Mann föhnt vereiste Wärmepumpe: Hierbei handelt es sich um ein KI-Video

Schneefälle und Frost sorgten für massive Beeinträchtigungen im Januar 2026 in Deutschland. Ein Video, in dem ein Mann eine Wärmepumpe mit einem Föhn enteist, wurde in sozialen Medien häufig verbreitet. Das Video wurde jedoch mit Künstlicher Intelligenz erstellt. Fachleute erklärten zudem, dass moderne Wärmepumpen so konstruiert seien, dass sie Frosttemperaturen standhalten könnten, und über ein eingebautes Abtausystem verfügten.

"30.000 Euro und ich steh' hier mit einem Föhn", ist ein Mann in einem Video zu hören, das seit 2. Januar 2026 über 5000 Mal auf Tiktok geteilt wurde.

Auch auf Facebook, Linkedin, X und Youtube machte der Clip die Runde. Er wurde in mehreren Sprachen geteilt, darunter Niederländisch und Polnisch.

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X-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 12. Januar 2026

Doch diese Szene hat sich nicht wirklich ereignet.

Mehrere Hinweise deuten auf KI-Erstellung hin

Im geteilten Clip ist der Tiktok-Handle "@itsyaboydd" sichtbar. Eine Eingabe des Nutzernamens auf Tiktok führt zum Originalvideo. Darin wird unten links gekennzeichnet, dass es mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurde. Auch in den kursierenden Videos ist ein solcher Hinweis unten links zu sehen – jedoch kleiner. 

Weitere Hinweise im Video deuten darauf hin, dass es KI-generiert ist. Die Hand, die den Föhn hält, wirkt unnatürlich starr und an manchen Stellen scheint der Mann auch keine Fingernägel mehr zu haben. Der eingeblendete Text ist zudem verzerrt, sodass einige Wörter unlesbar sind.

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Tiktok-Screenshot der Behauptung, rote Markierungen von AFP hinzugefügt: 8. Januar 2026

Der eingeblendete Text ist auf Deutsch, enthält aber auch unsinnige oder verzerrte Wörter. Zum Beispiel ist statt Wärmepumpe scheinbar "WärmOpumpe" zu lesen.

Darin wird auch auf Robert Habeck (Grüne) verwiesen, den ehemaligen deutschen Minister für Wirtschaft und Klimaschutz. Habeck wurde zum Gesicht eines umstrittenen Vorhabens: Das sogenannte Heizungsgesetz sollte Unabhängigkeit vom russischen Gas sichern. Das Gesetz zielte außerdem darauf ab, den Übergang Deutschlands zur Klimaneutralität zu beschleunigen. Alle neuen Öl- und Gasheizungen sollten weitgehend verboten werden. Stattdessen sollten Wärmepumpen gefördert werden. Schließlich wurde eine abgeschwächte Version des Gesetzes verabschiedet.

AFP untersuchte das Bild auch mit Hive Moderation, einem Werkzeug zur Erkennung von KI-generierten Inhalten und Deepfakes. Laut dem Ergebnis deutet eine Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent darauf hin, dass das Bild KI-generiert ist.

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Screenshot der Ergebnisse von Hive Moderation: 9. Januar 2026

Der Tiktok-Account postet häufig KI-generierte Inhalte und gibt an, aus der deutschen Großstadt Bremerhaven zu stammen.

Wärmepumpen können auch bei Frost funktionieren

Unwetter brachten Anfang 2026 den Straßen-, Luft- und Schienenverkehr in mehreren europäischen Ländern zum Stillstand, auch in Deutschland. Das Wetter war unter anderem ebenfalls für Einschränkungen in der Stromversorgung verantwortlich. Nach dem Durchzug des Sturmtiefs "Elli" gab es in Teilen Mitteleuropas, darunter Deutschland und Österreich, Minusgrade, Schneefälle und Glatteis.

Doch moderne Wärmepumpen halten diesen Frosttemperaturen laut Experten stand.

"Moderne Luftwärmepumpen verfügen über integrierte Sicherheitsfunktionen, die ein Einfrieren des Außengeräts verhindern", erklärte Martin Bloemendal, Energieforscher an der TU Delft, am 8. Januar 2026 gegenüber AFP. Die Wärme werde vorübergehend vom Innenraum über den Wärmetauscher im Außengerät übertragen, um Eisbildung zu verhindern.

Laut verschiedenen Fachportalen und Wärmepumpenherstellern können moderne Wärmepumpen sogar bei Temperaturen von bis zu -25 Grad Celsius funktionieren, bevor sie ihren Betrieb einstellen.

Michel De Paepe, Professor für Thermodynamik an der Universität Genth, sagte gegenüber AFP am 9. Januar 2026 ebenfalls, dass es "falsch ist, anzunehmen, dass Wärmepumpen bei Minustemperaturen nicht funktionieren". Er wies darauf hin, dass Wärmepumpen in nördlichen Ländern wie Norwegen, wo die Temperaturen oft weit unter 0 Grad Celsius liegen, weit verbreitet sind und seit Jahren die gängigste Heizform darstellen.

Wärmepumpen entziehen der Außenluft oder dem Boden Wärme und erhöhen diese auf eine Temperatur, die zum Heizen von Gebäuden genutzt werden kann. Dies ermöglicht ein gasfreies Heizsystem.

Allerdings sinkt die Effizienz der Wärmepumpe, je kälter die Außenluft wird, erklärte Bloemendal: "Wenn es draußen so kalt ist, dass sich Eis bildet, wirkt sich dies zusätzlich negativ auf die Effizienz des Systems aus, da ein Teil der erzeugten Wärme nicht zum Heizen des Hauses, sondern zum Auftauen der Wärmepumpe selbst verwendet wird." Doch die meisten Geräte würden mit etwas Frost zurechtkommen.

Derartige KI-Videos und -Inhalte werden zunehmend dazu verwendet, reale Ereignisse oder auch Nachrichtensendungen nachzuahmen, wodurch die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen: "Auch wenn viele dieser Inhalte die Tatsachen nicht drastisch verzerren, stellt der Einsatz von KI und dramatischen, aus dem Zusammenhang gerissenen Videos eine weitere Desinformationstaktik dar", sagte Chiara Vercellone, Senior Analyst bei NewsGuard, gegenüber AFP in einem Interview über KI-Desinformation nach der Verhaftung des entmachteten venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar 2026. Dazu stellte AFP mehrere Behauptungen richtig.

Fazit: Ein Video eines Mannes, der eine gefrorene Wärmepumpe mit dem Föhn enteist, wurde mit KI erstellt. Darauf weisen mehrere Elemente im Clip hin. Fachleute erklärten zudem, dass luftbetriebene Wärmepumpen wie jene aus dem KI-Video einige Minusgrade problemlos bewältigen können.

Wiederholung aus technischen GründenFormatierung in Teaser und erstem Absatz geändert, Information zu KI-Hinweis im vierten Absatz ergänzt, Formulierung in vorletztem Absatz präzisiert
13. Januar 2026 Wiederholung aus technischen Gründen
13. Januar 2026 Formatierung in Teaser und erstem Absatz geändert, Information zu KI-Hinweis im vierten Absatz ergänzt, Formulierung in vorletztem Absatz präzisiert

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