Nein, der Biontech/Pfizer-Impfstoff enthält keinen gefährlichen Leuchtstoff

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Tausende Nutzerinnen und Nutzer haben seit Ende Oktober eine Behauptung auf Social Media gesehen, wonach der Impfstoff von Pfizer einen Leuchtstoff namens Luciferase enthalte. Luciferase kommt zwar durchaus in der Forschung zum Einsatz, im Impfstoff selbst ist es aber nicht enthalten, wie mehrere Expertinnen und Experten gegenüber AFP bestätigten.

Dutzende Nutzerinnen und Nutzer haben die Behauptung von der gefährlichen Luciferase in Impfstoffen Ende Oktober auf Facebook geteilt. Auch auf Telegram sahen sie Tausende. Auf Englisch haben sie Hunderte auf Twitter geteilt.

Die Falschbehauptung: "Der Impfstoff leuchtet, zumindest der von Pfizer. Und die einzigen Bestandteile, die ich kenne, die das können, sind SM-102, das Luciferus genannt wird, und Graphenoxid. Und sie behaupten, beides sei nicht enthalten", erklärt eine angebliche Pfizer-Whistleblowerin in einem Video. Darauf aufbauend behaupten die Postings: "Strahlt man dann mit einer UV-Lampe und einer ganz bestimmten Wellenlänge auf die Adern, leuchten diese und man erkennt sofort wer wirklich geimpft ist!"

Facebook-Screenshot der Falschbehauptung: 02.11.2021

Dass Corona-Impfstoffe Bestandteile wie Graphenoxid enthalten würden, behaupten Gegnerinnen und Gegner von Impfungen immer wieder. AFP hat allerdings bereits festgestellt, dass das falsch ist.

Was ist Luciferase?

Luciferase ist ein Enzym, das in Gegenwart von Sauerstoff und einem Stoff namens Luciferin Licht erzeugt. Es kommt in der Natur zum Beispiel bei Glühwürmchen vor. Diesen Prozess, bei dem chemische Reaktionen Licht generieren, nennt man Biolumineszenz. Ihren Namen haben Luciferin und Luciferase vom lateinischen "lucifer", was "Licht bringend" bedeutet. Entdeckt haben Forschende die beiden Stoffe Luciferin und Luciferase bereits Ende des 19. Jahrhunderts.

Das im Video synonym genannte SM-102 ist ein Lipid, also ein wasserunlöslicher Stoff. Er hilft dabei, die mRNA-Moleküle der Impfstoffe in Zellen zu schleusen. Moderna verwendet SM-102 in seinem Impfstoff. Gefährlich ist der Stoff nicht, wie AFP bereits im Frühjahr überprüfte. Es ist aber nicht dasselbe wie Luciferin oder Luciferase.

Biolumineszenz ist ein wertvolles Werkzeug in der Forschung. Ein Team von Forschenden der Universität Vanderbilt hat beispielsweise Luciferase-Enzyme genetisch so verändert, dass sie als optische Sensoren eingesetzt werden konnten. Sie zeichneten die Aktivität in Gehirnzellen auf. Auch für die Forschung am Coronavirus und seiner Behandlung kommt Biolumineszenz zum Einsatz. Ein Forscherteam der Medizinischen Universität Texas (UTMB) wies damit etwa Antikörper gegen das Coronavirus nach.

Luciferase ist nicht im Pfizer-Impfstoff enthalten

In den Impfstoffen selbst ist Luciferase nicht enthalten. In der Liste der Inhaltsstoffe des Impfstoffs von Pfizer/Biontech taucht es nicht auf. Auch in den Inhaltslisten der anderen in der EU zugelassenen Impfstoffe (Spikevax von Moderna, Vaxzevria von Astrazenaca und Janssen von Johnson & Johnson) ist es nicht erwähnt. Nachrichtenartikel (hier, hier) listen und erklären ebenfalls die Inhaltsstoffe des Impfstoffes von Pfizer/Biontech, nennen aber keine Luciferase.

AFP hat am 9. November bei Pfizer nachgefragt. Eine Sprecherin schrieb: "Wir können bestätigen, dass Comirnaty® Luciferin, Luciferase bzw. SM-102 nicht enthält." Auch Graphenoxid sei nicht enthalten.

Eine Rückfrage bei der Virologin Angela Rasmussen von der Organisation für Impfstoffe und Infektionskrankheiten an der Universität von Saskatchewan in Kanada bestätigte das. "Luziferase wird in keinem Impfstoff verwendet. Es gibt keinen Grund, warum das so sein sollte", schrieb sie am 3. November an AFP. Sie erklärte weiter, dass Luciferase als Signalgeber für Studien im Labor zwar sehr nützlich sein könne, unmittelbare medizinische Anwendung gebe es aber nicht. Auf Twitter schrieb sie ebenfalls, dass Moderna keine Luciferase enthalte.

Sebastian Harder arbeitet am Institut für Klinische Pharmakologie der J. W. Goethe-Universität in Frankfurt am Main. "Wären Komponenten eines Luciferase-Assays Bestandteil des am Menschen verabreichte Impfstoff-Präparates, würde ich je nach injizierter Menge eine Gesundheitsschädlichkeit nicht ausschließen können", schrieb er am 2. Dezember an AFP. Er bestätigte allerdings ebenfalls, dass in den mRNA-Impfstoffen keine Luciferase enthalten sei. Der Stoff sei lediglich ein "Arbeitstier", das in der pharmakologischen Grundlagenforschung für alle möglichen Untersuchungen, auch die Erforschung von mRNA-Impfstoffen, Verwendung finde.

Als "Falschmeldung" bezeichnete die aktuell geteilte Behauptung auch Uwe Bornscheuer vom Institut für Biochemie der Universität Greifswald. "Hier wurden solide Erkenntnisse/Methoden der Grundlagenforschung mit Verschwörungstheorien verknüpft", schrieb er am 2. Dezember an AFP. Damit ein solcher Leuchteffekt, wie ihn die angebliche Whistleblowerin beschreibt, überhaupt auftrete, müsste eine große Menge an Luciferase im Impfstoff enthalten sein. Das sei aber nicht der Fall.

Fazit: Der Impfstoff von Biontech/Pfizer enthält keinen gefährlichen Leuchtstoff. Luciferase wird zwar in der Forschung verwendet, im Impfstoff selbst ist es aber nicht enthalten.

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