Nein, dieser Corona-Tote ist keine Erfindung der Medien

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Medien hätten einen Corona-Toten erfunden – diese Behauptung verbreiten hunderte User seit Anfang November auf Facebook. Als Beweis dient die Aussage eines angeblichen Bekannten des Opfers. "Er hatte kein Corona", schreibt er. Der tote Mann hatte aber tatsächlich Corona.

Seit der ersten Novemberwoche verbreiten User auf Facebook hundertfach ähnliche Postings zur angeblichen Erfindung eines Corona-Toten durch die Medien (hier, hier oder hier). Sie alle zeigen den Screenshot eines Facebook-Postings der österreichischen Zeitung "Heute". Sie hatte am Abend des 4. Novembers über einen zuvor gesunden 38-jährigen Mann berichtet, der dann aber an Corona gestorben sei. Die verbreiteten Screenshots zeigen einen User-Kommentar zu dieser Aussage. Darin heißt es: "Das war ein Bekannter von mir ihr Falschmelder und der hatte kein Corona!"

Einen Tag später greift ein erster Facebook-Nutzer den Kommentar auf, über hundert User teilen ihn. Am 7. November verbreitet auch der Querdenken-Aktivist Martin Rutter die Behauptung und beschreibt den Screenshot mit den Worten: „Unfassbar diese #LÜGENPRESSE ÜBERALL erfindet man TOTE!!!“ Über 300 Menschen teilen das Posting.

Facebook-Posting – Screenshot: 10.11.2020

Der Artikel über den verstorbenen Mann existiert. "Heute" hat ihn am 4. November veröffentlicht und am selben Tag auf Facebook gestellt. Die Zeitung berichtet darin über einen Anstieg von Neuinfizierten und über neun Todesfälle in Oberösterreich, darunter auch der 38-jährige Mann. Auf Facebook kommentieren über tausend Menschen den Beitrag. Auch den User-Kommentar mit der Behauptung des "Bekannten" fand AFP darunter – über 680 User haben ihn geliked. Viele fragen außerdem nach Details und Quellen. Der "Bekannte" antwortet darauf allerdings nicht. AFP hat ihn ebenfalls kontaktiert und bis zur Veröffentlichung keine Rückmeldung erhalten.

AFP hat die Informationen aus dem Artikel dann mit Corona-Informationen aus Oberösterreich abgeglichen. Das Bundesland veröffentlicht auf seiner Website aktuelle Informationen zu Infektionen und Todesfällen. In der Liste taucht durchaus ein 38-jähriger Mann aus dem Bezirk Linz-Land als aktueller Todesfall auf. Das Land nennt dabei das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz als behandelndes Spital.

Eine Nachfrage im Krankenhaus selbst bestätigt den Todesfall. Eine Sprecherin teilte AFP am 9. November mit, dass ein 38-jähriger Mann verstorben sei. Sie sagte weiter: "Ein Corona-Test ist positiv ausgefallen." Sie vermittelte AFP außerdem an einen der behandelnden Ärzte des Mannes in der Inneren Medizin des Krankenhauses.

Auch der Arzt hält in einem Telefonat am 9. November eine andere Todesursache als die Corona-Infektion des Patienten für ausgeschlossen. "Es gäbe schlicht keinen anderen Grund", sagt er zu AFP und erklärt, dass es manchmal auch bei scheinbar gesunden Menschen zu schweren Verläufen kommen könne. Gerade junge Menschen wüssten oft nicht so genau über Grunderkrankungen wie etwa Bluthochdruck Bescheid, die aber das Risiko eines schweren Verlaufes erhöhten.

Das RKI schreibt ebenfalls: Junge Menschen seien zwar generell weniger gefährdet als beispielsweise ältere Personen oder Menschen mit Immunschwäche. Ganz ausschließen könne man einen schweren Verlauf auch bei jungen Personen aber nicht.

Es ist also durchaus möglich, dass auch junge Menschen einen schweren Verlauf einer Corona-Erkrankung erleiden und in unglücklichen Fällen sogar daran sterben. Der angezweifelte Bericht der Zeitung "Heute" beruht auf so einem Fall. Der 38-jährige Mann verstarb an Corona, wie die Meldung des Landes Oberösterreich und Bestätigung aus dem Krankenhaus zeigen. Die Zeitung hat sich den Toten nicht ausgedacht.

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