, der Angriff sei mit russischen X-22-Raketen erfolgt. Die Marschflugkörper, die auch als Kh- oder Ch-22 bezeichnet werden, sollen demnach von Tu-22M3-Bombern abgefeuert worden sein, die vom Flugplatz Shaykovka in der russischen Region Kaluga gestartet seien.

Pavel Podvig ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut der Vereinten Nationen für Abrüstungsforschung (Unidir) und Experte für russische Waffen. Am 30. Juni 2022 schrieb er in einer E-Mail an AFP, dass Marschflugkörper vom Typ X-22 ursprünglich als Anti-Schiffs- oder Anti-Radar-Raketen entwickelt worden seien. Ihm zufolge sind diese Raketen keine Präzisionswaffen, wie die russischen Streitkräfte behaupten, insbesondere nicht, wenn sie für Ziele an Land eingesetzt werden. Raketen dieser Art suchten in der Regel nach einem kontrastreichen Ziel, wie ein Schiff auf dem Meer für ein Radar aussehen würde, erklärte Podvig. "Es würde auch bedeuten, dass sie nicht in der Lage sind, Ziele an Land mit einer gewissen Präzision anzugreifen. Sie können eine Fläche an Land treffen, aber wahrscheinlich nicht mehr als das."

Auf die Frage, ob eine X-22-Rakete ihr Ziel um mehrere hundert Meter verfehlen könne, sagte Podvig: "Ja, diese Art von Verfehlung scheint mir denkbar. Die Rakete wird wahrscheinlich das Ziel angreifen, welches das stärkste Signal innerhalb eines bestimmten Bereichs reflektiert, der durchaus in der Größenordnung eines Kilometers liegen kann. Je nach den Umständen könnte es sich dabei nicht um das Ziel handeln, das die Rakete eigentlich treffen sollte. Wenn der Angreifer nicht sicher ist, dass das beabsichtigte Ziel tatsächlich das stärkste Signal zurücksenden wird (wie es bei einem Schiff der Fall wäre), sollte er damit rechnen, dass die Rakete ein anderes Objekt treffen könnte."

Fazit: Das Shoppingcenter Amstor im ukrainischen Krementschuk war geöffnet, bis es am 27. Juni 2022 zerstört wurde. Rechnungen, Videos und Augenzeugenberichte belegen das. Ein anderslautender Google-Maps-Eintrag kann nicht als Beleg herangezogen werden.

8. Juli 2022 Link zu Google Maps korrigiert
6. Juli 2022 Kommafehler in der Währungsumrechnung korrigiert
5. Juli 2022 Tippfehler ausgebessert
5. Juli 2022 Bildbeschreibung Headerbild ergänzt
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