Keine Hantavirus-Testzentren: Bilder und SRF-Video sind Fälschungen
- Veröffentlicht am 22. Mai 2026 um 17:08
- 5 Minuten Lesezeit
- Von: Judith KANTNER, AFP Deutschland
Rund um das Hantavirus kursieren in sozialen Netzwerken verschiedene Falschbehauptungen. Zuletzt wurden manipulierte Bilder und ein gefälschter Beitrag des Schweizer Rundfunks SRF online geteilt, die angeblich erste Hantavirus-Testzentren zeigen sollen. Allerdings ergaben AFP-Recherchen, dass das Bild- und Videomaterial gefälscht ist. Weder in Deutschland, Österreich noch in der Schweiz wurden öffentliche Hantavirus-Testzentren errichtet, wie offizielle Behörden bestätigten.
Auf X veröffentlichte ein User am 12. Mai 2026 ein Video (hier archiviert), das über 23.000 Mal anderen Nutzerinnen und Nutzern angezeigt wurde. Das Video erweckt den Anschein eines authentischen Fernsehbeitrags des Medienhauses Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). In dem rund zwölf Sekunden langen Clip ist eine angebliche SRF-Nachrichtensprecherin zu hören: "Zwei neue Hantavirus-Testzentren öffnen Ende Mai ihre Türen. Sie sollen die ersten Impfungen nach Pfingsten möglich machen."
Ähnliches wird auch auf Facebook behauptet. "85% machen wieder brav mit", schrieb ein User über ein Sharepic, das er am 9. Mai 2026 postete. Das Sharepic soll mehrere Menschen darstellen, die vor einem Zelt mit dem Banner "Hanta-Testzentrum" warten. Sie tragen Masken und halten Abstand. Unter über 500 Kommentaren fragte ein Nutzer, wo dieses angebliche Zentrum sei. Ein anderer kommentierte: "Das ist KI oder?"
Tatsächlich handelt es sich bei dem kursierenden Sharepic um ein Bild, das mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurde. Auch das kursierende SRF-Video ist eine Fälschung. Bei der im Video dargestellten Frau handelt es sich um keine SRF-Mitarbeiterin, erklärte eine Sprecherin des Unternehmens AFP.
AFP-Recherchen ergaben, dass in Deutschland, Österreich und der Schweiz keine derartigen öffentlich zugänglichen Hantavirus-Testzentren eröffnet wurden.
SRF dementierte Ausstrahlung des Beitrags
Der angebliche SRF-Beitrag weist inhaltliche und visuelle Fehler auf, die darauf hinweisen, dass er gefälscht wurde.
Die angebliche Nachrichtensprecherin sagt im Video, dass zwei Hantavirus-Testzentren Ende Mai ihre Türen öffnen würden. Obwohl es Testzentren sein sollen, könne man sich nach Pfingsten gegen das Virus dort impfen lassen. Laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gibt es derzeit jedoch keine Impfung gegen das Virus. Bei einer Hantavirus-Erkrankung ist eine symptomatische Behandlung vorgesehen – es werden die Beschwerden behandelt und nicht die Ursache.
Im Clip werden mehrere Schnittbilder über die Stimme der angeblichen Nachrichtensprecherin gelegt: Sie sollen Patientinnen und Patienten zeigen, die bereits in einem solchen Testzentrum geimpft werden, obwohl dies laut dem Video erst Ende Mai möglich sein soll.
Eines der Schnittbilder weist einen Fehler in der Schrift am rechten Bildrand auf.
Die Aufschrift, die vermutlich "Registrierung" bedeuten soll, ist fehlerhaft und ist ein Indiz dafür, dass das Bild wahrscheinlich manipuliert wurde.
Eine Auswertung der Audiospur des Videos mit dem Analysestool Hiya ergab, dass die Stimme mit hoher Wahrscheinlichkeit KI-generiert wurde. Hiya ist ein Teil des Analyseprogramms InVID WeVerify, an dessen Entwicklung sich AFP beteiligt.
Auf Anfrage von AFP bestätigte eine SRF-Sprecherin, dass es sich um einen gefälschten Beitrag handelt. Der Sender habe nie einen solchen Beitrag ausgestrahlt. "Nebst der Tatsache, dass es sich nicht um eine SRF-Moderatorin handelt, werden unter anderem auch der Hintergrund wie auch die Schrift und Einblender nicht korrekt dargestellt", erklärte die Sprecherin 21. Mai 2026.
