Dieses Video einer Kinschal-Rakete ist nicht echt, sondern digital erstellt

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Dutzende User haben Mitte Juni 2022 auf Facebook ein Video eines Raketeneinschlags geteilt. Angeblich habe ein Reporter zufällig die Zerstörung eines ukrainischen Bunkers mit einer russischen Hyperschall-Rakete vom Typ Kinschal gefilmt. Auch wenn Russland tatsächlich den Einsatz solcher Raketen in der Ukraine angekündigt hat, ist das geteilte Video lediglich ein digital erstellter Clip eines Künstlers.

Dutzende Facebook-User haben das "Kinschal"-Video Mitte Juni 2022 auf Facebook geteilt, das zeigen soll wie eine russische Hyperschall-Rakete ein ukrainisches Waffendepot in einem Bunker zerstört. Das Video kursierte auch auf Twitter. Auf Telegram erreichte das Video mehr als 150.000 User. Auch ein Blog mit dem Namen "Verschwörungen" hat das Video verbreitet.

Das Video wurde auch in anderen Sprachen geteilt, etwa auf Englisch, Italienisch, Griechisch, Slowakisch, Ungarisch, Bulgarisch, Polnisch, Bosnisch und Niederländisch.

Die Behauptung: User teilen das Video eines Raketen Einschlags mit einer Explosion. Dazu heißt es im Beitragstext in allen Versionen ähnlich: "Video eines US-Reporters filmt zufällig die Zerstörung eines in einem 36 Meter tiefen sowjetischen Bunker befindenden strategischen Waffendepots der ukrainischen Kiewer Regime-Truppen – durch eine russische Hyperschall-Rakete 'Kinzhal'."

Screenshot des Behauptung auf Facebook: 24.06.2022

Seit der Invasion russischer Truppen in der Ukraine im Februar 2022 kursieren immer wieder falsche Informationen über einzelne Kriegshandlungen. So wurden immer wieder Szenen aus Videospielen als echte Kriegsszenen ausgegeben (hier, hier, hier). Das aktuell geteilte Video reiht sich in diese Serie an digital produzierten Videos, welche fälschlicherweise als echte Kriegsszenen ausgegeben werden.

Die User behaupten, dass Russland eine Kinschal-Hyperschall-Rakete im Ukrainekrieg eingesetzt habe. Diese Raketen ist besonders schnell und wendig, weswegen sie nur schwer abgefangen werden kann. Tatsächlich gibt es laut Kreml so eine Rakete aus russischer Produktion, die bereits in "Strategischen Abschreckungsübungen" am 19. Februar 2022 abgefeuert und in Kampfeinsätzen eingesetzt worden sei. Auch AFP berichtete Ende Mai 2022 über den erneuten Test der Hyperschallrakete Kinschal.

Grafik mit Daten über Kinschal-Hyperschallrakete von AFP: Stand 27.06.2022

Das zeigt das Video wirklich

Eine Rückwärtssuche mit einem Screenshot aus dem Video führte AFP zu einem Youtube-Video mit dem Titel "What if Russia started nuclear war #shorts?" (Deutsch: "Was, wenn Russland einen nuklearen Krieg beginnen würde") vom 27. Februar 2022. Der Kanal "InsanePatient2" schreibt in seiner Kanal-Info "VFX... that's it". VFX steht für "visual effect" und beschreibt von Computern erzeugte Bildeffekte. In der Video-Beschreibung ist außerdem ein Patreon-Link angegeben, bei dem man für den Kanal Geld spenden kann. In der Patreon-Beschreibung heißt es ebenfalls: "Making VFX videos is extremely fun but that doesn't mean its easy." (Deutsch: "VFX zu erstellen, macht extrem Spaß, aber das heißt nicht, dass es einfach ist") Die anderen hochgeladenen Videos auf dem Youtube-Kanal sind ebenfalls digital erstellte Videos, die keine realen Ereignisse zeigen.

AFP hat den VFX-Künstler versucht zu erreichen, hat allerdings bis zur Veröffentlichung keine Antwort erhalten.

Das auf Facebook verbreitete Video teilte der Künstler am 27. Februar 2022 auch auf seinem Tiktok-Account. Dort kommentierte er selbst: "To all of the smooth brained individuals thinking I'm trying to fool people, literally the words 'what if' are in the title. get help." (Deutsch: "An all die klugen Köpfe, die denken, ich versuche, die Leute zu täuschen, die Worte ‘Was wäre, wenn’ stehen buchstäblich im Titel. Sucht euch Hilfe.") Damit weist er auf darauf hin, dass sein Video kein reales Ereignis zeigt.

Video aus mehreren Vorlagen digital zusammengesetzt

Auf seinem Youtube-Kanal veröffentlichte der Künstler am 4. März 2022 ein weiteres Video mit dem Titel "Moon Crashes into Earth!" (Deutsch: "Mond stürzt auf die Erde!"), in dem die gleiche Umgebung wie in dem Raketen-Video zu sehen ist. Diesmal stürzt der Mond vom Himmel. Bei dem Umgebungsvideo scheint es sich um eine Vorlage zu handeln.

Vergleich des "Mondvideos" (links) und des für die falschen Facebook-Posts verwendeten Videos (rechts). Screenshots: 21.06.2022, Hervorhebungen durch AFP

Auch die Stimme des Mannes, der den vermeintlichen russischen Angriff gefilmt haben soll, taucht in einem weiteren Video von InsanePatient2 auf. Diesmal reagiert der Mann auf den vermeintlichen Zusammenstoß zweier Planeten.

Fazit: Das verbreitete Video eines vermeintlichen russischen Angriffs mit einer Kinschal-Hyperschallrakete ist digital erstellt worden. Das Video zeigt am Computer erstellte visuelle Effekte, die der Künstler zum Teil auch in anderen Videos verwendete. Obwohl Russland nach eigenen Angaben Hyperschall-Raketen in der Ukraine einsetzt, zeigt dieses Video keinen solchen Angriff.

Übersetzung:
Ukrainekonflikt