In Panama lebende Venezolanerinnen und Venezolaner feierten die Festnahme von Nicolás Maduro am 3. Januar 2026 (AFP / MARTIN BERNETTI)

Diese Unwahrheiten kursieren zum gestürzten venezolanischen Machthaber Maduro

Nach der Festnahme des entmachteten venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores bei einem US-Militäreinsatz am 3. Januar 2026 wurden soziale Plattformen mit Aufnahmen geflutet, die irrtümlich mit diesem Ereignis in Verbindung gebracht wurden. Das Video einer gestürzten Statue kursierte etwa im falschen Kontext. Inhalte wie ein Bild der Gefangennahme Maduros, umgeben von Soldaten, wurden zum Beispiel mit Künstlicher Intelligenz erstellt.

"Die Bilder aus Venezuela erinnern an den Sturz des Kommunismus im Ostblock der Jahre 1989 und danach", schrieb ein ehemaliger Politiker der Partei Alternative für Deutschland (AfD) namens Georg Pazderski auf X. Im geteilten Video ist zu sehen, wie Menschen unter Jubel eine Statue niederreißen. Ein Facebook-Nutzer teilte die Behauptung am darauffolgenden Tag im selben Wortlaut: "Die Venezolaner feiern ihre neugewonnene Freiheit mit dem Sturz der Statuen Maduros und des Regimes." Der X-Post vom 3. Januar 2026 wurde über 49.000 Mal geklickt. AFP stellte auch in der Vergangenheit von Pazderski verbreitete falsche und irreführende Informationen richtig.

Auch der US-amerikanische konservative Kommentator David Harris Jr., dessen Aussagen AFP mehrmals überprüfte, teilte das Video und behauptete auf Threads, dass die Venezolanerinnen und Venezolaner darin eine Statue von Maduro stürzen würden.

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X-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 7. Januar 2025

Doch dabei handelt es sich um eine alte Aufnahme. Die Statue zeigt zudem nicht Maduro.

Video stammt aus 2024

Die Statue zeigt Maduros Vorgänger, Hugo Chávez. Chávez regierte Venezuela von 1999 bis 2013. Maduro war als Abgeordneter, Außenminister und Vizepräsident tätig, bevor er drei Monate vor dem Tod des sozialistischen Staatschefs aufgrund einer Krebserkrankung zum Nachfolger von Chávez ernannt wurde.

Der Clip mit der gestürzten Statue wurde tatsächlich am 29. Juli 2024 aufgenommen. Eine umgekehrte Bildsuche führte zu Veröffentlichungen in jenem Zeitraum, welche die Szene auch aus anderen Blickwinkeln zeigen. 

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Screenshot der Plattform pond5.com: 5. Januar 2026

Demonstrierende stürzten nach dem umstrittenen Wahlsieg Maduros bei den Wahlen am 28. Juli 2024 mehrere Statuen. Die EU hatte eine Anerkennung der Wiederwahl von Nicolás Maduro abgelehnt.

Bild von Maduro mit Soldaten ist KI-generiert

"Erste Bilder von der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Maduros durch #US-Truppen in #Venezuela", schrieb der Stadtverband Bitterfeld-Wolfen AfD in einem Facebook-Beitrag vom 3. Januar 2026. Darunter ist ein Foto zu sehen, auf dem Venezuelas entmachteter Staatschef Maduro von zwei Soldaten abgeführt wird.

Eine Politikerin des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) teilte das Foto ebenfalls auf X. Auch das ZDF nutzte es zunächst in einem Facebook-Beitrag vom 5. Januar 2026 und in einem Artikel über die Festnahme Maduros. Das Foto wurde in vielen weiteren Sprachen von Nutzerinnen und Nutzern sozialer Medien verbreitet, darunter BulgarischChinesischGriechischNiederländischSpanisch und Tschechisch

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Facebook-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 6. Januar 2026

Doch das Bild ist laut AFP-Recherchen, die auf der Website in voller Länge nachzulesen sind, KI-generiert. So sind auf der Weste eines der Soldaten die Initialen der US-amerikanischen Drug Enforcement Administration (DEA) zu sehen. Mehreren Medienberichten zufolge war jedoch die Delta Force der US-Armee mit der Operation zur Festnahme Maduros betraut – eine Spezialeinheit des Joint Special Operations Command (JSOC), die auf risikoreiche Einsätze spezialisiert ist. 

Stunden nach der Operation veröffentlichte US-Präsident Trump ein Foto auf seiner Plattform Truth Social, das den entmachteten venezolanischen Staatschef an Bord der USS Iwo Jima in einem anderen Outfit zeigt. AFP konnte die Echtheit dieses Fotos nicht überprüfen. In der Vergangenheit postete Trump bereits KI-generierte Inhalte auf seinem Account.

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Truth Social-Screenshot des Posts von Donald Trump zur Gefangennahme von Nicolás Maduro: 6. Januar 2026

Auf dem von Trump geteilten Foto hat Maduro graueres Haar als auf dem KI-generierten Bild, auf dem es dunkler erscheint.

