Gefälschter BBC-Bericht behauptet Olena Selenska hätte gestohlenen Schmuck getragen

Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Jahr 2022 wurden der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und seine Ehefrau Olena Selenska vermehrt zu Zielen von Desinformationskampagnen. Zuletzt kursierte online ein angeblicher BBC-Beitrag über Selenska mit der Behauptung, dass sie bei einem Treffen in Paris einen gestohlenen Halskettenanhänger getragen hätte. Allerdings beweisen authentische Aufnahmen des Treffens das Gegenteil. 

"Wie gelangte ein gestohlener Antiquitätenartikel in den Besitz von Selenskaja?", mit dieser Frage beginnt ein Facebook-Post vom 26. Juli 2026 über die ukrainische First Lady Olena Selenska. "Während des Besuchs von Selenskyj und seiner Frau Elena in Paris, um an einer Veranstaltung der 'Koalition der Willigen' teilzunehmen, fiel den französischen Fotografen ein Schmuckstück, das die First Lady trug, ins Auge", heißt es weiter. Der Nutzer teilte ein englischsprachiges Video mit dem Logo der British Broadcasting Corporation (BBC). Eine Sprecherin berichtet in dem angeblichen Video-Beitrag darüber, dass im Lalique-Museum im französischen Elsass Anfang Juli 2026 Schmuckstücke entwendet wurden. Wenige Tage nach dem Raub soll angeblich Selenska eines dieser Schmuckstücke bei einem Treffen der "Koalition der Willigen" in Paris getragen haben. Entsprechendes Bild- und Videomaterial soll die Behauptung der Sprecherin beweisen.

Ähnliches wird auch in einem anderen Facebook-Post vom 26. Juli behauptet. Darin steht: "Bei ihrer Ankunft zum Treffen der Koalition der Willigen trug Selenskyjs Frau den Anhänger 'Libellenfrau', ein Kunstwerk von René Lalique." Weiter heißt es: "Dieser Anhänger wurde zusammen mit 20 weiteren Jugendstil-Stücken im Juli aus dem Lalique-Museum gestohlen." Der Nutzer teilte ein Bild, in dem die ukrainische First Lady gemeinsam mit ihrem Ehemann Wolodymyr Selenskyj zu sehen ist. Im Bild trägt sie eine weiße Bluse und eine Kette, deren Anhänger von der Form dem Anhänger im zweiten Bild des Sharepics ähnelt: Der Anhänger "Libellenfrau mit geöffneten Flügeln" von René Lalique. Am unteren Rand der im Posting geteilten Bilder sind abgeschnittene Untertitel erkennbar, die den englischen Untertiteln des angeblichen BBC-Videos entsprechen (Sekunde 00:18 und 00:40). 

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Facebook-Screenshots der Behauptung, rote Kreuze von AFP hinzugefügt: 12. August 2026

Die Behauptung kursierte auf verschiedenen Plattformen und in unterschiedlichen Sprachen wie Bulgarisch, Englisch, Slowakisch und Polnisch. Allerdings ergaben AFP-Recherchen, dass die Behauptung falsch ist und der BBC-Beitrag gefälscht wurde. Der Diebstahl im Museum fand tatsächlich statt, das Bild- und Videomaterial von Selenska wurde hingegen manipuliert.

Audiospur wurde mithilfe von KI generiert

Die Pressestelle der BBC teilte AFP am 24. Juli 2026 mit, dass das verbreitete Video eine "Fälschung" sei. Zudem konnte AFP weder auf der Website der BBC noch auf dem Youtube-Kanal einen entsprechenden Bericht darüber finden. Auch mithilfe einer erweiterten Websuche ließen sich keine Berichte der BBC oder eines anderen seriösen Mediums finden, in denen über diese Behauptung berichtet wurde.

AFP überprüfte die Tonspur des Videos mit dem KI-Erkennungstool Hiya des Analyseprogramms InVID WeVerify, an dessen Entwicklung AFP beteiligt ist. Das Ergebnis zeigt, dass die Audiospur mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurde.  

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Screenshot des Analyseergebnisses des KI-Erkennungstools Hiya: 13. August 2026

Mithilfe einer umgekehrten Videosuche konnte AFP feststellen, dass zudem die Clips zu Beginn des gefälschten Berichts mit dem Filmmaterial des französischen Senders Mosaïk Cristal übereinstimmen. Der Sender veröffentlichte am 8. Juli 2026 einen Beitrag über den Einbruch in das Lalique-Museum, aus dem am 5. Juli 2026 über 20 Schmuckstücke entwendet wurden. Der Beitrag von Mosaïk Cristal zeigte Aufnahmen des Museums von außen und innen. Diese wurden als Archivmaterial gekennzeichnet. 

