Die Covid-Impfstoffe wurden aufgrund ihrer Wirksamkeit zugelassen, nicht um die Übertragung zu verhindern

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In einem Video, das hunderte Male in den sozialen Medien geteilt wurde, behauptet der niederländische Europaabgeordnete Robert Roos, von einem Pfizer-Vertreter Enthüllungen über die klinischen Versuche mit dem Impfstoff gegen Covid-19 erhalten zu haben. Auf Nachfrage des Abgeordneten erklärte die Laborleiterin dem Europäischen Parlament, dass die Auswirkungen des Impfstoffs auf die Übertragung des Virus während der klinischen Versuche nicht getestet worden seien. Das ist allerdings nicht neu: Es ist seit Ende 2020 bekannt und öffentlich, wie Dokumente aus dieser Zeit zeigen. Die klinischen Studien von Pfizer waren auf die Wirksamkeit des Impfstoffs bei der Verhinderung schwerer Covid-19-Erkrankungen ausgelegt – nicht auf die Verhinderung der Virusübertragung. Die Wirksamkeit gegen die Krankheit wurde seitdem durch Impfkampagnen bestätigt, auch wenn sie mit der Zeit und den verschiedenen Varianten abgenommen hat. Außerdem ist es äußerst schwierig, die Auswirkungen auf die Übertragung genau zu messen, was zu Kontroversen über Impfpässe in mehreren Ländern beigetragen hat.

Hunderte User teilten die Behauptung auf Facebook und Dutzende auf Twitter. Auf Telegram erreichte die Behauptung Zehntausende. Einer der Verbreiter ist der Querdenker-Rechtsanwalt Markus Haintz, der sich auf Demos gegen die Corona-Maßnahmen äußerte. Die Behauptung wurde auch auf Französisch, Englisch und Spanisch geteilt.

Die Behauptung: Das geteilte Video zeigt den niederländischen Europaabgeordneten Robert Roos, Mitglied der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten, der eine "skandalöse" Enthüllung verkündet. User schreiben dazu: "Die #Pfizer Direktorin Small gibt zu, dass die sog. Impfstoffe vor der Einführung nicht darauf getestet wurden, ob sie eine Übertragung von #Covid_19 verhindern! Jetzt brauchen sie eine große Ablenkung, um ihre Machenschaften zu verbergen."

Roos sagt in dem Video, das er am 11. Oktober auf seinem Twitter-Account veröffentlichte: "Einer der Pfizer-Direktoren hat mir gegenüber gerade zugegeben: Zum Zeitpunkt der Einführung wurde der Impfstoff nie darauf getestet, ob er die Übertragung des Virus verhindert."

Er fügt einen kurzen Videoclip bei, in dem er zu sehen ist, wie er die Pfizer-Managerin Janine Small im Europäischen Parlament befragt. "Wurde der Impfstoff Covid von Pfizer auf die Verhinderung der Übertragung des Virus getestet, bevor er auf den Markt kam?"

Die Pfizer-Mitarbeiterin antwortete: "Wussten wir, dass die Immunisierung gestoppt werden kann, bevor der Impfstoff auf den Markt kam? Nein."

Die Verwendung des Wortes "Immunisierung", das versehentlich anstelle von "Übertragung" verwendet wurde, war ein Versprecher von Janine Small, erklärte die Pfizer-Pressestelle am 14. Oktober 2022 gegenüber AFP per E-Mail: "Ich kann bestätigen, dass Frau Small 'Übertragung' meinte. Dennoch bleibt der Inhalt ihrer Aussage bestehen."

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 04.11.2022

Woher stammt dieses Video?

Eine Stichwortsuche auf Google ermöglichte es, das vollständige Video zu finden, aus dem der Ausschnitt stammt. Es wurde am 10. Oktober 2022 während einer Sitzung des "Sonderausschusses zur Covid-19-Pandemie" des Europäischen Parlaments gedreht, heißt es auf der Website des Europäischen Parlaments in der Beschreibung eines anderen Clips aus dieser Sitzung.