Auf formaler Ebene unterscheidet sich ein authentischer Beitrag von der Nachrichtensendung "Schweiz Aktuell" des SRF in einigen Punkten von dem kursierenden Video. Zum einen befindet sich das Logo "SRF news" in der Regel in der linken oberen Ecke und nicht, wie im online geteilten Video, links unten. Zudem ist im gefälschten Clip "SRF Schweiz Aktuell" zu lesen. Auch der Studiohintergrund hinter der angeblichen Moderatorin unterscheidet sich von den Studioaufnahmen eines tatsächlichen Beitrags.
KI-generiertes Bild enthält Rechtschreibfehler
Das kursierende Bild des angeblichen "Hanta-Testzentrums" verfügt über einige Elemente, die darauf hinweisen, dass es vermutlich mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt wurde. Am rechten Rand des Bildes ist ein Rechtschreibfehler erkennbar. Auf dem Schild, das den Ablauf des Testverfahrens ausweisen soll, steht "Anneldung" statt "Anmeldung".
Auch die Absperrung am linken Bildrand weist Unregelmäßigkeiten auf: Die Gitterstäbe scheinen im Bild unterbrochen zu sein.
Eine Analyse mit dem Erkennungstool InVID WeVerify ergab, dass das Bild mit hoher Wahrscheinlichkeit mithilfe von KI generiert wurde.
Eine weitere Auswertung mit dem Tool Hive Moderation ergab, dass das Bild höchstwahrscheinlich mit KI erstellt wurde. Der Analyse zufolge besteht eine 99-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass es mithilfe des Bildgenerators ChatGPT Bilder 2.0 von OpenAI generiert wurde.
Zudem kursieren weitere Versionen des Bildes, die dieselbe Szene mit einigen Änderungen darstellen. Eine der Versionen verortet das angebliche Hantavirus-Testzentrum in der deutschen Kreisstadt Kulmbach, wie auf dem Banner geschrieben steht. Eine Sprecherin des Oberbürgermeisters von Kulmbach dementierte gegenüber AFP am 21. Mai 2026 schriftlich, dass es in der Kreisstadt ein solches Testzentrum geben soll: "Aus unserer Sicht handelt es sich klar um eine Falschmeldung."
In einer anderen Version ist ein Mann vor einem Grill abgebildet, der Bratwürste zu braten scheint. Damit wird auf frühere Aktionen während der Covid-19-Pandemie angespielt, die als Anreize für die Impfung eingeführt wurden.
Behörden bestätigten: Keine Hantavirus-Testzentren in der DACH-Region
Auf Anfrage von AFP bestätigte ein Sprecher von Korinna Schumann, der österreichischen Bundesministerin für Gesundheit, dass es in Österreich keine solchen Testzentren gibt. "Es sind weder Hantavirus-Testzentren eröffnet worden, noch bestehen derzeit Pläne oder Veranlassungen zu solchen Schritten", erklärte er am 20. Mai 2026.
Auch das deutsche Bundesgesundheitsministerium sowie das schweizer Bundesamt für Gesundheit verneinten auf Anfrage von AFP am 21. Mai 2026, dass in den Ländern derartige Testzentren eröffnet wurden oder ihnen etwaige Pläne vorliegen würden. "Das Risiko für die Bevölkerung in der Schweiz ist gering. Es gibt in der Schweiz zurzeit keine Maßnahmen für die allgemeine Bevölkerung im Zusammenhang mit dem aktuellen Hantavirus-Ausbruch", hieß es aus dem Schweizer Gesundheitsministerium.
Am 18. Mai 2026 legte das niederländische Kreuzfahrtschiff "Hondius" am Hafen in Rotterdam an. Damit verließen die letzten Besatzungsmitglieder, Passagierinnen und Passagiere das Schiff, auf dem das Hantavirus ausgebrochen war, und begaben sich in Quarantäne. Im Hinblick auf die globale Bevölkerung stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Risiko des Ausbruchs als gering ein.
AFP veröffentlichte bereits mehrere Artikel zu kursierenden Falschbehauptungen im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Hantavirus im Frühjahr 2026.
Fazit: Nutzerinnen und Nutzer verbreiteten online Bild- und Videomaterial, das suggerieren soll, dass bereits erste Hantavirus-Testzentren eröffnet worden wären. Allerdings handelt es sich hierbei um gefälschtes Material, das teilweise mithilfe von KI erstellt wurde. Sprecherinnen und Sprecher der Gesundheitsministerien in Deutschland, Österreich und der Schweiz bestätigten AFP im Mai 2026, dass keine derartigen Hantavirus-Testzentren in den Ländern eröffnet wurden.
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