Die Gastronomie in Luxemburg und der Schweiz unterliegt noch immer Corona-Maßnahmen

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Tausende User haben im April auf Facebook und Telegram Aufnahmen von offenen Gastronomien in Luxemburg und der Schweiz geteilt. Während in Deutschland eine Notstandslage herrsche, zeigten diese Länder trotz hoher Inzidenzen, dass Corona-Maßnahmen nicht nötig seien. Die Gastronomie unterliegt dort jedoch ebenfalls weiterhin zahlreichen Auflagen.

Sonne und Brunch geht ausschließlich in Deutschland nicht. Diesen Tenor verbreiten Ende April Tausende User auf Facebook (hier, hier, hier) und Zehntausende auf Telegram (hier). Gezeigt werden Bilder geöffneter Gastronomiebetriebe, einmal aktuell in Luxemburg und einmal in der Schweiz. 

Dazu heißt es in den Postings: "Während in Deutschland die Angst herrscht, die Gastronomie in Luxemburg. 24. 4. 2021. Keine Masken, keine Tests, keine Reservierung" und "Basel (Schweiz) heute! Gleiche 'Inzidenzenlage' wie im benachbarten 'Notstandsgebiet' Deutschland!! Wer sich diesen völlig inakzeptablen totalitären Willkür Irrsinn hier noch bieten lässt, hat längst die Kontrolle über sein selbstbestimmtes und freiheitliches Leben verloren!"

Facebook-Screenshots: 28.04.2021

Die Aufnahmen aus den Gastronomie-Bereichen in Luxemburg und der Schweiz fallen genau in jene Woche, in der in den Niederlanden nach drei Monaten die Ausgangssperre trotz hoher Infektionszahlen aufgehoben und die Restaurants und Bars wieder Gäste empfangen dürfen (hier). In Deutschland dagegen greift aktuell vielerorts die sogenannte "Notbremse", infolge derer die Bundesregierung bei bestimmten Infektionszahlen die Schließung von Gastronomie, Kitas und Schulen anordnet (hier). Das Aufheben von Corona-Maßnahmen anderer Länder, etwa in der Gastronomie, stellt die Maßnahmen in Deutschland den Postings zufolge als überzogen dar. Dort gelten aber durchaus Corona-Regeln, etwa in Bezug auf das Tragen von Masken. 

Luxemburg etwa lassen sich die Regeln zum Zeitpunkt der Postings hier auf der Website des Landes einsehen. Hier schreibt die Regierung: "Seit dem 7. April 2021 können Restaurants, Bars und Cafés Kunden von 6 -18 Uhr empfangen. Auch Beherbergungsbetriebe können unter den gleichen Bedingungen Kunden empfangen. Diese Möglichkeit ist jedoch streng geregelt." Es folgt eine Liste über Abstandsregeln, Bedienung draußen, erlaubter Personenanzahl sowie einer ausdrücklichen Maskenpflicht für Kunden, die nicht an einem Tisch sitzen sowie Bedienungspersonal. Wer auf dem aktuell verbreiteten Foto genau hinschaut, kann sogar andere Gäste sowie Restaurantangestellte erkennen, die sich durchaus an diese Maskenpflicht halten.

In der Schweiz ist das Schutzkonzept für die Gastronomie hier geregelt. So dürfen auch hier Restaurants und Bars ihre Außenbereiche seit dem 19. April wieder öffnen. Es gelten allerdings Auflagen, die das Schutzkonzept benennt: "Es gilt eine Sitzpflicht und die Maske darf nur während der Konsumation abgelegt werden. Pro Tisch sind maximal vier Personen erlaubt. Von sämtlichen Person müssen die Kontaktdaten erhoben werden. Zwischen den Tischen muss ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten oder eine Abschrankung angebracht werden. Diskotheken und Tanzlokale bleiben geschlossen."

Der Wirteverband der Stadt Basel hatte diese Regeln bereits am 21. April als "Schikane" kritisiert (hier). Das gezeigte Foto stammt dabei nicht einmal aus Basel, sondern aus der Stadt Thun, wie die Faktencheck-Redaktion von Correctiv bereits herausgefunden hat. AFP konnte den Ort ebenfalls auf Google Maps in Thun wiederfinden. Ob das Foto tatsächlich aktuell ist oder nicht, ließ sich nicht feststellen.

Fazit: Die verbreiteten Bilder suggerieren, dass es in Luxemburg und der Schweiz keine Corona-Maßnahmen gibt und etwa der Besuch von Gastronomien frei und ohne Abstand und Maske möglich ist, dem ist nicht so. In beiden Ländern gelten nach wie vor Corona-Regeln.

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