Dieser Aushang stammt nicht von der Regierung

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Tausende Facebook-User verbreiten Ende November einen angeblichen Aushang des Bundesministeriums für Gesundheit. Darauf kürzt das Ministerium Hinweise zum Schutz von Corona vermeintlich mit dem Akronym "ANAL" ab. Viele User finden das schlicht lustig, einige greifen aber auch verbal das "dumme" Ministerium an und posten homophobe Beleidigungen gegen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Der Aushang ist eine Fälschung.

Der größte von AFP gefundene Post zum falschen Aushang stammt vom 25. November und hat mehr als 700 Shares auf Facebook. Weitere hundertfach geteilte Versionen finden sich hier, hier und hier. Darunter befinden sich auch homophobe Beleidigungen gegen Gesundheitsminister Spahn. Auch auf Twitter verbreitet sich der angebliche Aushang (hier, hier oder hier).

Darauf zu sehen sind plausibel klingende Ratschläge des Gesundheitsministeriums: "Alltagsmaske, Nähe vermeiden, App, Lüften." Das Schreiben zeigt außerdem vier Piktogramme zur Veranschaulichung sowie das Akronym "ANAL". Auch bildet der Aushang einen QR-Code ab, der tatsächlich zur Website des Ministeriums führt, dazu stehen die Worte: "Eine Aktion des Bundesministeriums für Gesundheit" und der Hashtag #ZeigeVerantwortung.

Facebook-Screenshot: 27.11.2020

In der Corona-Pandemie benutzen Regierungen oft eingängige Akronyme, um benutzerfreundlich auf Hygiene-Regeln hinzuweisen. Da wäre etwa "AHA" in Deutschland (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) oder "OIDA" in Wien (Obstond hoitn, Immer d'Händ woschn, Daham bleibn, A Maskn aufsetzn). In Japan gibt es etwa die 5ko-Regel für "5 kleine Dinge", die es zu beachten gilt. Die polnische Regierung ließ sich die "DDMA"-Regel einfallen, die User kurzerhand zur "MDMA"-Regel umstellten. Auch das Wort "ANAL" hätte theoretisch als verunglückter Versuch der Bundesregierung in diese Reihe passen können. Es gab ihn allerdings nicht.

Eine Anfrage beim Gesundheitsministerium, das den Aushang gemacht haben soll, liefert bereits Aufklärung. Sprecher Oliver Ewald schrieb AFP am 26. November via Email: "Bei dieser auf Facebook verbreiteten Info-Tafel handelt es sich um eine Fälschung." Die Bundesregierung informiere Bürgerinnen und Bürger auf unterschiedlichen Kanälen über die getroffenen Maßnahmen im Rahmen der Corona-Pandemie. Der Aushang gehöre nicht dazu. 

In der Tat lässt sich auf keiner der Informations-Seiten der Regierung zum Thema Corona ein solches Schreiben finden (hier, hier). Auch in der Infektionsschutz-Mediathek existieren zwar Einträge wie "Agent Blitz Blank" und "Wo waren deine Hände?", nicht aber der verbreitete ANAL-Aushang (hier).

Schließlich nennen User-Kommentare unter einer als Satire gekennzeichneten Version des Postings auf Facebook eine Apotheke in Heidelberg als Aufnahme-Ort für das geteilte Foto des Aushangs. Auf AFP-Anfrage teilte deren Betreiber am 27. November mit, dass der Aushang tatsächlich von dort stamme, aber: "Das haben Unbekannte nachts ungefragt an unsere Scheibe geklebt, wir selbst haben damit nichts zu tun und haben den Aushang auch gleich wieder entfernt."

Fazit: Bei dem vermeintlichen ungeschickten Informationsversuch der Bundesregierung handelt es sich um eine Fälschung. Tatsächlich hat das Gesundheitsministerium nie mit solch einem Aushang geworben. Auch eine Apotheke in Heidelberg kann bezeugen, dass das Schreiben dort von Unbekannten ungefragt und in der Nacht befestigt wurde.

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