In der Beschreibung heißt es: "Vertreter von Pfizer und Curevac berichten über die Herstellung, den Vertrieb und den gerechten Zugang zu Covid-19-Impfstoffen und -Therapeutika in der Vergangenheit und Gegenwart. Die Debatte konzentriert sich auf die Aktivitäten zur Entwicklung von Impfstoffen für neue Varianten, das Zulassungsverfahren und die Transparenz von Verträgen."

In dem vollständigen Video ergreift der Europaabgeordnete Robert Roos ab Minute 15:21 das Wort und richtet seine Frage an die Pfizer-Vertreterin Janine Small.

Die Einschränkungen der klinischen Daten über Infektionsübertragung wurden bereits Ende 2020 veröffentlicht

Im Gegensatz zu den Behauptungen von Robert Roos handelt es sich hierbei jedoch weder um "bahnbrechende" Nachrichten noch um eine "skandalöse" Enthüllung.

Die Tatsache, dass der Einfluss von Impfstoffen auf die Übertragung auch nach den klinischen Studien unbekannt blieb, ist seit mindestens Anfang Dezember 2020 bekannt. Die US Food and Drug Administration (FDA), die für die Zulassung von Arzneimitteln in den USA zuständig ist, hat dies in einem ausführlichen und öffentlichen Bericht über den Impfstoff erwähnt.

Die Frage zur Übertragung wird auf Seite 48 in einem Absatz mit der Überschrift "Vaccine effectiveness against transmission of Sars-CoV-2" behandelt. Dort heißt es eindeutig: "Es liegen nur begrenzte Daten vor, um die Wirkung des Impfstoffs gegen die Übertragung von Sars-Cov-2 durch Personen zu beurteilen, die trotz Impfung infiziert sind".

Screenshot aus dem FDA-Bericht: 17. Oktober 2022

"Weitere Auswertungen, einschließlich Daten aus klinischen Studien und aus der Verwendung des Impfstoffs nach der Zulassung sind erforderlich, um die Wirkung des Impfstoffs bei der Verhinderung der Virusausscheidung und -übertragung zu bewerten, insbesondere bei Personen mit asymptomatischer Infektion", heißt es in dem Dokument weiter.

In dem Bericht heißt es jedoch auch: "Die nachgewiesene hohe Wirksamkeit gegen symptomatische Covid-19-Infektionen kann in Bevölkerungsgruppen, in denen der Impfstoff in ausreichendem Maße eingesetzt wird, zu einer allgemeinen Verhinderung der Übertragung führen". Es sei "jedoch möglich, dass, wenn die Wirksamkeit gegen asymptomatische Infektionen geringer ist als die Wirksamkeit gegen symptomatische Infektionen, asymptomatische Fälle in Kombination mit reduziertem Maskentragen und sozialer Distanzierung zu einer signifikanten weiteren Übertragung führen könnten".

Das Ausmaß, in dem der Impfstoff die Übertragung verhindert oder einschränkt, wurde in der Tat als eine der unbeantworteten Fragen dargestellt, wie zum Beispiel in dieser AFP-Meldung vom 10. November 2020. Auch die Dauer des Schutzes war eine wichtige Frage.

Das steht auch in dieser Zusammenfassung der Ergebnisse der Impfstoffstudie im New England Journal of Medicine, im Dezember 2020.

Auf europäischer Ebene erklärte bereits im Jahr 2021 die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) auf ihrer Website, dass einige Vorteile "möglicherweise nicht bekannt sind, wenn ein Covid-19-Impfstoff erstmals zugelassen wird".

Die Agentur erklärte, dass die Vorteile klarer würden, wenn der Impfstoff im Einsatz sei. Die Gesundheitsbehörden würden im Laufe der Zeit besser wissen, "ob der Impfstoff die Ausbreitung des Virus in der Gemeinschaft verringern kann. Die Verringerung der Übertragung wird von vielen Faktoren abhängen, unter anderem davon, wie viele Menschen sich impfen lassen".

