Heiko Maas hat seine Kreditkarte nicht während der Quarantäne unterwegs verloren

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  • Veröffentlicht am 6. Oktober 2020 um 08:55
  • Aktualisiert am 6. Oktober 2020 um 09:02
  • 2 Minuten Lesezeit
  • Von: Eva WACKENREUTHER, AFP Deutschland
Seit Ende September verbreiten Nutzerinnen und Nutzer auf Facebook und Twitter hunderte Male die Behauptung, Deutschlands Außenminister Heiko Maas habe seine Corona-Quarantäne gebrochen und sei zum Einkaufen gewesen. Zum Beweis für diese Behauptungen dient ein aktueller Zeitungsartikel über den Verlust seiner Kreditkarte in einem Berliner Supermarkt. Dieser passierte allerdings schon lange vor der Quarantäne. Es gibt keine Beweise dafür, dass Maas gegen Richtlinien verstoßen hat.

User teilen die Behauptung über das angebliche Fehlverhalten des Außenministers während dessen Quarantäne seit dem 29. September auf Facebook (hier und hier), Twitter (hier und hier) und in Attila Hildmanns 84.000 Mitglieder starker Telegram-Gruppe (hier). Meistens ist der Behauptung ein Bild beigefügt, das zwei Artikel der B.Z. nebeneinander zeigt: Die erste Schlagzeile berichtet von der Quarantäne des Ministers, die andere vom Verlust seiner Kreditkarte in einem Berliner Supermarkt. Daraus schließt ein Posting beispielsweise: "Während der Quarantäne verliert Herr Maas seine Kreditkarte im Supermarkt." Tatsächlich war Heiko Maas von 23. September bis zum 4. Oktober in Quarantäne. Seine Kreditkarte hat er in dieser Zeit aber nicht verloren.

 

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Ein Posting auf Facebook sieht den Außenminister schuldig - Screenshot: 01.10.2020

 

Beide B.Z.-Artikel gibt es wirklich: Im ersten vom 23. September – das Facebook-Bild datiert ihn fälschlicherweise auf den 24. September – berichtet die B.Z. von Maas Quarantäne wegen einer Corona-Infektion bei seinen Personenschützern. Das machte das Auswärtige Amt am 23. September öffentlich. Ein am selben Tag durchgeführter Covid-Test sei negativ ausgefallen, hieß es weiter in der Mitteilung. Ein weiterer Test vom 28. September sei ebenfalls negativ gewesen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes gegenüber AFP. Die Vorwürfe selbst wollte das Büro von Maas nicht kommentieren.

Am 29. September berichtet die B.Z. ein weiteres Mal über den Minister. Er habe seine Kreditkarte verloren, die Karte mittlerweile aber wieder erhalten. Der Redakteur des Artikels hatte am Tag zuvor auf Twitter einen Dankesbrief gepostet, den eine Mitarbeiterin von Heiko Maas an die Polizei Berlin geschrieben hatte. Darin bedankt sich Maas bei den Beamten des Polizeiabschnittes in Berlin Steglitz für den Einsatz um die verlorene Kreditkarte des Ministers.
 

 

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Der Dankesbrief an die Polizei Berlin auf Twitter – Screenshot: 01.10.2020

 

Die Polizei Berlin bestätigte am 1. Oktober gegenüber AFP die Echtheit des Briefs, der auf Ende August datiert sei. Einen Monat zuvor, am 31. Juli, hatte ein Supermarkt in der Königin-Luise-Straße Fundstücke an die Polizei übergeben, sagt die Polizei Berlin. "Darin war Heiko Maas Kreditkarte enthalten", sagte der Sprecher gegenüber AFP.

Der Kreditkartenverlust liegt also schon zwei Monate zurück, lange bevor Heiko Maas sich in Quarantäne begeben hat. Er kann damit auch keinen Supermarktbesuch des Ministers während dieser Zeit beweisen. Auch sonst gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass Maas seine Quarantäne gebrochen haben könnte.

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