Der früheste Beitrag mit dem Bild, den AFP finden konnte, stammt von einem X-Nutzer namens Ian Weber aus Spanien. In seiner Accountbeschreibung nennt er sich einen "KI-Videokunst-Enthusiasten". Nur 20 Minuten nach Trumps Verkündung der Operation auf Truth Social postete Weber das Bild auf seinem Account. In einem Kommentar vom 5. Januar 2026 zu seinem Beitrag gab Weber zu, dass er das Bild mit KI erstellt habe. In einem Artikel, der am 8. Januar 2026 erschien, sagte er gegenüber AFP: "Ich habe nie beabsichtigt zu behaupten, dass dies das erste Bild von Maduro in Haft war."

Aufnahme zeigt Menschenmenge in Chile

Ein weiteres Video machte unter anderem auf Facebook die Runde. Darin ist eine Menschenmenge zu sehen, die Flaggen und Handys hochhält. Jubelschreie, Applaus, Musik und Autohupen sind zu hören. Ab 0:44 ist eine andere Menschengruppe auf der Straße zu sehen, die jubelt. Mehrere Menschen halten die venezolanische Flagge.

"Die Menschen in #Venezuela feiern ihre Befreiung", schrieb Anabel Schunke dazu. "Lasst euch von den Sozialisten in Medien und Politik hier nichts anderes erzählen." AFP hat bereits zahlreiche Falschbehauptungen von Schunke überprüft

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Facebook-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 8. Januar 2026

AFP konnte den Ursprung des Videos nicht überprüfen. Doch eine Geolokalisierung deutet darauf hin, dass diese in Santiago, der Hauptstadt Chiles, aufgenommen wurden – und nicht in der venezolanischen Hauptstadt Caracas, wie AFP auf Spanisch ausführlich richtigstellte. Demnach fand die Demonstration in der Gegend Estación Central statt, in der Avenida Alameda Libertador Bernardo O'Higgins (hier archiviert).

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Facebook-Screenshot der Behauptung, grüne Markierung von AFP hinzugefügt: 5. Januar 2026
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Google Street View, grüne Markierung von AFP hinzugefügt: 5. Januar 2026

Auch die Apotheke mit der Aufschrift "Farmacias del Dr. Simi", die im Video zu sehen ist, befindet sich am selben Ort.

AFP hat ähnliche Aufnahmen von einer Menschenmenge veröffentlicht, die sich am 3. Januar 2026 in der chilenischen Hauptstadt versammelt hatte, wo viele venezolanische Migrantinnen und Migranten leben.

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Viele Venezolanerinnen und Venezolaner wollen so rasch wie möglich in die Heimat zurückkehren (AFP / JAVIER TORRES)

Laut einem AFP-Bericht gingen dort Tausende auf die Straße, um die Absetzung von Maduro durch die US-Streitkräfte zu feiern.

Doch das geteilte Video wurde, anders als behauptet, nicht in Venezuela aufgenommen.

Explosion fand in Israel, nicht in Venezuela statt

Ein Video einer nächtlichen Explosion durch Bomben sollte angeblich den Angriff der USA auf Venezuela zeigen, behaupteten Userinnen und User auf X und Facebook in verschiedenen Sprachen.

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Facebook-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 5. Januar 2026

Mittels umgekehrter Bildsuche fand AFP jedoch heraus, dass die Aufnahme bereits am 1. Oktober 2024 in Beiträgen geteilt worden war, in denen die Szene als iranischer Angriff auf Israel beschrieben wurde.

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X-Screenshot der gleichen Aufnahme, die in einem anderen Kontext kursierte: 5. Januar 2026

Ein Autor der Investigativplattform Bellingcat lokalisierte das Video damals in einem Gebiet südlich des israelischen Luftwaffenstützpunkts Nevatim.

An jenem Tag hatte der Iran Israel mit rund 200 Drohnen und Raketen angegriffen, nachdem Israel in der Woche zuvor den Hisbollah-Chefs Hassan Nasrallah getötet hatte.

US-Militäreinsatz wurde völkerrechtlich kritisiert

Bei dem groß angelegten Militärangriff der USA gegen Venezuela wurden Maduro und dessen Frau Flores festgenommen. Zunächst argumentierte US-Präsident Donald Trump sein bereits länger andauerndes Vorgehen gegen Venezuela mit dem Kampf gegen den Drogenhandel, inzwischen sprach er zusätzlich von Forderungen nach Öl und Vermögenswerten. Bei dem US-Angriff wurden nach venezolanischen Angaben mindestens 100 Menschen getötet. Völkerrechtlerinnen und -rechtler sehen den Einsatz als Völkerrechtsbruch an.

Maduro und Flores plädierten vor einem Gericht in New York City bei einer ersten Anhörung am 5. Januar 2026 auf nicht schuldig. Der 63-Jährige ist unter anderem wegen Drogenterrorismus angeklagt. Die nächste Anhörung wurde für den 17. März 2026 angesetzt.

Irreführende Informationen sowie Falschbehauptungen verbreiteten sich nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela am 3. Januar 2026 binnen Minuten auf verschiedene Plattformen. AFP widerlegte zahlreiche Behauptungen in diesem Zusammenhang.

Fazit: Ein online kursierendes Video einer gestürzten Statue ist alt und steht nicht im Zusammenhang mit der US-Festnahme des entmachteten venezolanischen Präsidenten Maduro Anfang 2026. Zudem stellt die Statue ein anderes Staatsoberhaupt dar. Außerdem kursierten weitere falsche und irreführende Behauptungen nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela.

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