Studien untersuchten die Verhinderung von schweren Krankheitsverläufen

In einem Dokument vom 19. Februar 2021 schrieb die EMA, dass nach den klinischen Studien, die mit dem Impfstoff von Pfizer durchgeführt wurden, "derzeit nicht bekannt ist, ob der Impfstoff vor einer asymptomatischen Infektion schützt oder welche Auswirkungen er auf die Übertragung des Virus hat".

Yves Buisson, Epidemiologe und Präsident der Abteilung Covid-19 der französischen Nationalen Akademie für Medizin, erklärte am 13. Oktober 2022 gegenüber AFP: "Die Wirksamkeit auf die Übertragung wurde erst im Nachhinein, im wirklichen Leben, gemessen. Man kann Pfizer nicht vorwerfen, dass sie den Impfstoff während der klinischen Studien nicht auf dieses Kriterium hin getestet haben und dass sie sie nicht auf die Übertragung ausgerichtet haben." Er erinnerte daran, dass im Jahr 2020 Tausende Menschen starben: "Die Dringlichkeit bestand darin, Morbidität und Mortalität zu verhindern. Was die Impfung betrifft, so ist es normal, sich für den Schutz vor der Erkrankung und ihren schweren Formen vor dem Schutz vor Übertragung zu entscheiden. Sie musste im Sinne der öffentlichen Gesundheit getroffen werden."

Schwerpunkt der Studie auch auf Deutsch bekannt

Auch in Deutschland war bereits im Jahr 2020 bekannt, dass der Fokus der klinischen Studien auf der Verhinderung der Erkrankung und schwerer Verläufe und nicht auf der Ansteckungsverhinderung lag. Das bestätigte Peter Kremsner, Leiter des Instituts für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie, am 7. November gegenüber AFP: "Das steht alles in den öffentlichen Studienprotokollen. Das ist keine Enthüllung. Das wusste jeder, der sich damit beschäftigt hat."

Er erklärte: "All die Studien der ersten Stunden zielten auf die Verhinderung von Covid-19 als Erkrankung und nicht die Infektion." Die Infektion mit dem Sars-Cov-2-Virus könne nämlich auch ohne Symptome der Erkrankung Covid-19 stattfinden. Diese sei allerdings nicht als Ziel im Studiendesign vorgesehen, was schwieriger umzusetzen gewesen sei.

Kremsner erklärte den damaligen Fokus: "Bei Covid-19 ist es so, dass die Jungen mindestens zur Hälfte, je nach Studie bis zu 80 Prozent, asymptomatische Verläufe kriegen. Das ist eigentlich egal, wenn man die Krankheit nicht ausrotten will und die Pandemie sofort stoppen will, dann sind das zweitrangige Interessen. Wichtig ist, vor allem bei den Alten, die Erkrankung, die schweren Verläufe und den Tod zu verhindern."

Impfstoffe wurden nach Schutz vor der Erkrankung bewertet

Die Gesundheitsbehörden bewerteten die Wirksamkeit der Impfstoffe also nicht anhand ihrer Fähigkeit, die Übertragung des Virus zu verhindern, sondern anhand der Verhinderung der Entwicklung schwerer und tödlicher Formen der durch das Virus verursachten Krankheit.

Auch Susanne Stöcker, Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) erklärte am 4. November gegenüber AFP, dass das Video "weder Enthüllungen darstellt noch einen Skandal". "Es ging in den klinischen Prüfungen nicht um Infektionsschutz. Das wäre auch kaum möglich", sagte sie weiter. Für den Infektionsschutz müssten Studienteilnehmende wiederholt in kurzen zeitlichen Abständen mit dem PCR-Verfahren getestet werden, das sei bei der Menge der Teilnehmenden laut Stöcker nicht möglich gewesen.

Das Ziel der Studie sei der "Beweis der Wirksamkeit über den Schutz vor einer symptomatischen Infektion – also der Erkrankung an Covid-19 jeder Ausprägung".