Zudem sind im kursierenden Video ein Bild des Juweliers Lalique zu sehen sowie Aufnahmen von Selenskyj und Selenska, wie sie aus einem Auto aussteigen, wobei der Halskettenanhänger jedoch nicht zu sehen ist. Diese Aufnahmen stammen vom Paris-Besuch des Paares am 14. Juli 2026 und wurden bei ihrer Ankunft zur Parade zum französischen Nationalfeiertag aufgenommen. Das ukrainische Medium Kyiv Post veröffentlichte online Aufnahmen dazu. Auch Aufnahmen von AFP zeigen die beiden in Begleitung anderer europäischer Staats- und Regierungschefs, die an der Parade teilnahmen.

Im weiteren Verlauf des Videos ist das Paar auf einem roten Teppich mit Flaggen und der französischen Ehrengarde im Hintergrund zu sehen. Hier trug Selenska die weiße Bluse. Im gefälschten BBC-Video ist Selenska in dieser konkreten Szene mit dem abhanden gekommenen Halskettenanhänger dargestellt. Ein Vergleich mit authentischem Bildmaterial zeigt allerdings, dass die First Lady keinen solchen Anhänger trug. AFP fotografierte das Paar bei ihrer Ankunft für das Abendessen, das von der "Koalition der Willigen" in Paris am 13. Juli 2026 organisiert wurde: 

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (rechts) und seine Frau Olena Selenska (links) posieren für ein Foto bei ihrer Ankunft zu einem Abendessen der "Koalition der Willigen" zur Unterstützung der Ukraine im Élysée-Palast in Paris am 13. Juli 2026. (AFP / Ludovic MARIN)

Auch in einem Foto der Bildagentur Getty Images ist kein solcher Anhänger vorhanden. 

Dies beweisen auch mehrere Videoaufnahmen des Paares. AFP verglich die Aufnahme im kursierenden Video mit dem Videomaterial mehrerer Medien. In den Originalaufnahmen (unten rechts) ist um den Hals von Selenska kein Anhänger zu sehen:

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Vergleich des manipulierten Videomaterials (links) mit authentischem AFP-Bildmaterial (rechts), rotes Kreuz und gelbe Hervorhebungen durch AFP hinzugefügt: 27. Juli 2026

In einer identischen Szene der Nachrichtenagentur Associated Press (Minute 33:00), sowie in Pool-Videoaufnahmen von AFP ist ebenfalls kein Anhänger. Das angebliche Schmuckstück wurde daher nachträglich digital eingefügt.

"Libellenfrau mit geöffneten Flügeln" wurde tatsächlich gestohlen

Anfang Juli 2026 erbeutete eine Gruppe maskierter Diebe bei einem Einbruch in das Museum der Luxusmarke Lalique über 20 Schmuckstücke im geschätzten Wert von 4,5 Millionen Euro. Der Bürgermeister der französischen Gemeinde Wingen-sur-Moder, Christian Dorschner, äußerte vor Medien den Verdacht, dass ein vom Museum beauftragter privater Sicherheitsdienst eine Mitverantwortung an dem Diebstahl tragen könnte. Der Raub war der jüngste Angriff auf ein französisches Museum nach dem Einbruch in den Louvre im Oktober des Vorjahres.

Der im falschen BBC-Bericht gezeigte Anhänger "Libellenfrau mit geöffneten Flügeln" gehörte tatsächlich zu den Schmuckstücken, die in den frühen Morgenstunden des 5. Juli 2026 aus dem Museum gestohlen wurden. Das Museum meldete das Verschwinden des Schmuckstücks zudem in einem Facebook-Post vom 8. Juli 2026. Darin heißt es, es habe sich um "das erste Objekt gehandelt, das für die Eröffnung des Museums erworben wurde". Und weiter: "Das Team hing deshalb besonders an diesem Stück und hofft, dass es eines Tages wiedergefunden wird."

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung fand AFP mithilfe einer erweiterten Websuche keine Berichte darüber, dass die gestohlenen Schmuckstücke wiedergefunden oder die Täter identifiziert worden wären.

AFP widerlegte bereits im April 2026 die Falschbehauptung in einem weiteren gefälschten BBC-Beitrag. Darin wurde fälschlicherweise behauptet, das gestohlene Cézanne-Gemälde "Stillleben mit Kirschen" hänge im Büro des ukrainischen Präsidenten. Mittlerweile wurde das Gemälde von der italienischen Polizei wiedergefunden. 

Die Verbreitung täuschend echt wirkender Medienbeiträge ist eine bekannte Methode bei der koordinierten Verbreitung von Desinformation. Auch das ukrainische Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation warnte vor der Verbreitung des gefälschten Videos und das Monitoring-Projekt "Gnida" bezeichnete das Video als Teil einer Desinformationskampagne gegen Frankreich und die Ukraine.

AFP veröffentlichte bereits in der Vergangenheit mehrere Faktenchecks rund um Falschbehauptungen über Olena Selenska und Wolodymyr Selenskyj.

Fazit: Online kursierte ein angeblicher BBC-Beitrag, in dem behauptet wird, dass die ukrainische First Lady Olena Selenska bei einem Abendessen der "Koalition der Willigen" einen gestohlenen Kettenanhänger getragen hätte. Allerdings beweisen authentische Aufnahmen des Treffens das Gegenteil. 

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