Nein, diese Richtlinien beweisen keinen Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Corona-Impfungen

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Hunderte User haben seit Ende Februar eine Behauptung auf Facebook geteilt, wonach Frauen typische Brustkrebs-Symptome entwickelten, die sich zuvor gegen Corona hatten impfen lassen. Als Quelle dient eine neue Mammographie-Richtlinie des US-amerikanischen Gesundheitsanbieters Intermountain Healthcare. Gegenüber AFP gab das Unternehmen allerdings an, lediglich Verwechslungen bei Brustkrebs-Screens vermeiden zu wollen. Keineswegs habe man mit den Richtlinien bestätigt, dass Impfungen zu Brustkrebs führen.

Hunderte User verbreiten die Behauptung über die Brustkrebs-Symptome seit Ende Februar auf Facebook (hier, hier, hier). Knapp 200.000 Menschen sahen sie auf Telegram (hier, hier). In den Postings heißt es (in Großbuchstaben): "Frauen, die gegen Covid geimpft wurden, zeigen typische Nebenwirkungen von Brustkrebs." Und weiter: "Ärzte von Intermountain Healthcare geben neue Mammographie-Richtlinien für Frauen bekannt, die kürzlich gegen Covid-19 geimpft wurden. Ärzte haben geschwollene Lymphknoten auf Screening-Mammographien von Frauen beobachtet, die kürzlich gegen COVID-19 geimpft wurden."

Dann zitieren die Postings einen Arzt von Intermountain Healthcare mit den Worten: "Wann immer wir sie auf einem normalen Screening-Mammogramm sehen, rufen wir diese Patientinnen an, weil es bedeuten kann, dass metastasierter Brustkrebs in die Lymphknoten oder Lymphome oder Leukämie gewandert ist." Mit dem Moderna-Impfstoff würden diese Symptome bei etwa elf Prozent der Fälle nach der ersten Dosis auftreten, bei rund 16 Prozent der Fälle nach der zweiten Dosis. Beim Impfstoff von Biontech/Pfizer-Impfstoff sei das vergleichbar.

In den Facebook-Kommentaren zum Thema heißt es etwa: "Von beiden Seiten meiner Eltern gibt es endlos viele Krebserkrankungen und ich habe wirklich nicht das Bedürfnis, mir mein Leben mit ner Spritze noch schneller versauen zu lassen." Oder nur kurz: "Tja, wer haftet wohl für die Nebenwirkungen dieser angeblichen Impfstoffe?"

Facebook-Screenshot: 03.03.2021

AFP hat zunächst nach den neuen Richtlinien von Intermountain Healthcare gesucht. Intermountain Healthcare ist ein US-amerikanischer Gesundheitsanbieter mit rund 40.000 Mitarbeiter*innen in den US-Staaten Utah, Idaho und Nevada. Tatsächlich gibt es zu diesen Richtlinien mehrere Medienberichte, etwa dieser Online-Artikel des US-Radiosenders KSL-Newsradio vom 9. Februar. Er beschreibt tatsächlich, wie Intermountain Healthcare seine Richtlinien angepasst hat, um damit den Empfehlungen der Gesellschaft für Mammografie der USA zu folgen. Auch das Unternehmen selbst hat am 9. Februar ein Erklärvideo zu seinen neuen Regeln auf Youtube hochgeladen (hier). Darin tritt der  Radiologe des Unternehmens Brett Parkinson auf, der nach eigenen Angaben seit 30 Jahren Mammographien durchführt.

Klar wird: Die Zitate aus den Facebook-Postings sind zwar tatsächlich in Bericht und Video gefallen, die Postings reißen sie aber aus dem Zusammenhang und lassen wichtige Einordnungen weg. So empfahl Parkinson seinen Patientinnen lediglich, vier bis sechs Wochen nach der zweiten Impfung zu warten, bevor sie ein Mammogramm vornehmen lassen.

Der Grund dafür seien mögliche Entzündungen, die in einigen Fällen nach Impfungen auftreten und das Mammogram verfälschen könnten, weil  Lymphknoten der Patientinnen im Körper vorübergehend anschwellen (hier tauchen die 11 und 16 Prozent auf).

"Wenn man eine Impfung bekommt, kann es zu Entzündungsreaktionen im Arm kommen. Diese Entzündung manifestiert sich in großen Lymphknoten im Bereich der Achselhöhle. Normalerweise sehen wir solche vergrößerte Lymphknoten nicht auf einem Mammogramm oder einer anderen bildgebenden Untersuchung, es sei denn, es liegt eine schwere Pathologie vor, etwa wegen einer Entzündung oder eines bösartigen Tumors", sagt Parkinson im Video. Geschwollene Lymphknoten sind ein übliches Symptom von Entzündungen im Körper.

In solchen Fällen würden normalerweise Patientinnen angerufen, weil ein Brustkrebs-Risiko bestehe. Weil man aber unnötige angstmachende Anrufe durch eine Verwechslung nach einer Impfung ausschließen wolle, sollten die Patientinnen deshalb erst einmal abwarten, sagt Parkinson in dem Video.

AFP hat am 3. März auch noch einmal direkt Kontakt mit Intermountain Healthcare aufgenommen. In einer E-Mail schrieb Sprecher Glen Beeby: "Wir haben unsere Richtlinien geändert, weil der Impfstoff geschwollene Lymphknoten verursachen kann, die mit Krebs verwechselt werden können, aber eigentlich kein Krebs sind." Und weiter: "Wir wollten damit Panik oder unnötige Folgetermine vermeiden, da die Schwellung oft nach 4-6 Wochen zurückgeht (...) Keiner unserer Ärzte hat behauptet, dass der Impfstoff Brustkrebs verursacht."

Fazit: Die Behauptung über "Brustkrebs-Symptome" nach einer Corona-Impfung ist irreführend. Lymphknoten können nach Impfungen anschwellen, genauso wie auch bei zahlreichen Erkrankungen. Das heißt nicht, dass sie deshalb etwas mit Krebs zu tun haben. Intermountain Healthcare wollte mit seinen neuen Richtlinien nur Verwechslungen bei Mammografien vermeiden. 

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