Auch auf der am 29. Januar 2021 archivierten Informationsseite des PEI zur Impfstoff-Zulassung heißt es bereits: "Die Daten aus den klinischen Prüfungen müssen die Wirksamkeit zum Beispiel in Bezug auf den Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung sowie die Unbedenklichkeit des Impfstoffs belegen. Die Wirksamkeit wird im Rahmen der klinischen Prüfungen, insbesondere der Phase 3, ermittelt. Hier wird betrachtet, inwiefern der Impfstoff eine Covid-19-Erkrankung verhindert."

Yves Buisson erklärte ebenfalls: "Die klinischen Studien der Phase III, die von den Herstellern von mRNA-Impfstoffen im Jahr 2020 durchgeführt wurden, ob Pfizer/Biontech oder Moderna, hatten das Ziel, die Sicherheit und die Schutzwirkung des Impfstoffs gegen die schweren Formen von Covid zu zeigen. Wenn sich dieser Impfstoff darüber hinaus als wirksam gegen die Übertragung erweisen würde, wäre das noch besser, aber das war nicht das Ziel der Impfstoffentwicklung auf der Ebene der klinischen Versuche."

Die Ergebnisse der Phase-III-Studien des Impfstoffs von Pfizer/Biontech, die an rund 44.000 Freiwilligen durchgeführt wurden, wurden Ende Dezember 2020 im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Der Epidemiologe Antoine Flahault, Direktor des Instituts für globale Gesundheit der Universität Genf, ergänzte am 13. Oktober 2022: "Die klinischen Studien wurden in einer sehr strengen, doppelblinden, placebokontrollierten Weise durchgeführt. Das bedeutet, dass der Impfstoff von Pfizer einer Gruppe von zufällig ausgelosten Personen und ein Placebo einer anderen Gruppe verabreicht wurde, bevor der Schweregrad aller Covid-Symptome überwacht wurde, um zu sehen, ob der Impfstoff schwere Formen begrenzt. Das wurde von diesen Impfstoffen verlangt, und sie wurden nach diesem Kriterium auf den Markt gebracht."

"Die Gesundheitsbehörden haben sich die Zulassungsunterlagen angesehen. Die EMA, die FDA und alle nationalen Behörden, die den Impfstoff von Pfizer zugelassen haben, taten dies in voller Kenntnis der Daten, die darauf hinwiesen, dass die Übertragung nicht bewertet worden war, und das hat sie nicht im Geringsten schockiert", so Flahault weiter.

Eine Krankenhausabteilung für Covid-19-Patienten in Mulhouse am 17. April 2020 (AFP / Patrick Hertzog) ( AFP / PATRICK HERTZOG)

Auf Anfrage von AFP erklärte das Labor von Pfizer/Biontech am 14. Oktober 2022 per E-Mail, dass "die klinische Studie der Phase III (Protokoll im November 2020 veröffentlicht)" nicht dazu bestimmt sei, "die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen die Übertragung von SARS-CoV-2 zu bewerten".

Virusübertragung sehr schwer messbar

Die Messung der Auswirkungen eines Impfstoffs auf die Übertragungskette während einer klinischen Prüfung sei komplex, so die befragten Fachleute. Die Übertragung hänge von einer Vielzahl von Faktoren ab, die in einer klinischen Studie nicht unbedingt reproduzierbar sind.

In der Realität kann die Ansteckung von anderen Maßnahmen zur Verhinderung der Übertragung als nur der Impfung abhängen: Etwa die Einschränkung sozialer Kontakte, Masken, aber auch Husten in den Ellenbogen oder regelmäßiges Händewaschen. Dies erklärt, warum die Messung der Auswirkungen auf die Übertragung auch im wirklichen Leben äußerst komplex ist.

Antoine Flahault erklärte: "An den Versuchen nahmen einige Zehntausend Menschen teil, und zu diesem Zeitpunkt war das Virus mit dem ursprünglichen Stamm noch nicht so weit verbreitet. Der Impfstoff hatte im Vergleich zum Placebo viele Infektionen verhindert, sodass sich nur sehr wenige Menschen mit der Impfung infiziert hätten. Dann hätten wir sie weiterverfolgen müssen, um festzustellen, ob sie andere Personen angesteckt haben könnten, die nicht unbedingt in die Studie einbezogen waren, was sehr schwierig zu objektivieren ist."

