Schaufensterpuppe war Requisite einer festgenommenen Demonstrantin bei Protest in England
- Veröffentlicht am 18. Juni 2026 um 15:52
- 2 Minuten Lesezeit
- Von: Johanna LEHN, AFP Deutschland
Seitdem eine pro-palästinische Gruppe in Großbritannien im Juli 2025 verboten wurde, gab es wiederholt Proteste. In einem Video eines solchen Protests im November 2025 wird eine Schaufensterpuppe in einen Polizeiwagen getragen. Im Juni 2026 kursierte dieses Video in einem anderen Kontext: Die Puppe wäre beschlagnahmt worden, weil sich Pakistani von ihrer Kleidung belästigt gefühlt hätten. Die Londoner Polizei und weitere Aufnahmen des Protests bezeugen jedoch, dass die Puppe einer Demonstrantin gehörte, die wegen der Unterstützung der verbotenen Gruppierung verhaftet wurde.
"Die Polizei in UK beschlagnahmt eine weiße Schaufensterpuppe, nachdem sich die pakistanische Community über ihre 'unkeusche Kleidung' beschwert hatte", schrieb ein X-Nutzer in einem Beitrag vom 13. Juni 2026. Darin teilte er ein Video, in dem Polizeibeamte eine Schaufensterpuppe mit blonden Haaren und knapper Bekleidung in ein Polizeiauto bringen. Auch auf Facebook und Telegram kursierte das Video mit dieser Behauptung.
Das Video stammt jedoch aus einem anderen Kontext.
Mit einer Stichwortsuche auf Englisch fand AFP Beiträge in sozialen Medien, die von Ende November 2025 stammen. So berichtete beispielsweise eine Journalistin des linken britischen Mediums Novara Media am 20. November 2025 in einem Thread auf X von einem Protest gegen das Verbot der pro-palästinensischen Gruppe Palestine Action in London, das im Juli 2025 erlassen wurde. In einem der Posts ist dasselbe Video zu sehen wie in den irreführenden Beiträgen. Die Journalistin schrieb dazu: "Eine Schaufensterpuppe ist in einem Polizeiwagen abtransportiert worden.
Im Juli 2025 verbot die britische Regierung Palestine Action auf der Grundlage des britischen Anti-Terror-Gesetzes. Die Mitgliedschaft in und die Unterstützung der Gruppe sind aufgrund des Verbots strafbar. Palestine Action wurde im Jahr 2020 gegründet und wirft Israel Genozid im Gazastreifen vor. Die Aktivistinnen und Aktivisten nahmen bislang vor allem Waffenfabriken in Großbritannien ins Visier – insbesondere solche, die zum israelischen Rüstungskonzern Elbit gehören.
Eine der Gründerinnen von Palestine Action zog gegen das Verbot vor Gericht. Der Prozess fand ab dem 25. November 2025 statt. Die Proteste, die den Prozess begleiteten und von denen das Video stammt, begannen bereits einige Tage zuvor. Die irreführenden Beiträge wiederum kursierten wenige Tage vor der Bestätigung des Verbots durch ein Londoner Berufungsgericht am 15. Juni 2026. Das Verbot führte bis Juni 2026 zu mehr als 3000 Festnahmen.
Schaufensterpuppe gehörte einer Demonstrantin
Von dem Protest am 20. November 2025 wurden weitere Videos auf Youtube und Instagram geteilt. Darin ist eine Frau zu sehen, die mit Handschellen an die Schaufensterpuppe gekettet ist. Die Puppe hält ein Schild in der Hand, das in den irreführenden Beiträgen nicht zu sehen ist. Darauf steht auf Englisch: "Ich lehne Völkermord ab. Ich unterstütze Palestine Action."
Auf Instagram teilte zudem ein Fotograf des Bilddienstes Epa Images ein Foto derselben Situation. Laut der Bildbeschreibung gehörte die Schaufensterpuppe einer Demonstrantin, die festgenommen worden war: "Ein Polizeibeamter entfernt eine Schaufensterpuppe, die einer festgenommenen Demonstrantin gehört, während eines 'Lift the Ban'-Protests zur Unterstützung von Palestine Action vor dem Justizministerium in London, Großbritannien, am 20. November 2025."
In der Bilddatenbank der Nachrichtenagentur Reuters findet sich ebenfalls ein Foto der Festnahme, auf dem auch diese Demonstrantin zu sehen ist. Die Bildbeschreibung bestätigt, dass die Schaufensterpuppe der festgenommenen Frau gehörte: "Polizisten verhaften vor dem Justizministerium eine Demonstrantin mit einer Schaufensterpuppe, die ein Schild zur Unterstützung von Palestine Action hielt."
Die Londoner Metropolitan Police bestätigte auf AFP-Anfrage am 16. Juni 2026, dass die Festnahme während des Protests stattfand. Die Polizei habe nicht die Schaufensterpuppe verhaftet, erklärte ein Beamter. Die Demonstrantin, die an die Puppe gekettet war, sei wegen der Unterstützung der verbotenen Gruppe Palestine Action festgenommen worden. Deshalb sei auch die Schaufensterpuppe als ihre Requisite in den Polizeiwagen getragen worden.
Fazit: Eine Schaufensterpuppe wurde als Requisit einer verhafteten Demonstrantin in ein Polizeiauto geladen und nicht, wie behauptet, wegen ihrer Kleidung festgenommen. Das bestätigten sowohl Aufnahmen der Festnahme im November 2025 als auch die zuständige Polizeibehörde.
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