Es gibt keine Patienten mit Impfschäden in Tulln und Döbling

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Hunderte Menschen haben auf Facebook und anderen Sozialen Medien seit Anfang Januar die Behauptung geteilt, dass in den Krankenhäusern Döbling und Tulln in Österreich mehrere Menschen mit Impfschäden behandelt würden. Die beiden Krankenhäuser selbst dementieren das allerdings.

Seit 7. Januar haben mehr als 200 Nutzerinnen und Nutzer einen Facebook-Beitrag geteilt, wonach in der Wiener Privatklinik Döbling erste Patienten mit Impfschäden eingeliefert worden seien. Die Information stamme von einer "persönlich bekannten Quelle", heißt es im Posting. "Jetzt war eine Freundin bei mir, deren Enkelin Krankenschwester in der Privatklinik Döbling ist", heißt es zur Quelle. Unter den Patientinnen und Patienten befinde sich auch ein zuvor fitter Mann um die 60 Jahre alt. Im niederösterreichischen Krankenhaus Tulln sei es ähnlich, dort soll es "Patienten mit massiven Nebenwirkungen geben", heißt es im selben Posting. Die Quelle hierfür: Der Mann des Enkels sei dort Pfleger.

Dieselbe Nachricht teilten Nutzerinnen und Nutzer in weiteren ähnlichen Versionen, die neben Screenshots von Facebook auch Bildschirmaufnahmen von Whatsapp und Telegram enthalten. Auch dort hat sich die Meldung verbreitet (hier oder hier).

Facebook-Screenshot: 11.01.2021

Eine Google-Suche nach den angeblichen Ereignissen führt zu Dementis der beiden Krankenhäuser. Die Privatklinik Döbling dementierte die Gerüchte bereits drei Tage vor dem momentan verbreiteten Facebook-Beitrag, das aktuelle Posting ist damit nur sehr unwahrscheinlich Ursprung des Gerüchts. Am 4. Januar schrieb die Privatklinik auf Facebook und am 6. Januar ausführlicher auf ihrer Website: "In sozialen Medien wie Facebook und WhatsApp werden derzeit Falschmeldungen verbreitet, dass es in Österreich erste Opfer von COVID-19 Impfschäden gäbe, einige davon wären in die Privatklinik Döbling eingeliefert worden. Diese Behauptung ist unrichtig. In der Privatklinik Döbling gibt es keine Patienten mit COVID-Impfschäden. Die Privatklinik Döbling tritt diesen Fake News deshalb mit aller Entschiedenheit entgegen."

Der ärztliche Direktor der Klinik, Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Kainz, empfiehlt in der Stellungnahme außerdem die Corona-Impfung und kritisiert die falsche Behauptung: "Hier werden mit den Namen glaubwürdiger Gesundheitsversorger Lügen verbreitet, um Menschen zu verunsichern. Das ist unethisch und kriminell! Wir verwehren uns mit aller Entschiedenheit gegen diese versuchte Instrumentalisierung durch Impfgegner und Leute, deren einziges Ziel es ist, Menschen durch gezielte Falschinformationen zu ängstigen."

Eine ähnliche Klarstellung veröffentlichte auch das Universitätsklinikum Tulln am 7. Januar. „Wir verwehren uns entschieden gegen jedwede Falschinformationen aus den sozialen Medien“, steht dort. Die 168 bisher freiwillig geimpften Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums wiesenkeine negativen Reaktionen auf, Patientinnen und Patienten würden im Klinikum selbst momentan noch gar nicht geimpft. Auch sonst seien keine anderen Patientinnen oder Patienten in Behandlung, bestätigte eine Sprecherin am 11. Januar auf AFP-Anfrage: "Bislang mussten keine PatientInnen (auch keine BewohnerInnen von Pflege- und Betreuungszentren, noch hauseigene MitarbeiterInnen) aufgrund von Impfschäden verursacht durch die SARS-CoV-2-Impfung bei uns im Klinikum behandelt werden."

Wer die Behauptung ursprünglich in die Welt gesetzt hat, konnte AFP nicht nachvollziehen. Allerdings nennen zahlreiche Beiträge immer wieder dieselbe Enkelin der Freundin und denselben Mann des Enkelkindes wortgleich als Quelle. Viele der Facebook-Postings verbreiten den angeblichen Bericht, nachdem die Krankenhäuser den Sachverhalt schon lange korrigiert haben.

Fazit: Weder das Universitätsklinikum Tulln noch die Privatklinik Döbling behandeln nach eigenen Angaben Patientinnen oder Patienten mit Impfschäden nach einer Corona-Impfung. Beide Krankenhäuser weisen die Behauptung zurück. Als Quelle wird in den unterschiedlichen Postings wortgleich immer nur der Bericht einer Freundin genannt, die angeblich über mehrere Ecken in Verbindung mit dem jeweiligen Krankenhaus stehe.

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