"Die Experten wollten solide Kriterien, und diese werden gemessen, indem man die Auswirkungen des Impfstoffs auf Todesfälle und Krankenhausaufenthalte untersucht, und nicht, indem man die Übertragung modelliert", erklärte er abschließend.

Studien deuten darauf hin, dass die Impfung die Übertragung einschränken kann, obwohl es fast unmöglich ist, dies genau zu beziffern, da es so viele Variablen gibt. Außerdem haben verschiedene Virusvarianten das Bild noch komplizierter gemacht.

In Frankreich haben Modellierungsstudien des Pasteur-Instituts im Juni 2021 "untersucht, wie verschiedene Profile von Personen, die durch ihr Alter und ihren Impfstatus definiert sind, zur Epidemie beitragen würden", heißt es in einem Bericht des wissenschaftlichen Covid-19-Rates vom Juli 2021, eines unabhängigen Beratungsgremiums, das mit der wissenschaftlichen Beratung zum Stand der Pandemie und zu Gesundheitsmaßnahmen beauftragt ist.

Weiter heißt es: "Ungeimpfte Personen tragen unverhältnismäßig stark zur Übertragung bei: Bei einer ungeimpften Person ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Sars-Cov-2 überträgt, zwölf Mal höher als bei einer geimpften Person."

Die Forschenden sind sich zwar einig, dass Impfstoffe zur Verringerung der Übertragung beitragen, aber die Berechnung einer Zahl ist sehr kompliziert, und diese Modelle beruhen auf komplexen mathematischen Berechnungen, die in ihrem Umfang begrenzt bleiben.

Antoine Flahault betonte: "Der Covid-Impfstoff hatte das Potenzial, die Übertragung bei den ersten zirkulierenden Stämmen stark zu verlangsamen, wie in realen Studien nach der Markteinführung gezeigt wurde. Mit dem Auftreten neuer Varianten und mit dem zeitlichen Abstand zwischen den einzelnen Dosen wurde die Wirksamkeit des Impfstoffs jedoch immer geringer."

Ein wirksamer Impfstoff gegen symptomatische und schwere Krankheitsverläufe

Die Wirksamkeit gegen schwere Formen, die bereits in den Ergebnissen der klinischen Studien stark angedeutet wurde, wurde dann bei Impfkampagnen in der ganzen Welt bestätigt, wie Berichte aus vielen Ländern zeigen, was mehrere Experten der AFP in einem früheren Faktencheck erklärten (hier, hier).

Mehrere Studien (hier, hier, hier) zur Analyse der Daten von Impfkampagnen, insbesondere im Vereinigten Königreich und in Israel, haben gezeigt, dass die Covid-Impfstoffe nicht nur gegen schwere und symptomatische Formen der Krankheit wirksam waren, sondern auch, dass die Impfstoffe das Risiko einer Ansteckung mit dem ursprünglichen Stamm verringerten.

Die allgemeine Wirksamkeit der Impfstoffe – sowohl gegen die Krankheit als auch gegen die Ansteckung – hat im Laufe der Zeit und mit den neuen Varianten abgenommen. Dies erklärt die Auffrischungsimpfungen, die es ermöglichen, die Schutzrate wieder zu erhöhen, aber auch das jüngste Aufkommen von Impfstoffen, die an neuere Stämme als den Ursprünglichen angepasst sind.

Bei den Covid-Impfstoffen verhält es sich ähnlich wie bei den meisten früheren Impfstoffen: Die meisten verhindern nicht die Übertragung des Virus, das Symptome (die Krankheit selbst) auslösen kann oder nicht.

Die verschiedenen Impfstoffe, die zur Bekämpfung von Krankheiten entwickelt werden, können zwei Arten von Immunität vermitteln. Eine sogenannte "klinische" Immunität verhindert nicht, dass ein Virus den Körper infiziert oder sich vermehrt, aber sie verhindert die Entwicklung der wichtigsten Symptome der Krankheit. Dies ist der Fall bei den meisten Impfstoffen.

Bei einer sogenannten "sterilen Immunität" wird das Virus durch die vom Impfstoff ausgelöste Immunantwort vollständig aus dem Körper eliminiert. Dies ist der Fall bei der Pockenimpfung, mit der die Krankheit 1980 ausgerottet wurde.

Während eine sterilisierende Immunität das ultimative Ziel der Impfstoffforschung bleibt, rufen viele der heute verwendeten Impfstoffe, etwa gegen Covid-19, nur eine klinische Immunität hervor.

Der saisonale Grippeimpfstoff beispielsweise, dessen Zusammensetzung jährlich aktualisiert wird, bietet keinen vollständigen Schutz gegen die Krankheit, verringert aber das Risiko schwerer Komplikationen oder des Todes, so die FAQ der Klinik München.

EU-weiter Covid-Pass

In einigen europäischen Ländern haben die Fragen rund um die Übertragung und die extreme Schwierigkeit, die Wirksamkeit von Impfstoffen in diesem Bereich zu messen, zu einer Kontroverse über Covid-Zertifikate geführt. Deren Einführung beruhte auf zahlreichen epidemiologischen Parametern und nicht nur auf den Ergebnissen klinischer Studien.

Ein digitales Dokument, das auch als "Covid-Pass" bezeichnet wird, trat am 1. Juli 2021 in Kraft und wird in 49 Ländern verwendet, darunter auch in den EU-Mitgliedstaaten.

Er ermöglicht es einer Person in allen Ländern, die diesen "Pass" verwenden, nicht nur ihren Impfstatus, sondern auch ihre Genesung von Covid-19 oder einen negativen Test nachzuweisen. Auch Personen, die sich nicht impfen lassen wollen, können ihn nutzen.

In Frankreich wurde der Impfpass kontrovers diskutiert, weil er nötig war, um Zugang zur breiten Öffentlichkeit zu haben. Die deutsche Regierung führte am 23. August 2021 die sogenannte 3G-Regelung ein, die nur für Krankenhäuser und Heime, Innengastronomie, Feste und Sportveranstaltungen und körpernahe Dienstleistungen wie etwa Friseure galt. Damit ermöglichte die Regierung nicht nur Geimpften, sondern auch Genesenen und aktuell Getesteten – damit auch Ungeimpften – den Zugang zu diesen Bereichen. Der Nachweis konnte freiwillig über einen digitalen Covid-Pass geschehen, aber auch unabhängig davon.

Anfang Oktober 2021 verschärfte die Regierung die Regelung dann auf die "2G-Regelung", die nur noch Geimpften und Genesenen Zutritt zu verschiedenen Bereichen der Öffentlichkeit gewährte. Die Regelungen wurden von den einzelnen Bundesländern unterschiedlich streng umgesetzt und Anfang Januar 2022 nochmals um zusätzliche Tests für Geimpfte und Genesene verschärft.

Die Coronamaßnahmen führten zu regelmäßigen, teils hitzigen Protesten im ganzen Land (hier, hier).

Die meisten Coronamaßnahmen hob die Regierung bis zum 20. März 2022 in mehreren Schritten wieder auf.

Aktuell (10. November 2022) muss für die Einreise in die meisten EU-Länder kein negativer Test oder Impfnachweis mehr vorgelegt werden. Dies geht aus Informationen hervor, die auf der von der Europäischen Union zur Überwachung der Einführung oder Aufhebung von Beschränkungen eingerichteten Website Re-open Europe abrufbar sind.

Fazit: Die Aussage der Pfizer-Mitarbeiterin war keine neue Enthüllung. Bereits 2020 war klar, dass die Pfizer-Studie vor allem die Verhinderung von schweren und tödlichen Erkrankungen durch den Impfstoff erforscht. Das bestätigen öffentliche Dokumente, Behörden und Experten gegenüber AFP. Der Pfizer-Impfstoff hat sich während der späteren Impfkampagne auch als guter Infektionsschutz erwiesen.

Übersetzung:
COVID-19 IMPFUNGEN